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Volltext: Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 84)

Lt zu verkennen. Der Urheber dieses 
LIS ist aller Wahrscheinlichkeit nach mit 
l gewesenen Hofmaler Wladislaus" 11., 
igolf Herlingar, identisch, einem Maler, 
leicht Bnixer Herkunft, dessen Auf- 
ialt im Zisterzienserstifr zu Ossegg für 
e letzten Jahre urkundlich belegt ist. 
e ähnliche Durchdringung donaulän- 
her und anderer, in diesem Falle säch- 
TIEI, Einflüsse Weist auch der zweifellos 
chzeitige Flügelaliar am Virlllfov bei 
den auf. Der Donaustil klingt da be- 
zlers in der echt romantischen schönen 
dschaft aus, während die Figuren wieder 
r auf Sachsen hinweisen. 
sächsische Einschlag in der letztge- 
nten Arbeit hat eine fast symptomatischc 
eutung. In ihm äußert sich nämlich 
große Stilwendung und meldet sich 
leich die neue Orientierung der böh- 
chen Malerei nach Sachsen an, ein 
eres Nachbargebiet, das kurz nach 1520 
ch seine Kunst das ganze Land über- 
:n und die weitere Entwicklung der 
mischen Malerei für länger als eine 
ieration beeinflussen sollte. Der mächtige 
2m sächsischer Einüüssc führte jedoch 
gleichzeitig auch einen jähen und end- 
gültigen Abschluß der donauländischen 
Einwirkung auf die Malerei Böhmens 
herbei. 
Der Beitrag der Donauschule zur Ent- 
wicklung der böhmischen Malerei war nicht 
gering und trat in allen Hauptkomponenten 
des Bildaufbaues zutage. Die Donauschule 
half in erster Linie den Bildraum neu zu 
organisieren, verstärkte das Verhältnis zur 
sinnlich zugänglichen Wirklichkeit, ent- 
deckte bisher unbekannte Seiten der mensch- 
lichen Erscheinung, der Natur und der 
Landschaft. Mit ihrer Hilfe überwand man 
in der böhmischen Malerei die alte, Späte 
gotisch analytische Methode, dank ihr fand 
man eine intimere und zugleich poetischere 
Beziehung zwischen dem Menschen und 
der ihn umgebenden romantisch erdich- 
teten Landschaft. Ihr Verdienst war es, 
daß eine größere Gebundenheit der Be- 
wegungen der Gestalten erreicht und daß 
die graphische Zerlegung des Gewandes 
sowie auch andere Überreste des spät- 
gotischen gebrochenen Stils endlich be- 
seitigt wurden. Das spätgotisch Dürre, 
Hagere und Zeichnerische wich endgültig 
der Farbe, und die veraltete Buntfarbigkeit 
der Lokaltöne hat der neueren, auf dem 
Gedanken der tonigen Harmonie und des 
freien, spontaneren Vortrags gegründeten 
Anschauung Platz gemacht. Mit einem 
Worte, die Donauschule lehrte die böhmi- 
sche Malerei, das Bild als ein einheitlich 
erfaßtes und durch malerische Mittel be- 
Wältigtes und behandeltes Ganzes aufzu- 
fassen. 
Abschließend darf man also sagen, daß die 
Donauschule geholfen hat, die böhmische 
Malerei dicht an der Wende des 15. zum 
16. Jahrhundert von den Fesseln der 
mittelalterlichen Vergangenheit zu befreien, 
sich von dem überlebten spätgotischen 
Manierismus zu distanzieren und ihn durch 
neue Vorstellungen zu ersetzen, in welchen 
unter dem Einfluß Italiens die empirische 
und zugleich objektiv rationalistische An- 
schauung vorherrschte. Die historische 
Aufgabe der Donauschule für unser Land 
lag also darin, daß sie in hohem Maße dazu 
beitrug, am Anfang des 16. Jahrhunderts 
die Entwicklung der böhmischen Malerei 
auf das Niveau der Renaissancekunst zu 
führen.
	        

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