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Volltext: Alte und Moderne Kunst X (1965 / Heft 78)

erer", ist der Münchener Fayenceofen 
tzte stilistisch für ihn nachweisbare Werk, 
in qualitativ auf der Höhe seiner kunst- 
xerklichen Befähigung zeigt. Die domi- 
Ide Stellung von Cuvillies d. Ä. bei der 
ng wie bei der Ausführung solcher Öfen 
t sich in gleicher Weise auch durch einige 
e (meist nicht erhaltene) Stücke der 
:hener Hofkunst. Einer bisher unbeach- 
durch K. Trautmann aufgefundenen 
rallschen Nachricht zufolge „possierte" 
„Churfürstliche llof-Stuccateur und 
r" Johann Baptist Zimmermann (1680 
758) die „ornementer von Erden" zu 
1 um 1737 ausgeführten (nicht erhalten n) 
fen im Palais Portia in München, dessen 
iu Cuvillies d. Ä. als Hofbaumeister 
:. Eine in diesem Zusammenhang in bezug 
.ie Gestaltung der Kachelöfen sehr auf- 
ßreiche Äußerung von  B. Zimmer- 
besagt, daß die „Obgemelte Stuccator- 
: (zu ergänzen: bei der dekorativen Um- 
ltung des Großen Saales in Schloß Nym- 
mrg in den Jahren 1756157), so schon 
angen, von Monsieur Quilie (sic - statt: 
lies) Corigirt und selbe etwas Leichter 
estelt worden". Schon vor  Gg. Härtls 
wurde für die Herstellung von höflschen 
in zunehmendem Maße Franz Ignaz 
zrmayer (1710-1772) herangezogen, Sohn 
von Moosburg nach München im Jahre 
eingewanderten Hafners (gest. 1741) und 
er des Hof-Hafners Augustin Nieder- 
r (gest. 1772). F. J. Niedermayer, der 
„Gewerbe in der Schafflergasse (später 
le) in München" betrieb, machte als 
im Jahre 1747 Porzellanversuche, die 
zßlich zu der (seit 1761 in Nymphenburg 
erten) kurfürstlichen Porzellanmanufaktur 
en, deren oberste Leitung von 1747 bis 
der Graf von llaimhausen innehatte. Auf 
luche nach dem Arkanum des Porzellan- 
lCflS stellte F.  Niedermayer zuerst 
neröfen aus „Porzellainerde" (d. h. aus 
ice) „mit weißer Glasur und Vergoldung" 
„welche damals ein ungemeines Aufsehen 
ten und von seiner Ertindungsgabe und 
hmack eine hohe Meinung gaben", wie 
t F.  Lipowsky (1815) und nach ihm 
ntendant der königlichen Hofgarten, Carl 
1st Sckell, im Jahre 1837 über ihn zu 
hten wußten 17. XVichtig ist die von dem 
genannten stammende detaillierte Nach- 
über das dabei verwendete Material, was 
auch für die Herstellung unseres Ofens 
fft. Die „so vortreffliche Porzellanerde, 
he in besserer Qualität wohl nirgends 
troffen wird", bezog man „aus dem Land- 
hte XVegscheid im Unterdonaukreise, Feld- 
1 von Bodenmais, Gips von Kochel und 
;gries, Quarzsand und Kapselerde von 
isberg und Hemau". Sogar der Erz- 
lof von Salzburg, Graf Sigmund Christoph 
Schrattenbach (1753 -1771),bestellteeinige 
F. J. Niedermayer in München hergestellte 
.t erhaltene) Zieröfen für seine Residenz 
ralzburg17. Bei den von den Brüdern 
. und Augustin Niedermayer zwischen 
und 1765 angefertigten (und im letzten 
ge ohne Ausnahme zerstörten) Zieröfen 
len Kurfürstenzimmern der Münchener 
Residenz ist in jedem Falle ein Entwurf von 
Cuvillies d. Ä. vorauszusetzen. Insbesondere 
gilt dies für einen einst im Schlafzimmer der 
Kurfürstin in dieser Zimmerßucht vorhande- 
nen und vor einer stuckierten Nische auf- 
gestellten ()fen von höchst individueller Ge- 
stalt, der, zur Gattung der „Möhelöfen" ge- 
hörend, in Form eines schwarzlackierten Auf- 
satzschrankes Chinesenszenen als Dekor zeigte 
(1748) 18. Als Bekrönung diente ein sich liebe- 
voll umatmendes Puttenpärchen, das den 
erhaltenen Abbildungen nach zu schließen auf 
Grund seiner stilistischen Indizien vermutlich 
ein eigenhandiges Werk von Johann Baptist 
Straub war. Für das Schloß Siinching des kur- 
bayerischen Konferenzministers und Ober- 
stallmeisters Joseph Franz Reichsgrafen von 
Seinsheim führte F.  Niedermalver zwischen 
dem 10. April 1760 (Akkord) und dem 7. Sep- 
tember l764 (Quittung überdie Gesamtsumme) 
zwei große „bossierte" (d. h. mit bildhaueri- 
schem Schmuck versehene) Zieröfen für den 
Saal, dann drei „bossierte" für die Haupt- 
zimmer und fünf schwarz glasierte Kachelöfen 
für die übrigen Räume für zusammen 900 Gul- 
den aus, die er laut Vertragstext nach Ent- 
würfen von F. Cuvillies d. u . anfertigte W. 
Von diesen zehn Öfen blieb nur ein mit braun- 
schwarzer Glasur versehenes und ganz orna- 
mental behandeltes Stück erhalten, das im 
Gegensatz zu den Brühler Öfen und dem neu 
entdeckten etwa zehn Jahre früher entstande- 
nen Münchener Werk außer einer bekrönenden 
Vase keinerlei bildhauerischen Schmuck auf- 
weist. Bereits in die letzte Rokokophase ge- 
hörend, repräsentiert das bisher unbekannte 
Sünchinger Stück den Spätstil Cuvillies auf 
dem Gebiet der Ofengestaltung 20. Analog dem 
bei den Möbeln schon längst durch A. Feulner 
eingeführten Begriff sei hier vorgeschlagen, 
mit der gleichen Berechtigung in Zukunft von 
„Cuvillies-Öfen" zu sprechen. 
Eines erscheint uns bei der Betrachtung der 
nur in wenigen Exemplaren erhaltenen Mün- 
chener hötischen Zieröfen merkwürdig. Nicht 
ein einziger der von uns genannten Künstler 
und Kunsthandwerker konnte auf eine auto- 
chthone münchnerische Abstammung hin- 
weisen. Um bei den Bildhauern anzufangen: 
Johann Baptist Straub ist in der damals kur- 
bayerischen Enklave Wiesensteig (im heutigen 
Württemberg) und sein Meisterschüler Franz 
Ignaz Günther ist in AltmannsteinjObpf. als 
Abkömmling eines Südtiroler Geschlechts ge- 
boren. Das gleiche gilt für die Künstlerfamilie 
der Zimmermann, von denen hier nur der 
seit 1720 in kurbayerischen Diensten stehende 
Johann Baptist zu nennen ist, der in Gaispoint 
bei YfessobrunnjObb. das Licht der Welt 
erblickte. Johann Georg Härtl wurde in Stall- 
wang (bei HaibachfNdb.) im Bayerischen Wald 
geboren, und die zuletzt ervaählmte Hafners- 
familie der Niedermayer stammt aus Moos- 
burglObb. Um sie schlingt sich das sie ver- 
einigende Band der Münchener Hofkunst. lhr 
„eigentlicher Hintergrund und die letzte gei- 
stige lnstanz"ll war gleichfalls ein „Wahl"- 
Münchener wallonischer Abstammung: Fran- 
gois Cuvillies d. Ä., der in Soignies im Henne- 
gau geborene, geniale Schöpfer des bayerischen 
Rukoku. 
 
