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Volltext: Alte und Moderne Kunst X (1965 / Heft 80)

Yie i kaum in einem anderen Zeitab- 
und sonstwo rdie Eisenkunst unein- 
1 und hintergründig wurde. Nie wieder 
von geradezu drohend-nordischer Art, 
rgendwo so weit entfernt von der Schön- 
lienischer Eisenkunst. Unsere arteigene 
sance in der Eisenkunst ist eben jetzt so 
ießendes Leben, so sehr Unruhe und 
nde Fülle, von so dichter Lebenskraft 
die sich in wilder Pracht und erregender 
astärke äußertli. In den Stengeln dieser 
braust uns etwas Unheimliches, Wildes 
en, diese Stengel winden sich vielfach wie 
gen, scheinen sich den Netzen der 
schulgotischen Kirchenräume entspre- 
zu überkreuzen und überziehen in rei- 
hantasie die Schauseiten der Tore. Die 
an Bändern absprossenden Gabelungen 
sich auf wie Vogelköpfe auf Wikinger- 
n und entlassen aus ihren abermals zu- 
:worfenen Schnäbeln zu dreien gebün- 
bilien. Diese „Lilien" bringen etwas so 
endes zum Ausdruck, daß man meint, 
n zu begegnen, die im Überdruck zer- 
x. Doch damit noch nicht genug: Zahl- 
reiche, runde, glatte, gleichsam als Lichtträger 
verwendete Nägelköpfe halten Bänder und 
Lilien nieder, verschwenderisch Üerwendet, in 
den „Vogelköpfen" deren „Augen" bildend. 
Diese fließende, in ihrer Formensprache schwer 
faßbare Kunst, die in ewiger Wandelform uns 
stets neuerlich entschlüpft, widersetzt sich 
jedem Vergleich. Und am Nordtor von Gilgen- 
berg könnte man, um beim Bild zu bleiben, 
wirklich keinen besseren Vergleich finden als 
ein dunkles, fast nächtliches, von Unheimlich- 
keit und Glitzerlicht erfülltes Meer, über dessen 
Wellenkämme die Drachenschiffe fahren. Ein 
Vergleich, der sich vergeblich bemüht, die 
völlige Abstraktion in ihrer inneren Bewegt- 
heit und mit ihrer unwahrscheinlichen Raum- 
dynatnik begreifbar zu machen. Wer will, kann 
von hier zu Tafeln Altdorfers hinüberdenken. 
Damit sind wir zu dem Vergleich des Hand- 
werks mit der hohen Kunst gekommen. 
Zweifellos ist für die Donauschule die Ent- 
deckung des Raumes primär. Dies gilt sowohl 
für die Landschaft wie für das Interieur. Er- 
reicht wird dies durch kühne perspektivische 
Mittel, die erlauben, neue, ungewohnte Span- 
nung zu erreichen. Tatsächlich bringt a1 
der Beschlag mit völlig neuen und kühi 
Mitteln einen „Neuen Raum" und ertei 
eine auffallende, ia beunruhigende Spannu 
Viele Künstler der Donauschule sind du 
ihre Vollsaftigkeit, durch ihr Zupacken, du 
ihre ungehemmte landnahe Vitalität, die 
Bayer auch in der Stadt noch so gerne beh 
zu typischen Sprechern dieser Strömung 
Sich-selbst-Bewußtwerdens geworden. D. 
Voraussetzungen gelten auch für die narr 
losen Schmiede, die die Inntal-Kunst schui 
Von den Bildern des neuen Stiles verlangt r 
Atmosphäre und immer wieder das Gehein 
des Lichts. In Himmeln, in Wassern, 
Bäumen, auf Waffen, bis zum Glühen im Fö 
Die Schmiedemeister setzen ihre rundköpFi 
Nägel, dem Flimmerlicht Altdorfers i 
gleichbar, in das Furioso des Liliendekors 1 
bringen durch zusätzliche Schellenverwendv 
so tatsächlich eine Atmosphäre, die man öst 
der Traun vergeblich suchen würde. Wie s 
Kamerad aus der Malerzunft schallt 
Schmied aus derselben Pathetik, aus r 
„zweiten Barock der Spätgotik", und m2
	        

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