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Volltext: Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 85)

 
impressionismus zitr Neuzeit zeigt sich l 
auch Kurzweil von den künstlerischen 
Strömungen dieser Ubergangs- und 
Aufbruchspertode in mannigfacher l 
Weise beetriilußt. Trotzdem konnte er 
sich r zumindest in den beslen Bildern 
7 zu beachtlicher Eigenständigkeit 
und Modernität entwickeln. was seinen 
Rang gerade heute in autschlulireicher 
Weise dokumentiert. In dem prächtigen. 
mit Vehemenz gemalten .,Akt einer 
liegenden" (1915) und mehreren her 
vorragenden Ölsktzzen aus früherer 
Zelt (darunter auch das expressionisti- 
sche Bild „Grünes Boot im Hafen von 
Concarneeu") lüßt sich die Bedeutung 
des Künstlers in uberzeugendem Maße 
ablesen. i 
Die im Belvedere vereinten Ölbtlder 
und Graphiken waren in ihrer Qualität 
zu unterschiedlich, als daB sie sich 
pauschal beurteilen und charakteri- 
sieren lteilen. Nur wer sich Mühe nahm, 
die Werke tm einzelnen zu studieren 
und miteinander zu vergleichen, kannte 
Höhen und Tiefen im (Euvre des 
Malers entsprechend erkennen und dem 
Werk tenen mittleren Platz in der 
Kunstgeschichte dieses Landes zuweisen, 
den zu Fixieren auch das Anliegen der i 
Ausstellung war. 
Eine besonders schöne, intime und sehr 
geschlossen wirkende Schau. die die i 
Retrospektive tur Kurzwetl glatt über- 
traf, veranstaltete die Galerie Schebesta 
in der Plankengasse. Sie galt Theodor l 
von Hörmann. einem gleich Kurzweil 
viel zuwenlg bekannten und geschützten 
österreichischen Maler, der 1840 in 
lmst in Tirol zur Welt katn und im Aller i 
von 55 Jahren in Graz verstarb. Hör- 
mann. der zweifellos zu den wichtigsten 
und revalutionierendsten österreicht- i 
schert Malern der zweiten Hälfte des 
vorigen Jahrhunderts zählt, hatte lange 
zu kämpfen, ehe ihm im konservativen i 
Wien auch nur einige Anerkennung 
zuteil wurde. 
Seine spontane, den autonomen Wert 
derFarbe und Komposition entsprechend 
hervorkehrende Malweise (.,lch will 
ihnen nicht sagen. in wie kurzer Zeit 
ich das gemacht habe, sonst glauben 
die Leute. es mul} schlecht sein") war 
der Hauptgrund für die symptamattsche 
Ablehnung. die dem Kunstler gleich 
vielen anderen beschieden war. 
Hörmann war von seiner Kunst ber i 
sessen urd bereit, jedes Opfer dafür 
auf sich zu nehmen. Er ist r und hier 
sei abermals Hermann Bohr zitiert i i 
..der erste Secessianist gewesen und hat 
die Seccsston nicht mehr erlebt". Die 
von einem betsptelgebenden Katalog l 
begleitete und durch Leihgaben öffent- 
licher Institute ergänzte Ausstellung in 
der Galerie Schcbesta war ein repra- 
sentattver, durch gediegene Qualttdt l 
sich auszeichnender Querschnitt durch 
das Werk des Kitnstlers. 
lO 
Peter Baum 
io Thcadnr von Pormann. Parts bei Nacht, 
lB89 (aus rtci Ausstellung rhcaddr von 
itnrrnciiiii iii ctiii ciatcrir schcbc-sta, 
wic-n) 
50 
 
