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Volltext: Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 84)

Palfauer Skulpturen in zeitliche Nähe 
tzen sind, läßt sich am sehr verwandten, 
zerknitterten Faltenstil ebenso auf- 
n wie an dem auffallend Hachen 
nrückcn, den auch der heilige Johann 
Nepnmuk besitzt. Hingegen weist der 
753 gesicherte Christus im Grab von 
rang" schon eine durchaus andere. 
xere Gewandbildung auf wie auch 
nicht mehr so ebenmäßigen und mehr 
etunten Ausdruck des Gesichtes. 
n die eben besprochenen neuent- 
en Stummel-Arbeiten durch abge- 
Llene Lage oder schlecht einsehbare 
ellung dem Beschauer bislang ent- 
zn, so trilTt dies keineswegs auf die 
nun zu besprechende Gruppe von Arbeiten 
zu, die sich bisher 7 durch unkritische 
(Übernahme einer einmal geäußerten, vnn 
irrigen Voraussetzungen ausgehenden Zu- 
schreibung - unter einem anderen Künst- 
lernamen verborgen hielten. XVir meinen 
damit die 68 Konsolbüsten, welche an den 
Bücherschränken der Admonter Stifts- 
bibliothek angebracht sind und bis jetzt 
einhellig dem in Graz tätigen Bildhauer 
Veit K niger zugeschrieben worden sind 10. 
Diese Zuschreibung ist jedoch weder 
archivalisch gesichert noch st ch halt- 
bar; die K pfe lassen sich vielmehr nahtlos 
dem Werk des Stammel eingliedern, wie 
ein Vergleich des Diogenes (Abb. 3) mit 
dem Kopte des Evangelisten Markus in der 
gleichen Bibliothek erweist (Abb. 4). 
Gleiche Haarbehandlung, ähnliche Stirn- 
wülste oder gleiche Ausbildung der Augen- 
lider durch parallele Linien (gänzlich ver- 
schieden bei den zum Vergleich herange- 
zogenen Köpfen der Propheten an Köni- 
gers Heiligem Grab im Grazer Mausoleum 
von 1767-1769)" lassen die Autorschaft 
Stammels an den Büsten evident erscheinen. 
Daß sie kursorischer und wohl mit Werk- 
stattbeteiligung geschaffen Wurden, geht aus 
dem eben gezogenen Vergleich mit dem 
Evangelisten Markus ebenfalls hervor. 
Stammel benützte als hauptsächliche Bild- 
quelle für diese Köpfe die Stiche der 
„Teutschen Academie" von Joachim von 
Sandrart 1675; 51 Büsten gehen auf diese 
Vorlage zurück, wie ein Vergleich des von 
B. Kilian gestochenen Diogenes (Abb. 5) mit 
jenem der Bibliothek als Beispiel aufzeigt, 
wobei die Büsten ihreVorlagen meist physio- 
gnomisch vereinfacht wiedergeben. Die 
68 Büsten der Admonter Bibliothek sind 
jedoch nicht einheitlich. Acht heben sich 
deutlich von den eindeutig j. Th. Stammel 
zuzuschreibenden ab; sie befinden sich im 
Ostteil des Nordarmes der Bibliothekll. 
Bei ihnen tritt an Stelle des fast über- 
quellenden plastischen Formendranges eine 
kühlere, viel stärker linear empfindende 
Hand, wie dies die Büste des Cornelius 
Poelenbourg (Abb. 6) ausweist. Mög- 
licherweise entstanden diese acht Büsten 
erst nach Stammels Tod; auch in ihnen 
sehen wir nicht den Stil Königers, sondern 
