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Volltext: Alte und Moderne Kunst X (1965 / Heft 80)

[Uura Garax 
CARLO CAKLONPIS 
LINZER DELKEN- 
GEMALDF 
ANMERKUNGEN 
l 01 Jüf Leinwand. b] -6'5cm izmmluug 
m. Kurt Rossuhcr, .411: a. Fruhcr 
mm; der Ostcrreirhlsrhru (du-m inWicn. 
n" (hamktenstisrhcs Werk r- 10m5. 
721g: cm: mit dem Lmzur Wreubild 
um- Darstzllung. an Bundnis xon 
a. mit PaX. 
Als im Jahre 1717 der Sitz der oberösterreichischen Stände, das Landhaus in Linz, vergrößert wurde, fiel der Auftrag zur Ausmalu 
Ratsaales dem aus Scaria stammenden, jungen italienischen Freskenmaler Carlo Carlone zu. Das Deckengemälde, das er in Gemeinschaft n 
Architekturmaler Francesco Messenta im selben Jahre vollendete und das zu seinen frühesten und bedeutendsten Fresken in Österreich 
werden kann, ist jedoch leider nicht mehr erhalten, es ging beim Umbau des Landhauses zugrunde. Das erhaltene und dem Kontrakt beigesch 
Programm ermöglicht es uns, in einer neulich aufgetauchten, in Salzburger Privatbesitz aufbewahrten Skizze den Entwurf des mittleren 
gemaldes zu erkennenl. Die in Vierpaßform ausgeschnittene, in leichtem Flusse symmetrisch aufgebaute Komposition, die unverkenn 
stilistischen Merkmale von Carlones Kunst tragt, zeigt eine Verherrlichungsallegorie mit den huldigenden vier Weltteilen. In der mittleri 
Krone und Zepter thronenden weiblichen Hauptfigur und den sie umgebenden vier allegorischen Gestalten wird es uns nicht schwer fallei 
Auslegung des Programmes die Hauptgruppe des Linzer Gemäldes zu erkennen: „Es wirdt vorgestellt in dem grossen mittern Feldt da: 
Historiat Osterreich sitzeder, assistirt von denen Herrn vier Landständten, Prälathen, Herrn-, Rütter- und Bürgerschaft. Religo andeui 
Herrn Prälathen, Nobilitas den Herrnstand, Mars den Ritterstand, Myrthum die Bürgerschaft. Die österreichischen Wappen in der Fann, s 
haltet, andeuttet die Einigkeit der Unterthanen und Bürgerschafft." Religio mit Kreuz, Mars mit Helm und Fahne 7 darin der zweiköpfige Ai 
Nobilitas mit der Minerva-Statue und die von rechts nähernden Myrthus sind leicht zu identifizieren, so auch die mehr unten lag 
vier Gestalten, die nach den üblichen ikonographischen Gesetzen die vier Weltteile verkörpern: „mit grosser Ehrerbiettigkeit offeriren Prese 
welches andeuttet wie die Provinz so famos und annemblich der ganzen Welt erzeiget"1. Rings um das Mittelstück waren in den vier 
die vier Hauptilüsse des Landes zu sehen, in den vier Mittelpunkten s wahrscheinlich dem Vierpaß sich anschließend J die Haupteii 
und Österreichs Gewerbe darstellende allegorische Figurengruppen: der Waffen austeilende Vulkanus als Personifizierung des Eise 
Bericyntia als Beschützerin der Landwirtschaft, Industria mit einigen Gläsern und Arachne in Vertretung des Spinngewerbes. Es gab auc 
zwei größere Seitenstücke - wir können sie wohl am besten als schmale Halbovale vorstellen - die die allegorischen Gruppen von Co: 
und justitia, bzw. Abundantia und Felicitas darstellten, um „anzuzeigen, daß dieses Landt mit guetten Gesötzen dirrigirt wirdt . . .". 
Von diesen Seitenteilen und den zum Teil emblematisch kargen ergänzenden Darstellungen ist bisher keine Skizze, keine Zeichnung zui 
schein gekommen 3. Auf Grund des Programmes und in Kenntnis der Hauptdarstellung werden wohl auch weitere Stücke aus dem so 
Skizzenmaterial Carlones identifizierbar werden. Die Bedeutung des jetzt zum Vorschein gekommenen Hauptentwurfes ist außerorc 
groß, und nicht nur, weil es uns ermöglicht, ein zugrunde gegangenes wichtiges Werk zu rekonstruieren. In diesem seltenen, fast könn 
sagen Ausnahmefall steht uns auch die authentische ikonographische Auslegung zur Verfügung, Programm und Werk geben uns den S( 
zur Deutung von einer Reihe ähnlicher Darstellungen, den um diese Zeit besonders häufigen und von Carlone auch später oft wiederholten l 
Huldigungs-Allegorien. Von Gewicht ist auch der Umstand, daß in diesem Salzburger Stück eines der fest datierbaren Frühwerke Carlo C 
erhalten ist. Stileigenheiten, Typen, Malweise lassen uns eine engere Chronologie in seinen zeitlich meist näher nicht bestimmten, in Ösl 
entstandenen Gemälden festlegen. Als authentisches, für 1717 beglaubigtes Werk kann die Skizze aus Salzburg auch bei der chronolo; 
Bestimmung von Carlones verschiedenen Wiener Fresken von besonderem Dienste sein. 
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