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Volltext: Alte und Moderne Kunst X (1965 / Heft 81)

 
anezianischer Einband, 1600 
is 1610, Inv.-Nr. P I 36 
nband für Jean Gralier um 
S40, lnv.-Nr. S 27 
nband für Henry ll. und Dia- 
: van Poitier, Mitte 16. Jahr- 
mdert, lnv.-Nr. P l 47 
nbond für Sebaldus Weiser, 
i81, lnv.-Nr, A lll 19 
nbond aus der Bibliothek der 
önigin Christina von Schwe- 
en, Mitte 17. Jahrhundert, lnv.- 
r. E l 33 
nband im Fanfare-Stil, Anf. 
'. Jahrhundert, lnv.-Nr. B I 55 
H1 vorgestempelte Leder ge- 
dner Ferdinand, Bucheinbän- 
aus elf Jahrhunderten, Mün- 
1 wsa, Nr. 70. 
dazu den Lyoner Einband 
Preuß. Staatsbibliothek, des- 
Bandwerk ienem des Einbdbe 
Abb. a (A l 72) entspricht, 
ebildet in: HUSIIHQ MGX, Buch- 
xände der Preuß. Staatsbiblio- 
c7äu Berlin, Leipzig 1925, 
t. . 
Verwendung von MARO- 
INLEDER, einem besonders 
en Zlegenleder, bezag nidn 
dem Orient. Maroquinleder 
let sich sdwdlil für die Ver- 
iung als dueli lrir farbliche 
andlun wesentlich besser als 
bis Ghlri in EUVOpO GUS- 
ießlich verwendete Kalbs-, 
ds- oder Schweinsleder. 
. Goldschmidt E. m, Gathic 
Renaissance Boakblndings, 2 
., London 1928, Nr. 197. 
wig Hellmuth, Handbuch der 
aandkurlde, m9, bildet Abb. 
einen Einband gleicher Deko- 
Dn Ob. 
 
Die Verbindung des Blattstempels - im vorliegenden 
Fall ist er, um seinen dekorativen Reiz zu erhöhen, 
schraffiert - mit Ranken zeichnet einen 
venezianischen Einband der Zeit von 1560-1570 aus 
(Abb. 41. Orientalische Schmuckfreudigkeit und der 
Hang zur Wahl von kostbarem Material sprechen 
gleicherweise aus dem roten, vergoldeten 
Moroquinledereinband". Eine deutliche Steigerung 
des Systems zeigt der ebenfalls venezianische 
Einband der Zeit um 1600-1610 (Abb. 5). Die Ranke 
wird geometrisiert, aus den Maureskblättern 
werden üppige Fächer mit eingerollten Enden, 
zwischen die naturalistische Tierfiguren gesetzt sind. 
Die Mitte betont eine Rollwerkkartusche mit Maske. 
ln seltsamem Gegensatz zur hahen Qualität des 
Mittelfeldes erscheint die Bordüre gearbeitet, an 
der ohne Berücksichtigung der Ecklösungen eine 
Rolle von stilisierten Palmetten abläuft. lm Zuge 
der politischen Ereignisse der Zeit um 1500 wurde 
Frankreich mit der künstlerisch hochstehenden 
italienischen Einbandkunst bekannt und begann 
sie zu kopieren. Durch Jean Grolier (1479-1565), 
einen der bedeutendsten Bücherliebhaber des 
16. Jahrhunderts, kam der italienische Stil in 
Frankreich zum Sieg. Grolier war ein gebildeter, 
feinsinniger Humanist, ein eleganter Renaissance- 
mensch gewesen, der „für sich und seine Freunde" 
Einbände von höchster künstlerischer Qualität 
herstellen ließ. Obwohl alle diese Bände unter dem 
Begriff „Grolier-Stil" laufen, ist es sehr schwer, 
diesen zu definieren, da eine Vielzahl von 
Variationen für ihn charakteristisch ist. 
Der Band des Österreichischen Museums (Abb. 6) 
ist stilistisch Groliers erstem Buchbinder 
zuzuordnen und stammt wohl aus der Zeit um 
1540i. Einfache geometrische Einteilung und eine 
sparsame, ausgewogene Arabeskranke zeichnen 
die vergoldeten Dekorationen des grünen 
Maroquinledereinbandes aus. Zu den französischen 
Einbandliebhabern zählten bald auch die 
französischen Könige, allen voraus Henry ll. 
(1547-1559). Seine Einbände zählen zu den schönsten 
und gesuchtesten - allerdings auch zu den am 
häufigsten gefälschten. Der blaue Maroquinleder- 
einband des Österreichischen Museums verbindet 
Bandwerk und Arabeske mit dem Monogramm 
Henrys und seiner Geliebten Diana von Poitiers 
(Abb. 7). Die ineinandergreifenden Mondsicheln 
sind ebenfalls als Anspielung auf Diana gedacht". 
Als Beispiele kostbar gestalteter deutscher bzw. 
italienischer Privateinbände seien ein Band des 
16. und einer des 17. Jahrhunderts genannt. 
1581 wurde der braune Kalbsledereinband (Abb. 8) 
mit vergaldetem Dekor, Metallecken und Schließen 
für Sebald Weiser aus Nürnberg hergestellt. 
Das Supralibrum dominiert die Vorderseite des 
schlicht, aber edel gestalteten Einbandes. 
In besonders raffinierter Weise vereint ein Band aus 
der Bibliothek der Königin Christina von Schweden 
[1626-16891 das schwedische Königswoppen mit zu 
fortlaufendem Rapport umgestalteten Teilen des 
Barberini-Wappens (Abb. 91. Der Band, ein 
Geschenk des Kardinals Francesco Barberini, des 
Begründers der Biblioteca Bclrberini, an Christina 
verbindet somit in seinem Dekor die Intentionen 
der Einbandgestaltung sowohl des Schenkenden 
als auch des Beschenkten. 
Dem Ende der Einbandentwicklung während der 
Renaissance sind die im Fanfare-Stil dekorierten 
Bücher zuzuordnen (Abb. 10]. Unter Weiterbildung 
des Grolierschen Bandwerkes wird die Deckel- 
fläche in symmetrischer Anordnung, die Mitte 
betonend, von spiralförmigen Ranken bedeckt, die 
Blüten- und Bldttansötle tragen und in Lorbeer- 
und Eichenzweigen enden. Diese Dekorationsweise 
diente der barocken Weiterentwicklung des 
Pointille- und des Filigranstiles als Grundlage. 
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