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Volltext: Alte und Moderne Kunst X (1965 / Heft 79)

n hat, denn die lnsel gehörte der 
ilik Venedig und unterhielt mit ihr 
lsbeziehungen. Wie es auch War, El 
konnte sich mit der Starrheit der 
en Malweise nicht abfinden und sein 
:r Geist erarbeitete sich autodidaktisch 
rewunderungswerter Konsequenz den 
erischen Ausdruck seiner Persönlichkeit. 
dann, mit 25 ]ahren, verließ er die 
.t. Aber nicht wegen seines alten Lehrers 
:r nach Venedig; das Archiv des Hel- 
ien Museums enthält kein Dokument 
hn, und es gibt keinerlei Nachricht, daß 
seiner Ankunft Verbindung mit seinen 
leuten gesucht hätte. Seiner künstle- 
1 Reife bewußt, wandte er sich an 
ligs berühmtesten Meister, an Tizian, 
n sicherlich nicht unter seine Gehilfen 
iommen hätte, wenn er seine Fähigkeiten 
nem lkon hätte erweisen wollen. Aber 
zr Wfurzel entsprossen und unter anderen 
ltnissen erwachsen, mußte seine Malerei 
a sein als jene, die er in ltalien antraf. 
idelt sich da nicht um einen Unterschied 
l-rades, sondern um eine in die Augen 
;ende Verschiedenheit der Art. El Greco 
iicht nur nicht der größte Manierist, 
ahauptet wird, er war überhaupt keiner. 
ist keine vereinzelte hieinung. Es gibt 
Arbeiten über ihn, die von Manierismus 
wissen, und Jose Löpez-Rey hat im 
ing 1943 der Gazette des Beaux-Arts 
ewiesen, daß seine Technik unmanie- 
h war. 
reco-Büchlein der Sammlung „XVelt in 
" des Verlags Kurt Desch schreibt 
asor Hugo Kehrer bei der Besprechung 
antelteilung, daß die Figuren des heiligen 
a, des Bettlers und des Schirnmels deut- 
lie Elemente von Grecos sehr ausge- 
:m spätmanieristischem Stil zeigen, und 
I wie den Manierisrnus im ganzen erklärt 
der Vorrede als das nach der Hoch- 
sance hervorgetretene XVollen, immer 
von der Natur als Vorbild sich zu ent- 
1 und tiefer in die Sphäre der Verinner- 
ig und Vergeistigung hineinzuleuchten. 
erblüffende Anwendung dieser DeHnition 
n Pferd verrät die Labilität des Begriffs 
zrismus. Zudem übersieht Professor 
:r, daß der Maler in dem Bilde den Grund- 
lkCIl der Legende, nämlich die Glorifrzie- 
der Barmherzigkeit des Heiligen, schroff 
nt. Entscheidend für die Beurteilung El 
vs ist die ihm ureigene Art, seine Aufträge 
Tassen und schöpferisch zu gestalten. Nur 
man seine Arbeitsplanungen studiert, 
man in die geistige Welt, in der er 
m war. In ihrer Helle schwinden alle 
fel, und selbst was an seinem Werk 
ragant erscheint, wird begreiflich. Als 
l Rom der Miniaturenmaler Giulio Clovio 
nem sonnigen Frühlingstage zu einem 
ergange abholen wollte, traf er ihn im 
inkelten Zimmer sitzend; er weigerte 
auszugehen, damit nicht sein inneres 
durch das äußere gestört würde. Ver- 
ch war er in die Konzeption einer neuen 
it versunken; vielleicht suchte er bereits 
ichtung, ob er Italien verlassen sollte. 
er über das Handwerkliche hinaus er- 
lernt hatte, hat er auf dem Wiege nach Spanien 
als hindernden Ballast abgeworfen, und im 
stillen Toledo konnte er sich seinen Medita- 
tionen noch intensiver hingeben. Man kann 
sich ihn vorstellen, wie er auch dort die 
Fensterläden schloß, um sich auf seine Themen 
zu konzentrieren, und man kann mit gutem 
Grunde vermuten, daß er dabei wachträumend 
die Gestalten, die er malen sollte, aus dem 
Dunkel zu sich heraufbeschwor, gleichsam 
mit ihnen Zwiesprache hielt, ihnen ihren 
Platz auf den Bildern, ihre Haltung und ihren 
Ausdruck zuwies und sie mit Licht und 
Farbe umkleidete. NVir sehen, wie er aus 
innerstem Erleben heraus schuf. Nur seinen 
Überzeugungen pehorchcnd, malte er, leiden- 
schaftlich erregt von den Problemen seiner 
Stoffe, ohne Bedacht auf die Traditionen der 
Kirche und ohne Zugeständnis an die Men- 
talität des Königs. Sein Werk ist unretuschier- 
tes Bekenntnis seiner ungebärdigen Künstler- 
natur mit all ihrer Gegensätzlichkeit. Das 
Orgaz-Bild ist strahlende Apotheose des 
Glaubens, die Martinlegende respektloser Spott 
und das Legionsmartyrium, in Schaudern vor 
Blutgeruch seinem Widerwillen abgerungen, 
ist Tragödie und Satyrspiel in einem. 
