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Full text: Alte und Moderne Kunst X (1965 / Heft 81)

in der Kattundruckerei in Kettenhof bei Wien, 
und 1812 beleuchtete Professor Jassnüger 
den Festsaal des Theresianums auf gleiche 
Weise. 
Eine Besonderheit des Gebäudes des Poly- 
technischen Institutes in Wien war auch die 
Zentralheizungsanlage, die im Winter 1818[19 
erstmals in Betrieb stand. In diesem Zusammen- 
hang ist der Professor der Chemie des Insti- 
tutes Paul Treugott Meissncr zu nennen, der 
sich um die Entwicklung der Zentralheizungen 
verdient gemacht hat. Seine Luftheizung wurde 
erstmals 1820 bei einer Zuckerrafiinerie in 
Wien ausgeführt und fand in der Folge weite 
Verbreitung. Unter anderem wurde das Meiss- 
ner'sche Beheizungssystem verwendet für die 
Hörsäle des Tierarzneiinstitutes in Wien, für 
Unterrichtsräume des Forstlehrinstitutes in 
Mariabrunn sowie für den einstigen Apollo- 
saal und für den Zeremoniensaal der Hof- 
burg. 
Der Neubau für das Polytechnische Institut 
war bereits bis zum Dach gediehen, als am 
14. Oktober 1816 Kaiser Franz I. die Grund- 
steinlegung vernahm. Auf dem Platz vor dem 
Gebäude fand sich unter strahlend blauem 
Herbsthimmel eine unübersehbare Menschen- 
menge zu dem Ereignis ein und bekundete 
solcherart das rege Interesse, das allgemein 
für die neugeschaffene Hochschule bestand, 
eine Unterrichts- und Forschungsstätte, die 
ihr kaiserlicher Stifter „der Pflege, Erweite- 
rung, Veredlung des Gewerbsfieißes, der 
Bürgerkünste, des Handels" bestimmt hatte. 
Dem Polytechnischen Institut war eine soge- 
nannte astronomische Werkstätte eingegliedert, 
deren Tätigkeit einen bedeutenden Aufschwung 
in der Herstellung optisch-mechanischer Ge- 
rate bewirkte. Hier entstanden astronomische 
und geodätische Instrumente (Abb. 1), die in 
alle Welt gingen und sich vielfach bewährten. 
Für den Studienbetrieb wurden Modelle von 
technischen Geräten und Anlagen mannig- 
facher Art in der mechanischen Werkstätte 
des Institutes angefertigt (Abb. 4). 
Jährlich während der Hauptferien sollten im 
Gebäude des Polytechnischen Institutes Indu- 
strieausstellungen stattfinden und ein Bild vom 
Entwicklungsstand der gewerblichen und in- 
dustriellen Fertigung in den österreichischen 
Erblanden geben. Schon in seiner Eröffnungs- 
rede am 6. November 1815 hob Prechtl die 
Bedeutung solcher Veranstaltungen für die 
Entwicklung von Industrie und Gewerbe 
hervor. 
Die erste österreichische Gewerbeausstellung 
hatte 1791 in Prag stattgefunden und als 
regionales Unternehmen vor allem in Böhmen 
hergestellte Textilien gezeigt. Die Eisenindu- 
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strie der Steiermark sowie von Kärnten, Krain 
und Oberösterreich bestimmte die Art der 
Exponate, die eine dem 1811 von Erzherzog 
Johann in Graz gegründeten Joanneum an- 
geschlossene Sammlung gewerblicher Erzeug- 
nisse enthielt. Eine Schaustellung ebenfalls 
musealer Art war das 1807 in Wien ins Leben 
gerufene „k. k. Fabriksproduktenkabinett"von 
Kaiser Franz, das zunächst unter der Leitung 
Aloys von Widmanstättens stand und 1814 
dem im Entstehen begriffenen Polytechnischen 
Institut eingegliedert wurde. Mit seinen an- 
sehnlichen Beständen konnte es als permanente 
Schau industrieller und gewerblicher Erzeug- 
nisse angesehen werden und die Abhaltung 
besonderer Ausstellungen entbehrlich erschei- 
nen lassen. Schon 1823 umfaßte diese Samm- 
lung, die zu den besonderen Sehenswürdig- 
keiten Wiens zählte, an die 20000 Muster- 
stücke. Trotzdem verlor man das ursprüngliche 
Ziel nicht aus den Augen, und im Jahre 1835 
konnte schließlich die erste zentrale Industrie- 
ausstellung der Donaumonarchie ihre Pforten 
öffnen. Sie fand, da das Polytechnische Institut 
damals noch nicht über entsprechende Räume 
verfügte, in der Winterreitschule und einigen 
anschließenden Räumen der Hofburg statt. 
Die rege Beteiligung von Ausstellern und das 
starke Interesse der Besucher gaben nicht 
zuletzt den Anstoß zu einem Bauvorhaben, 
das die Abhaltung von Industrieausstellungen 
auf dem Areal des Polytechnischen Institutes 
ermöglichte. Unmittelbar nach Vollendung 
dieser Bauten fand im Mai 1839 die zweite 
Industrieausstellung statt. In zahlreichen 
Räumen waren die Exponate ausgestellt und 
zeigten nicht allein die Betriebsamkeit von 
Industrie und Gewerbe, sondern auch die 
erheblichen technischen Fortschritte seit der 
ersten Ausstellung. 
Die bedeutende Vermehrung der Exponate, 
die für eine dritte Ausstellung gleicher Art 
zu erwarten war und die dann auch tatsächlich 
eintrat, ließ den vorhandenen Raum als nicht 
ausreichend erscheinen. So kam es zur Er- 
richtung provisorischer Bauten, die nach den 
Plänen des Hof baurates Paul Sprenger vor der 
Hauptfront des Polytechnischen Institutes 
errichtet wurden (Abb. 12). Von diesen Hallen 
auf dem Glacis führte ein gedeckter Gang 
zum Hauptportal des Institutsgebäudes, wo die 
Ausstellung ihre Fortsetzung fand. 
Ein Vergleich der Ausstellungsberichte von 
1835, 1839 und 1845 dokumentiert eine ge- 
waltige Fortentwicklung der inländischen In- 
dustrie, die zur Zeit des Wiener Kongresses 
durch die Gründung des Polytechnischen 
Institutes einen entscheidenden Impuls er- 
halten hatte.
	        

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