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Volltext: Alte und Moderne Kunst X (1965 / Heft 79)

Pavel Preis: 
DREI UNBEKANNTE SKIZZEN VON 
JOHANN MICHAEL ROTTMAYR 
Das Problem der Barockskizze hat die For- 
schung in letzter Zeit veranlaßt, sich mehr 
als bisher mit dem Verlauf des Arbeits- 
prozesses eines Barockmalers und mit der 
Klärung derBegriffe „Modellett0" und „Skizze" 
zu beschäftigenl. Diese Frage ist aber im 
österreichischen sowie im böhmisch-schlesi- 
schen Kulturraum noch lange nicht ge- 
löstl. 
Unter den bisher bekannten Werken des 
Begründers der monumentalen österreichischen 
Barockmalerei,Johann Michael Rottmayr (1654 
bis 1730), wurde noch im Katalog der großen 
Rottmayr-Ausstellung im Jahre 1954 keine 
eigentliche malerische Skizze angeführt. Das 
einzige Gemälde, das sich einigermaßen dem 
Begriff „Skizze" nähert f die Versammlung 
olympischer Götter bei Thetis' Hochzeit i, 
stellt viel eher eine Kopie nach dem Decken- 
bild im Gesellschaftszimmer der Salzburger 
Residenz (1689) als einen Entwurf dazu dar 3. 
Diese Tatsache könnte fast den Eindruck er- 
wecken, daß Rottmayr - ähnlich wie andere 
Mitschüler aus der Loth-Werkstatt, beispiels- 
weise Michael Wenzel Halbax4 - sich als 
geschickter Zeichner5 ausschließlich auf zeich- 
nerische Vorarbeiten seiner Gemälde be- 
schränkte, obwohl uns alte Berichte mit 
einigen Skizzen Rottmayrs bekanntmachen 6. 
Einen gewissen Umsturz in diese ziemlich 
wahrhaft klingende Vermutung brachte Erich 
Hubalas Fund zweier hervorragender Skizzen 
in der Kunsthalle zu Karlsruhe, die von 
Rottmayr offenbar als Entwürfe zu Fresko- 
bildern mit Herkules und Antäus und Aeneas 
und Anchises gemalt wurden7. Hubala vertrat 
die Meinung, daß es sich um Entwürfe zu 
den Deckengemälden im Palais Thun auf der 
Prager Kleinseite handle, die nach Jaroslaus 
Schallers Angabeß Szenen aus dem Trojani- 
schen Krieg dargestellt haben. In diesem 
Falle würden es ä wie Hubala betont V- 
nicht nur die ersten Freskoskizzen Rottmayrs, 
sondern sogar die frühesten Beispiele male- 
rischer Bozzetti zu Deckengemälden in Mittel- 
europa sein, da Rottmayrs Prager Fresken, 
die leider im Jahre 1794 einem Feuer zum 
Opfer fielen, wahrscheinlich im selben Jahre 
1696 entstanden wie die berühmten Kuppel- 
malereien im Schloß Vranov nad Dyjl (Frain) 
in Mähren. jedenfalls entsprechen diese zwei 
Skizzen vollkommen Rottmayrs malerischer 
Vortragsweise während seiner künstlerisch 
vielleicht glücklichsten Schaffensperiode im 
42 
letzten Dezennium des 17. Jahrhunderts. Fast 
zur selben Zeit wie die Skizzen aus Karlsruhe 
wurde auch der prächtige Entwurf zu dem 
großzügigen Gewölbefresko in der Namen- 
Jesu-Kirche, später Matthiaskirche, an der 
Jesuitenuniversität zu Breslau (1706) aus der 
Sammlung Wilhelm Rcuschl in München 
veröffentlicht? Damit trat die Frage nach 
dem Vorhandensein ausgeprägter Skizzen- 
formen bei Rottmayr in ein neues Stadium. 
1m BrukenthaPschen Museum in Sibiu (ller- 
mannstadt) ist Johann Michael Rottmayr mit 
sechs großen Bildern vertreten, wie es bereits 
der älteste Katalog aus dem Jahre 1844 an- 
gibtlü. Fünf von diesen Gemälden sind aber 
offenbar italienischen Ursprungs. Als Rott- 
mayrs authentisches Werk erweist sich nur 
das ovale Soffitobiltl, ein mit voller Unter- 
schrift des Malers und dem Datum 1710 
bezeichneter Triumph der Wissenschaften und 
Künste, zweifellos eine der glänzendsten 
Leistungen des Meisters. 
Auch von Johann Heinrich Schönfeld besitzt 
das Brukenthallsche Museum vier hervor- 
ragende Gemälde, von denen eines, die 
eigenhändige Replik der llochzeit zu Kana 
aus der Leningrader Eremitage, erst unlängst 
identifiziert wurdell, und außerdem ein Werk- 
stattbild, die sogenannte Allegorie der Ver- 
gänglichkeit. Wahrscheinlich auf Grund einer 
Zuschreibung Frimmels 11 läuft in den seit 1893 
erschienenen Katalogenß noch ein weiteres 
Bild, ein Raub der Helena 14, unter Schönfelds 
Namen, das von den authentischen Werken 
des Künstlers durch die dramatisch gedrängte 
Komposition, die abweichende Typik und 
Farbgebung stark absticht. Der skizzenhafte 
Charakter der lockeren Pinselführung, die 
einige Gesichter, zum Beispiel den rötlichen 
Kopf des geharnischten, Hächenhaft gehaltenen 
Paris, nur verschwommen andeutet und wei- 
tere Partien, vor allem die Gestalt des Knaben 
rechts unten. nur umrißlos mit breiten Farb- 
flecken ausklingen läßt, und schließlich die 
monochromc Auffassung der Seeleute auf dem 
Schiffe im Hintergrund erklären zwar, warum 
man sogar bei direktem Vergleich mit eigen- 
hiindigen Werken Schönfelds an den schvaäbi- 
schen Meister denken konnte, dem auch das 
überwiegend kühle Kolorit dieses Gemäldes
	        
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