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Volltext: Alte und Moderne Kunst X (1965 / Heft 82)

Es wurde schon wiederholt in verschiedenen Publi- 
kationen von in- und ausländischen Kunsthistorikern 
und Kunstkritikern auf die wachsende Bedeutung 
Wiens als ..eines Zentrums der modernen Plastik" 
hingewiesen. trotzdem können wir schon bei einem 
einmaligen Durchblättern eines Lexikons moderner 
Plastik feststellen, dafi wir in seinen Spalten viele 
junge österreichische Bildhauer vermissen. obwohl sie 
mindestens ebenso gute Arbeiten wie ihre gleiche 
altrigen Kollegen aus Deutschland. Frankreich oder 
den USA vorweisen können. Es ist daher notwendig, 
gerade bei einer Betrachtung der Leistungen auf dem 
Gebiete der Bildhauerei der letzten zehn Jahre dem 
Wirken der jüngeren Generation und der bis jetzt 
noch wenig oder zu wenig Beachteten mehr Auf- 
merksamkeit zu schenken. 
Zu Beginn unseres Jahrhunderts deutete noch nichts 
darauf hin, daß es in Österreich zu einer solchen 
Konzentration hoher Qualitäten des plastischen 
Schaffens kommen würde. Einzig Anton Hanak 
findet zu persönlichen Leistungen. die. wie wir oti 
jetzt erst erkennen. richtungweisend sind. Doch 
gelingt es auch ihm nicht - zum Teil sehr zu Unrecht 
- über die Grenzen seiner Heimat hinaus zu wirken. 
(Auch die Ausstellungen in Rom. Dresden. Köln und 
Stockholm ändern daran nichts. die Aufträge für 
Ankara kamen zu spät.) Erst seinem 1907 geborenen 
Schüler Fritz Wotruba gelang es. einen neuen Weg 
zu gehen und sich kraft seiner Leistungen inter- 
nationale Anerkennung zu erringen. Seine strenge, 
verdichtete Ausdrucksweise. ihre Würde und Ge- 
schlossenheit. die an ägyptische Königsstandbilder 
gemahnt, zeugt von menschlicher Größe. Wotrubas 
Plastiken komprimieren mit ihren harten. kantigen 
Formen und einfachen. rhythmischen Strukturen 
menschliches Sein. ohne auf literarische lnterpree 
tationen spekulieren zu müssen. Besonders seine 
schreitenden und stehenden Figuren sind in ihrer 
Vertikalitdt. mit jenen sparsamen horizontalen 
Gliederungen der Gelenke. Zeugen der menschlichen 
Autgerichtetheit, verantwortungsbewußtes So-Sein, 
Stehen im gegebenen Roum. Der Ausstrahlung seiner 
künstlerischen Potenz konnten sich 7 abgesehen von 
seiner Lehrtätigkeit - nur wenige Bildhauer der 
nachkammenden Generation entziehen. Parallel zu 
seiner Entwicklung verläuft jene des 1911 geborenen 
Heinz Leinfellner. bei dem wir eine größere Abi 
hiingigkeit von kubistischen Vorbildern tinden. 
Besonders die Maler Picasso und Braque haben sein 
Werk beeintiußt. Mit einer Betonung der Horizontalen 
sind Leinfellners Werke mehr den chthonischen 
Kräften verbunden. Hier wandeln sich die blockhaften 
Formen am frühesten zu röhrenförmigen Fügungen. 
wie wir sie dann auch. in seiner Art. bei Wotruba 
finden. Leinfellners Vorliebe gilt dem Relief. Auch 
von diesem Zweig seines Schaffens ist moncheAnregung 
ausgegangen. Aus dem Kreis um Leinfellner. der sich 
spöter im Art Club zusammenfand. kam auch Wander
	        

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