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Volltext: Alte und Moderne Kunst X (1965 / Heft 81)

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in jenem „Sacre Napoleons, der Kaiser- 
krönung, um den 2. Dezember 1804, dessen 
Zeremoniell und Kostümbild er zu schaffen 
berufen war. 
Doch eine neue Krise war unvermeidlich 
als sich Napoleon von Josephine trennte, war 
Isabey doch ihr Vertrauter, ihr Protege. 
Wieder ein Zufall, nämlich die echte Ambition 
der jungen österreichischen Erzherzogin für 
die Kunst, ihr Talent zum Zeichnen und 
Malen - sie hatte schon durch mehrere Jahre 
in Wien Matthäus Loder als ihren Lehrer 
beschäftigt - brachte eine neue Festigung 
der Position Isabeys. Um so mehr als Marie 
Louise keine Neigung zum Unterricht Prud- 
hons, zur Ölmalerei überhaupt, fand und bald 
den charmanten, geistreichen Miniaturisten 
vorzog. Er hatte verstanden, mit dem ersten 
meisterhaften Porträt und der Sepiazeichnung 
„Arrivee de Marie-Louise a Compiegne", die 
eines seiner Hauptwerke wurde, die Neigung 
der Kaiserin völlig zu gewinnen. 
Eines Morgens, zu Beginn der täglichen Zei- 
cherilektion, zeigte der Künstler der Kaiserin 
ein Collier mit den Porträts Joachim Murats 
und seiner Familie in Neapel, das er soeben 
fertiggestellt hatte. Marie Louise entzückte 
sich eben, als Napoleon eintrat. Sie bittet um 
ebensolche Porträts ihrer Familie. Sofort 
ordnet der Kaiser an, daß Isabey solche her- 
stelle und zu diesem Zweck an der Reise nach 
Prag und Dresden - man stand eben vor 
großen historischen Ereignissen - teilzu- 
nehmen habe. Sowohl in Dresden (ab 16. Mai 
1812) als auch in Prag (ab 5. Juni) folgten 
Feste und Veranstaltungen, doch inmitten des 
anbrechenden Rußlandfeldzuges (ab 23. Juni) 
konnte Isabey seine Aufgabe nicht annähernd 
erfüllen. So mußte er Marie Louise unver- 
richteter Dinge wieder nach St. Cloud zurück- 
begleiten. Zahlreiche Bekanntschaften und 
Verbindungen, wie die mit dem Prinzen de 
Ligne, der ihm das bekannt gewordene Gedicht 
widmete, in dem es heißt „Du pretnier grand 
homme en peinture, Je dirai qu'Isabey, rival 
de la nature . . .", blieben der wesentliche 
Gewinn. Im Herbst des Jahres trat er daher 
die zweite Reise nach Wien an. Er schreibt am 
9. September 1812 seinem Freund Redoute 
„de partir pour Vienne, ce qui sera dans 
huit jours . . .". Hier angekommen gilt sein 
erster Besuch Kaiser Franz I., dessen schlichtes 
Wesen ihm tiefen Eindruck macht. Er wohnt 
in Laxenburg, dann in Baden, um schließlich 
in Wien die Erzherzoge aufzusuchen. Hier 
nun kommt es zu jener Sitzung bei Erzherzog 
Karl, deren Ergebnis wohl das Hauptwerk 
seiner Porträtkunst überhaupt werden sollte. 
