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Volltext: Alte und Moderne Kunst X (1965 / Heft 78)

 
auf die Invention von Frangois Cu- 
d. A. zurück. Sie bezieht sich jedoch 
wegs nur auf das Detail, sondern über- 
nderweise auch auf die sehr charak- 
iche Gesamtform des Zierofens. Der 
ende Beweis dafür ist in einem von 
?ariser Kupferstecher Charpentier aus- 
'ten und zwischen 1745 und 1755 
rierenden Cuvillies-Entwurf (Abb. 6) 
inen Ofen mit einer allegorischen 
llung des Feuers (als Verkörperung 
Zlemente) erbracht, betitelt „Dessein 
oäle de terre vernissee en blanc, avec tous 
.emens, et principales moulures dores" 
2,5 cm) in: Decoration de Lambris, 
're T. Nr. 2, das im ganzen vier solche 
sses de poeles" enthält 8. Es spricht für 
der Ausführung des Zierofens beteilig- 
ünchener Hofkünstler, daß ihr gemein- 
ollbrachtes Werk qualitativ keineswegs 
diesem Idealentwurf Cuvillies, zurück- 
sondern in einem kongenialen Inter- 
onsverhältnis zu ihm steht und ihn in 
l „handschriftlichen" Duktus, wie er vor 
an den sttaiien Kurven seines Umrisses 
:heinung tritt, erreicht, wenn nicht über- 
Stilistisch und motivisch damit eng ver- 
z, als Entwürfe für Stuck- und Fayence- 
gedachte Cuvillies'sche Puttendarstellun- 
bb. 5) finden sich wiederholt auf Stichen, 
in seinem Sohn F. Cuvillies d.  aus- 
t sind und folgenden Titel tragen: „Livre 
rtion de Plafonds et d'un Poälle, in- 
;) par M. de Cuvillies le Pere Premiere 
Architecte de leurs A. S. E. de Baviere et de 
Cologne". Weitere Belege für die Form des 
Münchener Zierofens Enden sich in einigen 
in etwas vereinfachter Form gezeichneten 
Ofengestaltungen, die auf einem eigenhändi- 
gen, um 1749 zu datierenden Entwurf (Abb. 7) 
von F. Cuvillies d. Ä. abgebildet sind9. In 
Gestalt einer sehr sorgfältig ausgeführten 
Zeichnung zeigt er einen Schnitt durch den 
(auf unserer Abbildung nicht wiedergegebenen) 
Zuschauerraum und die Fürstenloge mit dazu- 
gehörigem gewölbtem Salon in einem nicht 
zur Ausführung gelangten Komödienhaus, 
das der Münchener Hofarchitekt für den Land- 
grafen Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel in 
Kassel errichten sollte (Marburg, Staatsarchiv). 
Für die Beurteilung der raumdekorativen 
Arbeitsweise von Cuvillies d. Ä. ist gerade 
diese farbig angelegte Zeichnung von großer 
Bedeutung, weil sie zeigt, wie die völlig ein- 
heitliche Farbzusammenstellung von Weiß 
und Gold ebenso auf die Öfen wie auch auf 
ihre Pendants im Salon, die lichttragenden 
Puttenpaare, und auf den gesamten sie um- 
gebenden Wand- und Deckendekor sich er- 
streckt. Von der architektonischen Umgebung 
aus betrachtet, ergibt sich die gleiche Kon- 
kordanz zwischen ihr und der auf sie abge- 
stimmten Formgestaltung der Öfen. Mit dem 
Kasseler Entwurf eng verwandt ist die Innen- 
architektur des (auf einem zeitgenössischen 
Stich dargestellten) Querschnitts durch das 
zwischen 1750 und 1753 vollendete Residenz- 
theater in München, ein Blatt, das in dem Salon 
mit den Treppen zu den Parterrelogen eine 
sehr ähnliche, ebenfalls von Cuvillies d. Ä. ent- 
worfene Ofenform zeigt, deren Ausführung 
nicht erhalten blieb (Stich von Valerian Funck; 
„execute sur les dehseins de M: de Cuvillies 
Pere")10. Zur Gestaltung des Hguralen und de- 
korativen Schmuck zeigenden Giebels (Abb. 8, 
15) bei dem Münchener Fayenceofen, auf den 
wir später noch zurückkommen werden, ver- 
gleiche man eine motivisch sehr ähnliche 
Cuvillies-Komposition, wie sie auf einem 
zwischen 1745 und 1755 zu datierenden und 
von Georg Sigmund Roesch ausgeführten Stich 
(Abb. 9) mit dem Titel wiedergegeben ist: 
„Morceaux de Caprices a divers usages" 
(26 Livre B. Nr. 2). 
Bei den nach Art von Möbeln über Eck auf- 
gestellten Brühler Zieröfen machten wir darauf 
aufmerksam, daß bei ihren ganz holzmäßig 
gedachten geschweiften Beinen in der kera- 
misch gestalteten Sockelzone „durch den unter 
dem Feuerkörper entstehenden Hohlraum un- 
verkennbar die Assoziation an ein aus Holz 
hergestelltes transportables Möbel im Sinne 
einer Kommode oder eines geschnitzten Kon- 
soltisches" entsteht. In noch eindringlicherem 
Maße gilt diese Feststellung für die farbig sich 
deutlich abhebende Sockelzone (Abb. 10) des 
etwa neun Jahre später ausgeführten, in der 
Form seines in der Mitte passig-oval durch- 
brochenen Oberteiles in der Ftontalansicht 
an ein Uhrgehäuse erinnernden, in der Seiten- 
ansicht jedoch mehr einem Baluster gleichen- 
den, weißglasierten Münchener Fayenceofens, 
 
 

	        

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