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Volltext: Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 84)

irbar. Fast alle seine Skulpturen aus 
ser Periode atmen das volltönende 
Ihos des Berninesken Hochbarock - wir 
gen den Sandstein-Johannes der Frauen- 
'ger Kalvarienbergkreuzigung (Abb. l) 
und sind gekennzeichnet durch ihren 
iteigerten Gefühlsausdruck, die groß- 
mig schwellende, das Volumen der 
gur erhöhende Faltenbildung und die 
ruarische Wucht, die ihnen eine monu- 
intale Wirkung verleiht, wie sie sonst in 
r steirischen Plastik der Zeit nicht zu 
den ist. Zwar nimmt Stammels Falten- 
"ache schon in den frühen dreißiger 
n'en einen beweglicheren, i-lüssigeren 
arakter an, doch verlieren seine Figuren 
durch nichts an plastischem Volumen 
d Tektonik. Das zeigen die dramatisch 
gelegten pyramidalen Sandsteingruppen 
r Benedikt-und-Blasius-Kapelle im Ad- 
mter Stiftsgarten, die in ihrer von den 
tlichen Statuen zum gipfelnden Titel- 
iligen emporgeführten Gesamtbewe- 
ng an die Papstgräber Berninis denken 
sen, worauf schon Ubell hingewiesen 
H9. 
mag kennzeichnend sein, daß Stammel 
r in seiner Frühzeit in Stein gearbeitet 
t, und vielleicht schien ihm dieses Ma- 
rial zur Verwirklichung groß gesehener 
Kirchenplastik, wie er sie in Italien gesehen 
hatte, vorerst günstiger zu sein. Doch 
blieb er dann gänzlich bei seinem ange- 
stammten Material, dem Holz, und ver- 
mochte seine italienischen Erfahrungen 
auch hierin zu verwerten, ja es gelang ihm 
dabei sogar, in seinen besten Werken zu 
einer vollgültigen Synthese zu gelangen, 
in der sein alpenländischer Dialekt in der 
Sprachschulung Italiens einen wohltönen- 
den Klang gewinnt, ohne jedoch seinen 
Stammescharakter zu verleugnen. Die fol- 
genden Beispiele mögen d.ies veranschau- 
liehen: 
Für den Hochaltar der kleinen dem Stift 
Admont zu gehörigen Pfarrkirche von Palfau 
schnitzte Stammel Mitte der dreißiger Jahre 
unter anderem einen Erzengel Gabriel 
(Abb. 2), der bei aller Volkstümlichkeit, 
die ihm anhaften mag, gewisse Beziehungen 
zu den berühmten Bernini-Engeln nicht 
verleugnen kann, von denen wir den der 
Chiesa di S. Andrea delle Fratte zum 
Vergleich herausgreifen (Abb. 3). Das 
Motiv des heftig gebauschten und tief 
unterschnittenen, quer über den Körper 
Flutenden Gewandes, von dem die Figur 
in einem Bewegungswirbel eingefangen 
wird, dürfte Stammel hier gesehen haben. 
Auch der verbindlich dem Bescbauer zu- 
geneigte Lockenkopf und die mä 
gespreiteten Flügel ähneln dem Bei 
Engel. Freilich geht bei Stamrnel alles 
ins Breite, Stämmige; aber es war 
nicht die Eleganz schlanker Körperhilc 
die er darstellen wollte, sondern viel 
die rauschende Bewegtheit und gestei 
Dramatik einer Engelscrscheinung. 
Hingegen war er auch durchaus b 
einen bestimmten Figurentypus, der 
in sein Konzept paßte, als Ganzes zu 
nehmen und in seine Darstellung s 
fügen, wie dies etwa im Falle des Bc 
vom 1738-1740 entstandenen Ma 
altar der Martinskirche bei Graz ge 
(Abb. 4). Die Verwandtschaft mit 
berühmten Frühwerk Berninis, dem La 
tius am Rost (Abb. S), ist augen 
die beiden könnten geradezu als G 
stücke fungieren. Wie Srammel aller 
den formalen Kanon dieser noch 
Manierismus geprägten und schon 
bis zum Überdruß wiederholten l 
figur in seine Vorstellungswelt hei 
nimmt, den federnden Kurvenschwur 
Körpers ins Schwerfallig-Ermattetr 
riicksinken läßt, überhaupt die ganze 
volkstümlich schildernd abwandelt - 
beachte etwa den in Lumpen geh 
angeschwollenen rechten Fuß _, das
	        

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