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Volltext: Alte und Moderne Kunst X (1965 / Heft 79)

Dreireiligcs lhxucxiklcid aus lnbilhlirnunflll Tal": mit Ruvchcn. 
Schleifen und Fransenbesätzcil. Die kreisrunde Form des 
Rnckgestcllcs wini in der sog. Tumur in einc uhlnnge 
gewandelt; dic Ruckenpanie wird (llHTh die reichen Falten, 
(llC Schleppe und die großc Masche des Siihürzcnnrtigcn 
Rucklciles betont. im Schnitt der Jacke und tit-i reichen 
Dekorationen zeigen sich Anregungen aus der Mode des 
1x.1ii. uin 1x10 ms 
Damenkleid aus schwarz-grun kariertem Seidcnstoli" lnit 
schwarzen Saml- und Spilzcnhcsilzcn. In Anlehnung an 
Modcformen der 2, Hälfte des min. wird Clltf Silhouette 
Schmaler und gcsticcktcr und der Stoff in reichen llauschen 
und Ilammm-it um Rurken draniurt. Um 1375 
„Zweiten Rokoko" erkennen. Selbst die 
Krinoline, die nun zum drittenmal in der 
Modegeschichte der Neuzeit den Reifrock zur 
Herrschaft brachte, bedeutet nur eine konse- 
quente Weiterentwicklung der bereits herr- 
schenden Modelinie. Die erste Phase der 
historistischen Bewegung gab somit der Mode 
keine Richtungsänderung. 
Erst in den siebziger Jahren gewann eine be- 
wußte Auseinandersetzung mit den modischen 
Problemen der Vergangenheit Bedeutung. Der 
Reichtum an Drapierung, Raffung und Bau- 
schung, den die vornehme Damenkleidung der 
zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts besessen 
hatte, bot sich in besonderer Weise zur Nach- 
ahmung an. Auch in der vielfältigen Dekoration 
des Kleides durch aufgesetzte Rüschen, Spitzen 
oder Pusamenterien sind nun deutlich An- 
regungen der Rokokomode zu erkennen. 
Zugleich wich die gleichmäßige, im Grundriß 
fast kreisförmige Gestaltung des Rockes durch 
die Krinoline einer deutlichen Betonung der 
Rückcnpartie, wo die Weite in Falten gerafft 
und über ein Gestell gebauscht wurde, während 
das Kleid seitlich und vor allem vorne fast 
gerade herabiiel. Damit war eine starke Ver- 
änderung der gesamten Silhouette verbunden, 
die die Figur nun schmaler erscheinen ließ 
und die Körperform stärker zur Geltung 
brachte. Zum letztenmal besaß der aus der 
Mode des späten Rokoko übernommene „Cul 
de Paris" ein steifes Gestell aus kleinen Reifen 
und Polstern, das die Gesamterscheinung be- 
stimmte; gegen Ende des Jahrhunderts wurde 
das Kleid selbst für die modische Linienführung 
allein bestimmend. 
Die Wirkung der historisierenden Richtung 
auf die Mode erscheint damit auf einen ver- 
hältnismäßig eng begrenzten Zeitabschnitt 
beschränkt. Nicht weniger bezeichnend ist 
jedoch die Tatsache, daß der RückgriH auf 
frühere Epochen in den verschiedenen Be- 
reichen der Mode selbst jeweils andere Wir- 
kungsmöglichkeiten besaß. Waren viele der 
von den Theoretikern und Kritikern dieser 
Epoche vorgetragenen ldeen für die Kleidung 
und ihr Zubehör kaum von Bedeutung, so 
war es die Auseinandersetzung mit der Zweck- 
bestimmung in sehr hohem Grade. Die tief- 
greifenden Veränderungen der gesamten Le- 
bensgestaltung mußten gerade in der Kleidung 
sehr stark mitsprechen und der Nachahmung 
historischer Modeformen entgegenwirken. Am 
klarsten tritt dies in der Entwicklung der 
l-lerrenkleidung in Erscheinung. Hier verbot 
die praktische Notwendigkeit eine Angleichung 
an barocke oder gar an noch weiter zurück- 
liegende Vorbilder. Weder reichgcmusterte 
Seidenstoffe noch Seidenstrümpfe und Knie- 
hose konnten wieder aufgenommen werden. 
Allmählich verschwanden die hellen Farben, 
die seidenen Stoffe und die die Bewegung zu 
sehr beengenden Schnitte. Tuche in gedeckten 
Farben und einfache Kleidungsstücke, die auf 
jeden Aufputz verzichten, beherrschten das 
Bild selbst in der festlichen Kleidung. Allein 
die Uniformen bewahren in der Erscheinung 
der vornehmen Herrenwelt noch Farbenpracht 
und dekorativen Reichtum. XYenn auch s 
durch die soziologische Struktur bestimmt - 
in weit geringerem Maße, meldeten auch im 
Bereich der Damengarderobe neue Aufgaben 
ihren Anspruch an, was vor allem dem Auf- 
kommen des Sports zuzuschreiben ist. Für das 
Eislaufen wurden erstmals die kurzen, das 
heißt knöchellangen Kleider gesellschafts- 
fähig; Schwimmen und Radfahren verlangten 
auch für die Damen Kleidungsstücke, die die 
Bewegung nicht allzusehr behinderten. 
Mit besonderer Deutlichkeit tritt damit im 
Bild der Mode in Erscheinung, was auf allen 
Gebieten des Kunsthandwcrks und der Archi- 
tektur zu erkennen ist: Überall dort, wo es 
sich um die Bewältigung von Aufgaben 
handelte, die auch früheren Zeiten in ähnlicher 
oder gleicher Form gestellt worden waren, 
konnten die für ideal erkannten Lösungen der 
Vergangenheit Anwendung finden, während 
die von neuen Zweckbestimmungen her ge- 
prägten Furmen sich nur in Einzelheiten an 
Vorbilder anschlossen, im wesentlichen aber 
neu geprägt werden mußten. Der Gegensatz 
von reicher, auf repräsentativen Eindruck ge- 
richteter Damenkleidung zu der zweckbe- 
dingten Herrenmode wie zwischen 
großem Festkleid und seinen zugehörigen 
Accessoires zum praktischen Gebrauchsklei- 
dungsstück für Haus und Sport bildet ein 
Charakteristikum der Mode in der historisti- 
schen Epoche. 
auch 

	        

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