Wir kennen die Schilderung von Isabeys 
eigener Hand: 
„ . . . Da ich drei lKIänner des Krieges zu malen 
hatte, sollte ich dem berühmtesten General den 
am meisten martialischen Ausdruck vorbehalten, 
das war zweifellos Prinz Carl, der selbst von 
Napolcon so gerühmte Held. Unglücklicherweise 
erschien er als Letzter; völlig in meine Arbeit 
versunken, hatte ich dem Erzherzog Palatin die 
stolze llaltung eines ungarischen Ilusaren gegeben, 
dem Erzherzog Rainer, den man einen Mann aus 
Erz nannte, die strenge Miene des Befehlendcn; 
derart jedenfalls, daß meine Verlegenheit groß 
wurde, als ich dem Prinzen Carl begegnete. Ich 
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fand in seinem Äußeren meine Erwartungen 
schwer enttäuscht und nichts was meine Be- 
geisterung erweckt hätte. Er war ein kleiner Mann 
von sanftem und bescheidenen Aussehen, der 
über die Schönheit scincr Tulpen mit dem Eifer 
eines Bürgers von Amsterdam sprach. Ich vcr- 
traute meine Enttäuschung dem Adjutanten, 
einem Obersten R., der sich selbst etwas mit 
Malerei befaßtc, an. Er versprach mir zu hclfcn, 
nicht allerdings wie. In der ersten Sitzung nun, 
in dem Augenblick als mein Modell vor mir 
Platz genommen hatte, begann plötzlich vor den 
Fenstern eine Regimentsmusik Militärmärschc zu 
spielen; dies erweckte alle Gefühle meines Helden 
derart, daß er sich aufrichtete und sein Auge 
begann zu blitzen wie bei einem Schlachtroß, 
das die Trompeten hört. Er war plötzlich wahr- 
haftig schön. Ich erkannte nun erst dicscn Mann 
richtig, aber auch dic Schwierigkeit an die Größe 
meines Gegenstandes hcranzureichcn. Doch nun 
war mein Interesse an meinem Vodell derart 
geworden, daß das Resultat meinem Pinsel alle 
Ehre machte . . ." (Abb. 4, 1. Miniatur) 
Die 16 Porträts stellen vom ältesten Familien- 
mitglied und dem letzten der Generation 
Kaiser Josephs, dem 74jährigen Herzog Albert 
ausgehend, Vater, Stiefmutter, die acht Onkel 
und fünf Geschwister dar. Als einziger fehlt 
Erzherzog Franz Karl, Vater des späteren 
Kaisers Franz Joseph. Da die Serie jedoch 
schon im Herbstsalon 1812 in Paris mit 
16 Stücken ausgestellt war - Marie Louise 
sah sie hier mit Begeisterung zum erstenmalg, 
scheint dieses eine Porträt nie bestanden zu 
haben. Die Schenkung von sechs Miniaturen 
dieser Serie an die Albertina hat nunmehr 
auch zur Klarstellung des weiteren Schicksals 
der übrigen geführt. Nach dem Tode Marie 
Louises (1847) gingen die Miniaturen an 
Kaiser Franz Joseph über, der sie in seinem 
Schlafzimmer in zwei Tableaus bewahrte. 
Nach seinem Tode (1916) wurden auch diese 
Objekte dermaßen geteilt, daß die drei Erben, 
Prinzessin Gisela von Bayern, Elisabeth Für- 
stin Windisch-Graetz und Erzherzog Franz 
Salvator je fünf, sechs und fünf Stücke er- 
hielten (Haus-, Hof- und Staats-Archiv, OMa 
SIOfIII B). Zur Ausstellung der Albertina 
konnten dank des großen Entgegenkommens 
aller Eigentümer die Werke noch einmal 
zusammengestellt und sogar in ihrer ursprüng- 
lichen Anordnung rekonstruiert werden 
(Abb. 4 u .5). Die chronologische Reihe ihrer 
Entstehung ist unschwer nach der Signatur 
festzustellen. Isabeys Honorar von 16 459 Frs. 
war nicht unbedeutend. Doch der 1916 ein- 
gesetzte Betrag von 100000 Kronen zeigt 
mehr noch die bleibende hohe Bewunderung, 
die man diesem Hauptwerk entgegenbrachte. 
Fassungslos erlebte Isabey den Sturz seines 
Kaisers. Napoleon war es, der ihn trösten 
mußte: „Prenez Courage, Isabey, mes succes- 
seurs vous rechercheront . . ." Er flüchtete zu 
Marie Louise, die wohl ihren Vater bat, den 
Maler aufzunehmen, die aber doch selbst in 
einer viel zu schwierigen Lage war. Sie nahm 
ihn zunächst in ihre Begleitung nach Aix, 
von wo er aber hoffnungsloser denn je nach 
Paris zurückkehrte. Er suchte Talleyrand 
beim Lever auf, als dieser eben im Begriffe 
war die Delegation für Wien zu formieren. 
