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Volltext: Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 85)

DAS JOANNEUM FEIERTE GEBURTSTAG 
DerZG.OklaberwarGeburlslagdessleirischen 
Landesmuseums Joanneum und damil Anlaß 
genug. mil bedeutenden wissenschafllichen 
Leislungen vor die Öffenllichkeii zu lrelen. 
auch wenn nichl gerade ein Jubiläum fällig 
isl. 
Die Alle Galerieuprösenlierle diesmal eine 
wohlgelungene Uberschau auf das werk 
von Josef Thaddüus Slammel, der vor zwei- 
hunderlsiebzig Jahren zu Graz geboren 
wurde und vor zweihunderl Jahren die Augen 
schlaß. 
Die Ausslellung isl räumlich nichl sehr um- 
fangreich und mußie sich mil den plaiz- 
mäßigen Gegebenheilen (..Joanneum-Eck- 
saal") ablinden. Auch konnten nur 11 plasli- 
sehe Arbeilen aus der Hand des Meislers oder 
seiner werksidn gezeigi werden. denn das 
meisle dessen. was Slammel geschaflen halle. 
befindel sich noch in silu und isl kaum lruns- 
portabel. Trolzdem isl die Ausslellung ein 
Ereignis van hohem Rang - nichl nur des- 
wegen, weil die Bearbeiter. Dr. Woiselschläger 
und Dr. Krenn. es klug verslanden hciilen. 
den Mangel an originalen Werken durch 
geseiiiekl dngeerdneie creopiielbs zu kom- 
pensieren. 
Durch die verbereilungsdrbeilen zu dieser 
Aussieilung isl die Forschung um sldniinei 
wieder in Fluß geralen. vdr allem gelang es 
den Herren Waiselschldger und Krenn. die 
alle Mär zu zerslreuen. Slammel sei ein 
lypisch alpenlündisches. kernigß. gewisser- 
maßen _..sioasleirisches" Künsllerlemaercl- 
rnerll. ein schöpferischer Homo alpinus ge- 
wesen. Sie erbrcichven den bündigen Nach- 
weis. daß Slarnmel bei seinem siebenjährigen 
Aufenlhall in llalien enlscheidende Anregun- 
gen für sein senurien ennpigngen halle. i'd 
duß sein Werk ahne diese Vorausselzungen 
überhaupl nichl zu denken isl: Er hol nichl 
nur seinen Berninl. sondern auch die zell- 
genössischen Neapalilaner vorzüglich ge- 
kann! und sich mil Werken ölierer Zeil. vor 
allem mil Tinlorello. den Florenliner Bild- 
hauern der Renaissance und - selbslver- 
slöndlich - milden Römern rezipierend aus- 
einandergeselzl, Weitere Quellen seines 
Schaffens sind die "Teulsche Akademie" von 
SandrarlundVarlagenvonAugsburgarKupfer- 
slechern. In der Endphase seines Schaffens. vor 
allem in den Admonler Figuren der Vier 
lelzlen Dinge. isl bereiis ein wenig van der 
Kühle und Glülle des Klassizismus zu spüren. 
Alles in allem aber isl Slammel ein echier 
Anlagonlsl zu den Wiener Akademikern, vor 
allem zu Donner: im Kern bleib! er barock 
noch zu einer Zeil. in der die Slunde des 
Baracks langsl verslrichen war. Und slels 
versland er es. Impulse aus der "Großen 
Weil" mil heimisch-valkslümlichem Erbe Zu 
verbinden. 
An gegenslöndlichen Neuenldeckungen bringl 
die Ausslellung einen hl. Antonius (Gegen- 
slück hl. Nepomuk lieg! nur als Groliphola 
vor) aus der Pfarrkirche von Pcllfau und 
einen lebensgroßen Schmerzensmcinn aus 
Kdllwang. Außerdem konnie hinsichllich der 
6B Büsien von der Vorderseile der Admanler 
Bi iolheksbücherschrünkeeineüberzeugende 
Hclndescheidung durchgeführl werden: nun- 
rneiir giil die überwiegende Mehrzahl dieser 
reizvollen Schöpfungen. die bisher dem Veii 
Kdniger zugeschrieben waren. als Arbeit 
Siarnmels. die verbleibenden Slücke enl- 
siammen seiner Werkstull. 
Vorzüglicher Kalalog mil reichem Abbil- 
dungsrrigieridi und ersthöpfenden Lileralur- 
hinweisen. - 
Einen Tag nach der Eröffnung der Slammelr 
Aussiellung bei das Jaanneum in den jahres- 
zeitlich liefgekühllen Schloßpark von Eggen- 
berg: in dessen südwesllicher Ecke wurde 
ein ungewöhnlich großzügig ungeiegles und 
sehr umfangreiches Lupidarium inslullierl 
und der Orieniiieiikeil übergeben. Es ndneieii 
sich um eine Kollekiion von Römersleinen 7 
zumeist Grabdenkmülern - aus dem Raume 
des ehemaligen Fiavia Solva (heule: Wagna). 
die bis vor kurzem in niedrigen. kellerarligen 
Erdgeschoßrdurnen des allen Joanneums- 
gebüudes unlergebrdehi waren. Neben 
vielem Pravinziellem sind auch eine Reihe 
inleresdnier. qualilaliv hochwerliger Slücke 
nunmehr buchslüblich in anderem Lichl zu 
sehen. Die van Dr. Modriian und seinen Mll- 
arbeilern besargle Neuaufslellung lehnl sich 
an das Vorbild da Lapidariums von Aquileia 
an und isl in glücklichsler Weise unler ein 
gewinkelles, an römische Vorbilder ange- 
lehnles Flugdach (Arch. Janser) und in den 
ramanlischen Baumbeslund des Eggenberger 
Schloßparks eingeordnel. 
Die Eröffnungsansprache Modriians war ein 
Meislerwerk an Scherz. Saiire. Ironie und 
lieferer Bedeutung. Ernsl Köllcr 
  