ln Ofcnuntcrsalz aus Gußciscn VOn Abb. 1. 41X7ÜX5Ü u 
11 Hocker, Mine 1x. 1b. 48,3x41.lx35,5 cm. Mnm 
Privatbexitz 
1: "Foilcllcrlwc auf Finffußigem Untergestell; bemalt 
der Dusl. 55 cm, d Untcrgestclls a1 cm. Meißen 
11.10. Amsterdam. Rljksrnuscum 
13 Ignaz (äunlhe ct-llugrllrr Puttokopf. H. 
Detail vom Fayl: Oftll Ahb.1 
14 lgnzz (iunrlwr. (rt-flügelter Pulrblrbpr. Lindcullolz. rr 
gcfußl. 11. 30.2 du. Augsburg. Stidr. Kunsrsanllnlu 
15 lgnaz ouulbrr. Purru, H. w CPU, mit Kartusclrc 
100 cm. Eicllcillrolz. Detail VOIl1 Chorgcstühl Frei 
Neusrifr. ebenluligc Klosterkirche 
11. lguaz ouurbrr. Fuß eines Srandkreuzes A laurwurqr 
(Iran und gelb 15 erte Federzeichnung, Gesamt; 
.11 . 21 cm. Munrhen, Stadtlnuseum, MaiIlinger-Sanlnzl 
 
