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Volltext: Alte und Moderne Kunst X (1965 / Heft 80)

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System der Draperie des Gewandes, die 
rationalistische Einstellung zur obiektiven 
Realität, dies alles zeigt, daß dieser Holz- 
schnitzer der Meister IP ist, der Autor des 
Evangelisten Lukas jedoch ein Gehilfe war. 
Zu derselben Schlußfolgerung bringt uns auch 
ein detaillierter Vergleich dieser Reliefs 
mit dem erhaltengebliebenen Werk des 
Meisters IP auf dem Höhepunkt und aus der 
Spätperiode seines Schaffens, bis zum Urteil 
des Paris in London (Victoria and Albert 
Museum). Diese Bindung wird auch durch 
gemeinsame Beziehungen zur Graphik Andrea 
Mantegnas (B. 19, B. 17, B. 6) und durch 
einige italianisierende Elemente bestätigt. 
Die wechselseitigen Beziehungen der zehn 
Reliefs aus und in Zlichov erlauben die 
hypothetische Erwägung, claß sie einstmals 
den Votivaltar des Ritters Andreas bildeten, 
der noch nicht historisch identifiziert werden 
konnte. ln der Mitte befand sich ein Relief 
mit dem Ritter, dariiber wölbte sich das halb- 
kreisförmige Relief des Jüngsten Gerichtes, 
an den Seiten des Mittelreliefs könnten wir 
schmale Tafeln mit den Evangelisten, immer 
zwei übereinander, annehmen, an der Außen- 
seite schloß sich noch an jede Tafel eines der 
vier Reliefs in der Nationalgalerie an. Nach 
den architektonischen, dekorativen Details 
war dies zweifelsohne ein im Renaissancestil 
gehaltener Votivaltar. Es erscheint nicht als 
ausgeschlossen, daß seine Gestalt im Prinzip 
durch A. Altdorfer (B. 50, Schm. 51) angeregt 
wurde; bei den Beziehungen des Meisters IP 
zur nortlitalienischen Kunst läßt sich eine 
italienische Inspiration nicht von der Hand 
weisen. Schriftliche Berichte aus dem 15. und 
16. Jahrhundert zur Geschichte des Mobiliars 
der Pfarrkirche in Zlichov kennen wir vorder- 
hand nicht. Gegenwärtig wurden aber neue 
Quellen aus dem 17. und 18. Jahrhundert 
entdeckt, die im Verein mit den früher be- 
kannten Urkunden unsere Hypothese unter- 
stützen: 1669 kauften Zlichov die Prager 
Jesuiten, 1677 hatte die dortige Kirche nur 
einen einzigen Altar, 1713 wurde die Kirche 
umgebaut, 1766 ist sie bereits mit einem 
neuen Barockmobiliar ausgestattet, mit dem 
an einigen Stellen die alten merkwürdigen 
Skulpturen einschließlich des Jüngsten Ge- 
richtes einen starken Gegensatz bilden. Es 
10 Monogrammisl IP 7 Wcrksun, Schädlcr aus der Kreuzi- 
gunpdarstellung, Flügclallar in der Tcinkirchc. Prag (nach 
der Rcsuurierung) 
11 Munugrzmmist w und Werkstatt. Anbetung a" Könige, 
Flügclzllar. Schloß Cesky Krumlov 
ANMERKUNGEN 6i12 
ß Kmpäcek. 61.2. 0., bringt eine Übersicht des urkundlichen 
Materials zum Bamckmobiliar in der Pfarrkirche in Zlichov. 
1 Kropäcck, a2. 0., zitiert ältere mpoglaphisrhe Litcralur. 
3 Museum. Landshut - Scibcrl. z. a 0., Abb. 189. 
9 Pdina, a. n. O. - Kulal. a. a. O. - Kmpicek, 1.:. O. 
W Ösrerr. Galerie, Wien. - Lügner. a. a. 0.. Abb. I4. 
n Landesmuseum, Gotha. - Bange. a. z. 0.. Abb. 43. 
11 Kunszhisrorisrhes Museum. Wien. - Bange. z. a. 0.. Abb. 42. 
11
	        

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