STREIFLICHTER AUS KLEINEN GA- 
LERIEN Griechenbeisl: Karl Pmntl 
Das Künstlerehepaar Uta und Karl Prantl 
zahlt ritrn bewahrten Stammteam dcr Galerie 
im Grtechenbctsl Beide besitzen die seltene 
und angenehme Eigenschaft, nur dann 
kollektiv auszustellen. wenn es dic in der 
Zwischenzeit entstandenen Ergebnisse auch 
tatsächlich rechtfertigen. Nach einer ber 
merkenswerten Personalausstellung der Maler 
rin Uta Prantl, die varigcs Jahr stattfand. 
trat nun e nach langerer und gut genutzter 
Pause i ihr als Bildhauer tattger Mann mit 
elriCP sehr schonen und ausgeglichenen Kolc 
lckiiva neuester Arbeiten an die Örtcntllch- 
keit, Prantls Tendenz zum Medtlattven, zur 
geschlossenen, ciritachcn Farm, dic er rnit 
seiner rrau gemeinsam hat, trat auch in 
den iiMedttatlnnssleinen" der mit viel Be- 
dacht auf Harmonie zusammengestellten 
schau klar und cinaragsani hervor 
Vom geistigen Konzept wie auch van der 
Matertalbehandlung her lassen Prantls kleine 
bis mittelgroße Skulpturen cinc l-taltung erc 
kennen. die sich in glcichcr VVEISE durch 
lacwutttc l-tinardniing ziirn t-iachstcn und 
ainfuhisainc tarrnalc Konsequenz auszeichnet. 
Prarttl lehnt teden Kraftakt. tede Clullerliche 
Heftigkeit ab. Um Brclvmlrslucke ist es lhrn 
nic zu tun. Ausacaiichcnhcit, Ruhe und innere 
Strahlkratt sind die dazu konlraren 
Merkmale, dia auch scincri neuen, glatt 
polierten und nur rnit wenigen Mulden und 
Einbuchlungen versehenen Granit. Marmor- 
unct Serpentinskulpturen cigcn sind. Der Ein- 
satz, mildern Karl Pranti seine so notwendi- 
gen Zeichen der Zeit setzt. verdient nicht 
bloß vom Künstlerischen her alle Beachtung. 
Angesichts derartiger Leistungen bleibt es 
uriverstundiich. wieso die Kirche sich nicht 
in slalkerern Maße dieses tur den Sclkratr 
raum geradezu prödesllnlerten Bildhauers 
annimmt (Abb ii) 
Peithner-Lichtenlels: Ernst Steiner und 
Otto S. Grewe 
Gunsttaen Gesamteindruck htnterlicilen auch 
zwei von der Galerie Petlhner-Lichtenfels 
veranstaltete Ftnzelausstellungen. 
Der talentierte. SCll rnehrereriJahren in Clnern 
klci-tcn ntedcrosterretchtschen Dort wah- 
riende schwcizi-r Maler und Ciraphiknr Ernst 
Stelner (tahrgang ms} tSl cin ausgesproche- 
ner Lyriker, ain tainsinniacr Poet, der starke 
Bindungen zur Natur bcsitzt. Dia Zartheit 
und Harmonie seiner Marchantandschaftcn. 
Dorncngartchen, Mythen- und Lebensträume 
erinnern an die schonstrn Landschotlsbtlder 
Anton Lehrndrzns und die senstbelsten Aquar 
relle eines Erich Brauer. von denen Steiner 
gewisse Anregungen empfangen habcn durtlc, 
Mvsttschar und verschlussclter sind Stelners 
ikonenartlgc Msditatiansbildar, in denen der 
Kunstler rnit Vorliebe die Grundform des 
Kreuzes abwandelt. Ernst Stetner, der btshcr 
van seiner Begabung nirht viel Authebens 
rnachtc und den rnan faigiich in Wien auch 
nicht entsprechend zur Kenntnis nahin. ber 
weist gerade rnit diesen kleinen. fbincn 
Malereien und dem im Zentrum der Aur- 
stcliuiig gestandenen (sahclin HScltdplunqsr 
zcichsn", was alles an Eigcricm in ihrn 
steckt 
Die beeindruckende Gndachlnisschau tJr 
den irn Dezember des Vartahres verstorbenen 
Maler Otto S Grewe, Zll der rnan sich danr 
kenswerterweise nicht rnit der sanst ublichcn 
Vcrspatung entschlaß, unifaatc insgesarnt 
41 Pxponale. darunter zahlreiche unva 
Cndvle Arbeiten. Grewes geistreiche. iranisch- 
hinlcrgrundigc Art. die Dinge zu sehen, zu 
verbinden und künstlerisch zu verdichten. 
aic in gleicher Weise im rarniatsn WtE ltTl 
Thcrviatlschea. litcrarischan, ihren adaaua- 
ten Niederschlag tand, kam insbesondere 
in den Spltzeriwerken der Ausstellung gut 
zur Geltung Grewes Werk ist urnianarnatxig 
nicht sehr groß. datur tedoch van tener 
sDtrzitischen u l r wenn man will clttch 
Hwtenerischett Eigenart. dlC heute seilen 
nanua anzutii-tti-n ist und tnrnab van bloßem 
lnkcilaatriaiisirius in cchti-rn Maße liebens- 
urld ächühellswerl crSchPlnt. Der ersltrals 
aniaßiich aicsc-r Geduchtrtlsausslclltlng ge- 
autlerlcn Absicht des Gateriebcsilicrs. in 
ClrlCr Burg in Nisdaraslcrrcich ein Gtsewe- 
Museum zu errichten. steht man mit Alttmerk- 
sainkcit cntacgcn (Abb. 12. t3). 
 