Trotz seiner Berühmtheit war El Greco in 
Toledo nicht restlos glücklich. Er hatte die 
geliebte Frau nicht als Gattin heimführen 
können, der Beifall des Königs blieb ihm ver- 
sagt, er mußte Aufträge annehmen, über die 
er verzweifelt war, Honorarstreitigkeiten hör- 
ten nicht auf, und an seinem Sohne hatte er 
keinen Erben seiner Kunst. Besonders stören 
mußte ihn immer wieder der Mangel an 
geeigneten Modellen in der schrumpfenden 
Bevölkerung der ehemaligen königlichen Resi- 
denz, denn er mußte sogar manchmal ein 
Gesicht wiederholen, wo seine künstlerischen 
Absichten verschiedene Typen erfordert hätten. 
So ist der Heide Laokoon auch heiliger Petrus, 
ein unschönes Mädchen mit aufgestülpter 
Nase und dickem Blähhals war Vorbild nicht 
nur für verschiedene Frauengestalten, sondern 
auch für den Evangelisten Johannes, und es 
ist sehr wahrscheinlich, daß El Greco unter 
seinen Figuren auch sich selbst hat abbilden 
müssen. Für die Madonna hatte er das süße 
Gesicht seiner unvergessenen Geliebten, aber 
für das Orgaz-Bild, wo er sie unter den 
Seligen malte, mußte er nach einem andern 
Modell für die heilige Maria suchen, und da 
er unter den Toledanerinnen keines fand, 
verwendete er ein Frauenbildnis aus Italien. 
Einige seiner Heiligen sehen so sonderbar aus, 
daß schüchtern und verschämt die Vermutung 
geäußert wurde, sie wären nach lnsassen des 
Irrenhauses von Toledo gemalt worden, was 
die Not an Modellen bestätigen würde. Die 
Schwierigkeiten und Verdrießlichkeiten lösten 
in dem übersensiblen Künstler heftige emo- 
tionelle Ausbrüche, die in verschiedener Art 
zutage traten und ihn wohl auch bei der 
Farbenwahl leiteten. Sein Mißmut durchsetzte 
das Legionsgemälde mit Sarkasmen, ließ auf 
dem Laokoon-Bilde das hölzerne Pferd munter 
dahintraben und verzerrte auf der Martin- 
legende die Gestalt des Bettlers, sich so des 
lNianierisrnus bedienend. Daß er Manierismen 
verwendete, war durchaus keine Kapitulation 
vor dem Zeitgeschmack. Wir erkennen St 
Einstellung besonders an dem Gemälde, 
den hl. Josef auf einem Spaziergangc 
dem ungefähr zehnjährigen jesusknaben ( 
stellt. Die Gestalt des hl. Nährvaters ist 
sehr überdehnt, daß der Knabe, der 
Riesenschritten nicht folgen kann, ihn 
Gehen aufhält. Die Steigerung der Ma 
ins Unsinnige gibt des Rätsels Lösung: 
Grecos Wanierismen sind nichts anderes 
Stilparodien und als solche einer der Aus} 
der oben motivierten Verbitterung, die 
mit zunehmendem Alter immer reizb 
werden ließ und zum vermeintlichen S 
manierismus führte. Aber sogar ernst geni 
men, würden die Pseudomanicrismen n 
hinreichen, um ihn zum Manieristen zu 
klären. Für seine Charakteristik sind s 
skurrilen Seitensprünge in jedem Fall bei 
tungslos, denn sie berühren nicht die i 
alle Kategorien erhabene Essenz seines ma 
vollen Schaffens. Er hatte ohne fremdcl 
die Mauer des Byzantinismus überstiegen 
war als fertiger, in sich gefestigter Kü 
ler in die Ferne gegangen. Venedig 
Rom haben in Wirklichkeit nichts i 
ihn vermocht; auch Spanien hat ihn r 
geformt, es hat ihn nur in seiner 
bestätigt. Wann immer er gelebt und 
immer er seine Staffelei aufgestellt hätte, w 
sein Werk im Wesen nicht anders gewor
	        

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