vielleicht jenen des Josef Fortschegger, 
worauf wir noch zurückkommen werden. 
Einige weitere Arbeiten in Admonter 
Kirchen lassen sich zwar nicht Stamme} 
selbst zuschreiben, sind jedoch mit seinen 
so eng verwandt, daß wir in ihnen Werk- 
statt- oder Nachfolgerarbeiten sehen. Zu 
diesen gehören zwei fliegende Engel aus 
der Pfarrkirche von Kraubath (Abb. 7), 
die in ihrer Grundkonzeption an Werke 
Stammels anklingen, mit ihrem klobigen 
Faltenstil und ihrer schwächeren Qualität 
sich aber als Arbeiten seines Umkreises 
zu erkennen geben 13. Mit ihnen sehr ver- 
wandt sind die Engel an der Orgel der 
Gröbminger Pfarrkirche - deren Kenntnis 
ich Dr. Georg Kodolitsch verdanke -, die 
ebenfalls dem Nachfolgerkreis Starnmels 
angehören. 
Wen nun können wir eigentlich dem Kreise 
Stammels zurechnen? Die Achivalien des 
Stiftes, die darüber Auskunft gegeben 
hätten, scheinen beim Stifrsbrand von 1865 
zugrunde gegangen zu sein. Wichneru 
erwähnt unter anderem, daß der Bildhauer 
Johann Fortschegger 1776 einen (heute 
ERKUNGEN 9- 14 
bei Jakob Wichncr, Kloster Admont in Steiermark 
seine Beziehungen zur Kunst, 1888, S. S9 zil. Rech- 
zsauszug lautet: „1753 dem Bildhauer (Stummel)  
las heilig? Grab 24 B". 
Zuschrelbun der Büsten an Vcil Königcr geht auf 
Adriani. Die Klosmtbibliothzkm des Spllbaxock 
Slcrnrich und Süddculschland, 1935, s. 97a, zurück. 
rr Hinweix auf ein bei Wichuc: 1888, 5.93 zil. 
:iben vom 6. März 1773 dm Baumeisters Josef Hucbcr 
an sdftischcn Baudirektor („Herr Königzr, welchcr 
gehoxsambst ctnpfelhcn laßr, mache! die Anfrag, 
ob er auch die schamgcsimbser zu denen Saulln machen 
solte." Antwort: „Herr Königer möchte ehesten: ein 
Capilcli übersende , damit wir die Stein nach deme 
dingircn könnten") folgert Adxiani. daß auch die Büxteu 
von Kdniger seien. Adrinni übeßieht übrigens, daB 
schon 1911 von Anton Mayr in der Studie: Der Plaslikct 
josef Thaddäus Stummel (Sv arm-Abdruck aus dem 
2B. Jlhlßbtrithlß des k.k. Airl-Ludwig-Gynmasiums 
im XJJ. Bezirke von Wien) auf S. 12 diese Büsten Luil 
Kbuiger in Vcrbinduu gebracht worden sind. Bis heute 
wird nun diese Zus: cibung übcmun-imeu, etwa in 
dem Heitchen von Oberstudienrat DDI. P. Adzlbert 
Krause OSB, Die Stiftsbibliothek in Admonk, 6. AuiL, 
 
  
oder im Dohle-Handbuch 
, s. 27 und 3a (mit Abb 
s: ennnma Auß..1964), s. 
n Adriani, up. q .; Abb. bei Eduard Andorfu, Veit Königcr 
1925, Abb. 12 und 13. ' 
u m sind dies, vom N-Eingang beginnend: Giuseppe a: 
Arpino, Michelangelo Buonarotti. Giovanni Cimahue. 
Camclius Poclenbourg. Francisco Primaticdo. Michel- 
angeln da cmvnggan, Fmucuco Salviati und Thzddeo 
Zuechaxo. 
v Holz. Schlechte ncuc Fawung, u. cz. so und so cm. 
14 Wichncr 1388, S. 94: „...zu Landl wurde 1776 Ein 
Hochaltar gebaut. Dcnsclbcn ücfcnc johznn Fonschcggcr 
von Mittcrndorf um aso n. .  

	        

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