l1 
tz 
13 
Untbrrichlsrninistar Dr, PIliirPEFECVlC irn 
Gesprach mit dem Bildhauer Karl Prantl. 
rrii-ctrich Heer iina Christa Hauer (Alts- 
stellunqscrotlrittng Karl Praiiti 
Galerie inn Griechcnbcisl, Wien) 
Ernst stainer. Drqchrllbuuirt in dcr 
tvtaucr (zur Ausstellung das Kurisllrrs 
in dnr Galerie Petlhner-L ictilniitals. Wiitnt 
Otto Sßrewe. Du sonl lcs horttnirts 
(Geduchlnisausitcllcing des Kunsileis iii 
der Galerie PEtIHDEVrLlCltlQVllClS, iNten) 
Ernst Netsweslrly, Aktzetchnunq (aus acr 
Ausstellung des Ktlnstlers in der Zentral- 
buchhandlung. Wich) 
trt der 
Synthese: Gäste aus der CSSR 
Sowohl der Buhiicnbildni-r und Maler Malt 
VVentg (geboren t9t2) als auch der Piusllkcr 
Jan Kodet (Jahrgang tvtot traten bereits 
var drin LWc-llkriag rnit Ausstellungen an 
die Ortentlicltkctt. Beide Prager Kunstler 
sind hi-iitc in ihrcr Heimat anerkannt und 
wcrdun inn ihirrt Staat nlr, Rcarasenlanian 
rur iiiti-rnatianal badeulwtgsvolle Ezaositia- 
nen vargaschlanan. Dlü (alerte Svnthese 
stellte St? irn Dclcrnber des Vartahrcs Qrst- 
rnals l-aliakiiv in Ösle"elcti var 
vtanisnd vvicnins Atnaclie. lsuhnenaildrr und 
Kastutnantwurtn l'l er ci Linic als An. 
schauungsuintiiri i-t f.-r clnn Tnaaterlach- 
rnann ztt weil 7d utrt n ts diesem Cirund 
hier nicht ivs-iti bnsarnchii gehorcn. uc-r- 
dienen Kcdels Skulatu in insbc-sandcrc varn 
ifuttsitarischan hi-r gc ssiz AI-tarksn-ttki-t 
Die Arbcitcn das Pragers habe-i in kisi-er 
Weise etwas i-nit dcni utlbst irn Qsten 
bereits vielfach vuraanten aziaiisiischsn 
Fealtsmus zu tun. Auslafiqsp: l'Tt schaitcn 
Kodets ist dlE rnchschl chd Fl]JF. dic- ci- s) 
wie rast alle ernsizunchniand Bildhauer 
als tarrnale Prahic-rnstallunrt auttaiit und nicht 
als Objekt realistischer Wiedergabe in cinar 
inituntcr an Archtpenko iina Henry Maara 
erinnernden Art absirahieil der Tscheche 
weitestgehend. ltm zu geschlossenen. lTY"lCi't- 
teten und Zugivlrh Spannunqsrelchcn ilqJVClr 
tiartcn zu gelangen. Hainiania irn Aufbau. 
sinn rur rarrn und Proportion sind ssiiicn 
gcwiti nach wcitar cnti-iicktungstahiisan 
Plastiken nicht abzusarechrn vbnt tsinialsn 
ßcrniihi-i des kunstlcrs qrlben auch zahl- 
rcichc gctunaciiu Skizzenblnltcr Aufsctiiurt. 
  
, . 
 
