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Volltext: Alte und Moderne Kunst X (1965 / Heft 79)

wegen seiner geringen Qualität 1727 durch 
froger ersetzte Gemälde Plazers vorhanden 
war. Vor 1708 hatte man sicherlich daran 
gedacht, nicht nur ein Seitenaltarblatt, sondern 
xohl die gesamte fehlende Ausstattung ein- 
chließlich Hochaltar und Fresko in die Hände 
ies damals auf der Höhe seines Ruhmes 
wehenden Rottmayr zu legen. Bei dem be- 
tannten Geldmangel der Bauherren 26 und bei 
1er möglichen Arbeitsüberlastung Trogers 
rann dieser Auftrag so lange liegengeblieben 
ein, bis 17Z7,'Z8 der junge Paul Troger nach 
len alten Programmen die ganze Ausstattung 
ieferte. So könnte der kleine Bozzetto als 
Entwurf für das Hochaltarblatt entstanden 
ein. Seine Datierung, die sich nach der Palette 
n das erste Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts 
egen läßt, stützt diese Vermutung des Be- 
timmungsortes. 
Ein weiterer unedierter Entwurf Rottmayrs, 
:in großformatiger Bozzetto (Öl auf Leinwand, 
55,3 X 110 cm) stellt den Evangelisten Johannes 
ruf Patmos dar, während er das Kapitel 12 
ler Geheimen Offenbarung schreibt (Abb. 14). 
-inks über ihm erscheint der Erzengel Michael 
llS Führer der himmlischen Heerscharen und 
türzt die Engel der Finsternis. Die kraftvoll 
ind breit angelegte Skizze ist der Teilcntwurf 
zines Kuppelfreskos. Sie tauchte 1964 im 
-ondoner Auktionshaus Christie auf und war 
m Katalog als Werk Daniel Grans geführt 17. 
Xbgesehen von den Unterschieden zu dem 
xekannten Bozzettostil Grans ist diese Zu- 
tchreibung auch hinsichtlich der Datierung 
wesentlich zu spät gegriffen. 
)ie Skizze zeigt deutlich den EinHuß der 
"ömischen Deckenmalerei des 17. Jahrhunderts, 
ror allem des Giovanni Battista Gaulli. In der 
Gestalt des sitzenden Johannes und seiner 
iellen Farbgebung sind hingegen schon nea- 
iolitanische Einflüsse gegeben. Unter den 
Jenezianern könnte man als Parallele an 
Sebastiano Ricci denken, wenn auch die 
{andschrift anders lautet. Riccis Schönbrunner 
Tresken haben nicht ohne Grund lange Zeit 
)IS zur Richtigstellung durch Klara Garas als 
Werke Rottmayrs gegolten 214. 
m Vergleich mit den vorher besprochenen 
Zozzetti möchten wir hier an eine frühere 
)eri0de Rottmayrs denken, die nach seiner 
Rückkehr aus Venedig 1687 als Frucht seiner 
talienjahre und als unmittelbare Wirkung des 
Qoth-Ateliers anzusehen ist und bis in die 
Mitte der neunziger Jahre dauert. Die Figuren 
wehen im Sinne der Tenehrasi des 17. Jahr- 
iunderts noch als voll modellierte Gestalten 
vor uns. Die Leuchtkraft der Farben hat noch 
iicht die plastischen Werte verdrängt. Das 
Zinnober des Mantels und das hellgrüne Kleid 
les Johannes geben einen wirkungsvollen 
Kontrast zur düsteren Vision des Engels- 
;turzes. Die Festigkeit des Körperlichen und 
ler Komposition könnte den Gedanken nahe- 
egen, der Bozzetto sei noch ein Werk Carlo 
Loths. Vergleiche mit dem Tittmoninger 
1 .111 
 
17 
14 J. M. llolmiayr. im Evangelist 
Johannes auf Patmoi". Fruskncnt- 
wurf. Chrisritü, London 
17 J. M. Rnltmayr. Vmou des lil. Hu- 
htrlus, Bunt-m: fur ein Altarblatt. 
Privmhmrz, Munthen 
werden, daß der große Engelssturz sich in 
einem etwas weiter fortgeschrittenen Aus- 
führungsgrad befindet als der Tittmoninger 
Michael. Zum zweiten ergeben sich bei dem 
Vergleich der stützenden Leiber wesentliche 
Unterschiede aus der späteren Periode des 
Tittmoninger Bildes. Vergleichen wir den 
Engelssturz mit dem vom Meister 1695 
signierten Gigantensturz im Ahnensaal des 
Schlosses Frain an der Thaya, dann wird die 
gleiche Hand offenbar (Abb. 15 und 16). 
In der Gestaltung der Körpermassen ist nicht 
nur das seit dem Höllensturz der Verdammten 
von Rubens vererbte Allgemeingut des Barock 
als Gemeinsamkeit sichtbar. In einer ebenso 
spontanen, durch die schnelle Malweise der 
Freskotechnik bedingten Darstellung sehen 
wir starke Übereinstimmung in der Plastik 
der gewaltigen Leiber, in der Bewegung bis 
in die Details der Gestik und Mimik. 
Auch zum Tittmoninger Michael bringt der 
intensive Detailvergleich Resultate in den 
Teufelsfratzen und in der Gestaltung der 
Drachenköpfe. Sie zeigen nicht nur in der 
lheiten des 
um... u" .. .1 
 
 
Rottmayr. Sie finden sich auch in der folgenden 
Hubertusskizze. 
Der Engelssturz mit dem Evangelisten Jo- 
hannes kann daher wohl als frühes Werk 
zwischen 1687 und 1695 eingeordnet werden. 
Er kennzeichnet seine künstlerische Herkunft 
aus der Loth-Schule. 
In unmittelbarer Nähe dazu steht der Entwurf 
für ein Altarblatt mit der Darstellung der 
Hubertusvision (Öl auf Leinwand, 76 X 47,5 cm) 
(Abb. 17). Die Skizze tauchte zusammen mit 
einem Paar fertig ausgeführter, von Rottmayr 
signierter Grisaillen in Öl aus Münchener 
Privatbesitz auf. Sie wurde zuerst durch 
Gerhard Wloeckel als Werk Rottmayrs er- 
kanrit19. 
Bei diesem Entwurf sind die Farbwerte des 
großen Engelssturzes zu höchster Leucht- 
kraft gesteigert. Von dem nach oben blicken- 
den, vom Pferde abgestiegenen Heiligen zieht 
eine hellblaue Lichtbahn als Diagonale empor 
zu dem auf hohem Felsen stehenden Hirsch. 
Die Helligkeit der Palette läßt sich als Steige- 
rung aus dem Johannesbozzetto entwickeln 
und nähert sich auffallend dem Entwurf für 
Tinmnninn
	        

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