Den um Hilfe Bittenden, wies Talleyrand 
lächelnd auf einen Stich an der Wand seines 
Zimmers, Terborchs Frieden von Mür 
solle doch als Mitglied der franzi 
Delegation gleich diesem den Wiener B 
darstellen. Er traf am 27. Septembi 
in Wien ein, drei Tage nach Tal 
bezog ein Atelier im Cafe Jünglinj 
poldstadt Nr. 500 (Abb.3),das sich, andt 
zum Prater gelegen, bald als besonders 
herausstellen sollte. Isabey selbst schilc 
führlich den Verlauf seines Aufei 
De La Garde ergänzt einiges. Der ei 
sucher war Eugene Beauharnais, s: 
einigermaßen schwieriger Lage in Wir 
kamen der Zar, der König von PreuI 
alle anderen; nach kurzem stand er im 
punkt der Gesellschaft, organisierte, 
gierte seine Feste, Balle, Theater ui 
trätierte die Höchsten und die Set 
bewundert von der jungen Wiener Gel 
in deren Mitte der junge M. M. D 
stand. 
Den Entwurf zum Kongreßbild legte 
Teilnehmern vor, die dann in seinem 
der Reihe nach erschienen (Kat. Nr. 
noch 1829 im Besitz des Künstlers). 
Studien entstanden (Kat. Nr. IVf37 um 
einem Skizzenbuch mit 22 Blättern, M 
Louvre) und schließlich die Vorlag 
Stichwerk selbst (Kat. Nr. IVI3S, 15 
Isabey in England verkauft, scho 
Besitz der Königin von England). 
zunächst eine Schwache, daß die An] 
von Figuren durch kein Ereignis bi 
ist, so bot sich mit dem unvorherge 
Hinzutreten Wellingtons (1. Februar 
die zwar für Isabeys fertige Kompositi 
Verlegenheit, für das Werk aber ein 
Gewinn wurde, die Szene an in 
Metternich die Begrüßung und Vor 
des neuen Delegierten vornimmt. Im 
1815 verfaßte der Künstler eine Subsk 
in welcher er das Blatt mit 120, bzw. I 
anbietet und das Erscheinen für 1! 
kündigt. Es sollte allerdings 1819 ' 
Auch geht daraus hervor, daß er bis 
März bleiben wolle; pünktlich WL 
fertig. 
Fürst Metternich schreibt ihm zum Al 
„ . . .Vous nous quittez, Isabey . . ., je 
en vous Yartiste createur, l'homme a 
comme tel vous etes citoyen des tov 
pays; vous savez si bien fixer les traits 
amis, vous saurez egalement ne _ 
oublier . . .". Am letzten Abend, als r 
einmal die in „Nina" triumphierende „g 
Bigottini" (Abb. 1) bewundert, verbre 
blitzartig der Ruf, daß Napoleon gelar 
Isabey eilt nach Paris. Er trifft den 
doch dessen endgültiger Sturz ist 
haltsam. Isabey verlißt zunächst das 
er geht nach England, wo ihm nicht 
das Kongreßbild eine neue EXlSN 
schaffen sollte. 
LITERATUR 
ca. Taigny, J. n Isabey, ra vie et scs OCHVRS. Pari 
Basily-Callimuki._ . Isabey, S1 vic ct son tcitxps, Pur 
Du Montet, Souvenirs. ca. pä! le Cumte de 1a ÜOIIK: 
1904. - La 0mm. (Jcmälde des Wiener Kongresses 
Wien. Leipzig m2. - Dcr Wiener Kongrcß, Wien 1 
grcßwcrk). -- Ausslcllungskalalog, Meisterwerke 
päisthen Miniaturmalcrei, Alben-im Mm- Mai 196! 
stellungskanlog, Der Wiener Kongreß, Wien, Hüfbl 
Oktober 1965. 

	        

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