  
 
 
 
Basilisk: Stauducher und Hiesberger 
l'i der nausrdi-ias sehr OQliElt kunsthandiuna 
zuiii sasilaskcn begegnete inan knttcktivcn 
der Karntner llans Staudacher und t-tans 
Htesberger. staudachcr. einer der Preis- 
trager der vortahrtgen hir-nriaic in Takia. 
zaigtc einen abwcchslungsrcich ausac vahl- 
ten Querschnitt durch sein grnph sches 
Schatten der letzten zehn Jahre Dabei hielten 
sich reine Abslraktianen und solche Arbeiten. 
deren gegenstcnctliche Anhalisbunktn deutr 
lich erkennbar sind (z.B einige sanntane. 
rhythrrilsch-relzvnlle Akte). etwa dlC Waage 
Zwischen tarbcntrohem Tachtsmus und hand- 
schrittltcher Pattaphrase hat Staudachvr schon 
langst eine sehr persanllche. varial-tln Syn- 
these gefunden (vereinzelt rnit Schtagsc-ili- in 
Richtung graphischer Poesie). die van ihre- 
Faszination trotz Pop-Art, Neuem Realismus 
und anderer aktueller slrnrnungcn rttChtS 
einaobußl hat 
scih tungerer Landsmann niashcrarr, an 
ArtdrrscnrSchulcr der hiesigen Akaclem-e, 
pflegt gegenwärtig einen vvsiteslgehi-nd autr 
qelackerten, mitunter sehr heftigen f-knrcssia 
riisrniis, der sich zwar noch llTt Durchgangs 
staaliiirn subicktivsr Auspragung und ver- 
dlcltlung bcnndct, aber dennoch bereits l't 
vialcrn standhalt. in seinen fiatt gernaltct 
Landschaften erreicht htiasbargei- beachtensr 
werte Ergebnisse. die in ihrem taraigcn 
Zusümrrlenkiunq und ihri-r graahischcn Bar 
wcathcit das ublichc Angchai dieses Fianras 
bei Weitem ubcitrcrfcn 
Kleine Galerie: Otto Brunner 
Die Ci-aahabatikc-n, die der aus dem lturgerir 
land stammende Grazer Otto BFUNYVET tn der 
Kleinen sataric in der Ncudeggergasse ausr 
stellte. beeindruckten in ci-stcr Linie aufGrund 
thFES ausaabraglsn dekorativen Gehaltes 
Brunner liebt den Reiz ans Materials, dlE 
Bunthcit und Harmonie clcr rnit viel Ccschick 
gewahlten Farben. strukturc-n und Uber- 
gönne Details seiner Blattcr lassen viclfach 
an Querschnitte unter dem Mikroskop den- 
kcn, an wundervolle Bildungen der Natur 
und ahnliches. Dic-ianigcn Arbeiten. in denen 
Brunner elrlC krc-istarrriiac crundtarrri rhvth- 
rnisch akzentuiert abwandclt. halten auch 
strengeren Anspruchen stand 
Zentrcilbuchhandlung: Ernst Neiswestny 
Einc ltncrwartete Enttauschurig bereitete die 
Ausstellung van Zetchnungen des Moskauer 
Bildhauers Ernst Neiswestny iri der natcric 
zß in der Srhlilcrslrclße Dcr von Werner 
Harriiann als itabrasantant der ucissii fur 
dic- variahriac Fc-stwachc-iausstcliuna ,.Kunst 
in iraihcit-i vorgeschlagene kunsiti-r (den 
Werken des liiisuzn waiaiz CliCFdlHQS aut 
Wcisuna attincitur Stellen dic Ausi-cisc- verr 
wciacrtt besitzt will rnan dlE in Wien 
aczcigtc Auswahl als Mattstiib hcranzichcn e 
dttansichtlich cincit bcssi-ri-n Rat, als er iicr. 
dient Nelsweslny bernuhl sich in gcvvisser 
Abharigtgketl zu Archiisiiiika. Moarc und 
Picasso e uin inanurnciitats. geschlossene 
rarrni-n, daicii qebandlgle Kran immer 
spurbar bleibt SSlFti? Zcichnunacn und 
skizzcn (Akte. Tarsi. tinurcn usw) verr 
anschaulichen rticsc Tendenz in aller Deut- 
itütkeit. verrnoqen tcdoch tur sich si-ttist mit 
schwer zu bcsirhan (Abb tlit. 
Spur-Gasse: Allmayer-Beck 
Mit aiiicni rcaairncitiigcii liiusranini kirincrcr 
Pisrsuiiatausstailunacn will als riirrturcr 
iuriasr kunctlar - in zukuntt aiiiii dic 
Gaicria der cista-t asibrri-ichiscticii Spürr 
Cclsse, Wien t. Nculorgusse-Schottenrtrlg. dic 
Ollentllchkeit kaiitraritician. Monolypten. 
Ptnselzeichnunacn und Malereien dcs iungcn 
Wieners Peter Allmayer-llieck bildeten den
	        

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