20 cn 
 
 
ANMERKUNGEN: 11 -ll 
H Euro äischcs rxblrblrd. Muurbrrr 195a - Aurrr-Krr. Nr 
l: w. rvngel, Alte Wohnkulnlr in Berlin uud ru der 
uu sgu-gr-l der Quellen des 16.-19. Jahrhunderts, Bcrlir 
(g 1 5a) .212. 
1: Frcun r nulndlichcr Hinweis von Herrn Fritz u 
am 3.11.1904. 
14 A. n-ulur-r, Die Sammlung HOfrGl Sigmund lkohrcr, r 
burg 102a, 11. Nr. 26 m. Abb. 5s. s. 40; dem: Bayer 
Rokoko. München 1923 Abb. 203. s. 149; dem: 
rzuu her. München u. 1. 19471, Abb. s. 117. 
ß A. Schiinbcrgur-G. Woerkel, lguaz Gulirher-Ausst. Mur 
1951. KaL-Nr. 65h. r A. Schöuberger, I. Gunther, M111 
. z 11154). Nr. 2 1125, m. 2 Abb. 
l'- A Schiinhergt 1. (runlhcr. 3.2. 0., 134 und 43. 
w l-. 1. Lipuw. Urgescl ' ehren von München, ll. Teil, 
45614. - c. A. Schell, Das königliche 
u-bluls Nynl hellburg uud seine Gartenanlagen, Mimchel 
um). E. 14111, 1431144. - Friedrich n. Hofl 
(itschivhlc der Bayerischen Porzellan-Manufaktur Nym1 
burg, lid. 1, Leipzig 192.1, s. 5-3 u. a. B. o. 
w A. Fculuer. Bayerisches nblrukb, a. a. 0.. Abb. . 
w Diese aus unverolfentlichrcu Urkunden des . r-r 
stammenden Angaben verdanke ich der ur 
'1 von Dr. 1c. Kosel. dem ich dafur meinen 
richtigen Dank aussprechen mochte. 
w Zu der urrruug der ußildhzueW-Öfen soll hier ubd 
cmc bisher in zwei e cmplaren bekannte Serie hingev 
werden. deren Kcn tnls wir Dr. n. Rücken in Mul 
verdanken (jc ein Stück im Metropolitan Museum in 
York und seit 19:11 im Bayerischen Nationallnuseu 
München: 274x53,2x35,3 cm). Der Überlieferung 
sralumcn sie aus Schloß SCChOf bei Bamberg und wurden 
llillrlich nach rlurru Entwurf VOn Johann August Nahl 
(1710 17x51. der uln 11611 für kurze zbrr in Scbloß s 
war. von einem dort beschäftigten Bildhauer Martin Mut 
(1733 4x04) (e) ausgeführt. Vgl. Carl Christian Danken 
Thc Frankenstein Dragon stove. in: T118 Melrop 
Muu-uru nf Arr,  1B. 1960. s. 168-170. Ferner: 1 
lnullcr. Aukt. so v. 111.110, s. 1964. Kai. w. Nr. 256. m. 
Tmf. 51. 
11 u. Wocckcl. Art: F. (Imrilliesd. 
Biographie. lll. 11.1.. 1 . , s. 
 
 
 
  
 
 
 
 
.u.4d,].. in: Neue Der 
 

	        

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