..KÄP'TN" PETER KLITSCH: ERFOLG 
IN BERLIN 
Peler Klilsch, 1934 geboren. halle in Wien 
zulelzi bei Peiinner-Lienlenreis i-aeli ausger 
sieili und war von der Kritik rnii sehr wech- 
selnden aeurleilungen zur Kennlnis genom- 
inen werden. irn okldberiwgveniber 1965 
war in Berlin in der Galerie Miniaiure sein 
Werk neuerlich zur Diskussion geslelll 
werden. Wieland seiirnied halle dds vdrwgri 
für den kleinen Kalalog besbrgi. der e 
ähnlich wie der Kalulcg der Ausslellung bei 
Peilhner - besondere Bedeutung durch dds 
enger ie. up la deie gebrachle Werks- 
Verzeichnis erhielt Gezeigl wurden Werke 
GUS der "Schiffsperiade". 
Die Berliner Presse nuiiin im großen und 
ganzen Klilschens künsllerische Produklian 
beiidliig. zuni Teil sogar enliiusigsliseii dui. 
Sa schreib! die ..eerliner Mergenpgsl" vOm 
9. November: iiWenn der Fliegende Hollän- 
der in guler Laune wäre, würde er elwd so 
wie luiisrli malen. ohunlusievall verspiell. 
mil viel Spllß gn Geschichlen VOM Klabaulerr 
nidnn und einer deuliienen Vorliebe für 
Wasser. Wind. Wolken und allerlumliche 
srnwe." 
"Der Tagesspiegel" vorn 22. Oklobcr be- 
leichnel Kliisch als "Traumplrai" und miBl 
inni eine "Treflsicherheil für seine realen 
und surrealen Vorslellungen" zu. die nur 
niii der der Brüder irun Eyck verglichen 
werden könne: "In irgendeinem sinne isl 
jedes seiner Bilder ein Aurrui zum Abenleuer. 
Jedoch liegl das verwegene. dds Piraien- 
rigiie  inn Geisligen," 
Der Berichler dieser zeiiung schließt milder 
Fesisieliung. Klilsch sei ,.pasiliv und mulig". 
Herz, wds begeiirsi du mehr? 
"Die wen". Hamburg. sieill fesl: "Spannung 
leili sich dem Bild mil. aber sie isl nlchl 
rediisllssn. sondern die Spannung einer 
ßunnenwirklirnkeil." 
Und das ..sudndduer Valksblall" kanslaliarl. 
duß "die sninigerdiinilen Schiffe aller und 
ailesier suuidiire .sliinrnen'. vom Anker bis 
zur Galiansiigur" 
Nur "Der Abend" vom 11. okigber isl der 
Ansieni. ..der Kunslkapil . .  befände sich 
"jedoch nicht rechl auf eigenem Kurs". 
Aber welcher seeidrirer kann schon von sich 
behauplen. niemals vom Winde verwehl 
worden zu sein? Ernsl Köller 
  
 
Bildlexle 22-26 p 
22 Egon Schiele. Blldnis Eduard Kasnak. 
1910. Öl du: Leinwand. 100x100cm 
2:4 Anlon Lehmden. Landschall. 1959 (Aus- 
schniN Herbsl), Teniperd. 40x60 crn 
24 Elsa Olivia urbden. Neplun: Moderalc 
rnd nan lroppa. iessleili. Rom-Wien 
TemperalÖi. 4OX70crn (Abb. 22-24 
aus der Ausslellung ..bleue!Figuralior 
in Oslerreich seil Kliml" in Rom) 
25 Anidn Leliniden, Kolosseum. Aus der 
Mappe ..Roma", Radierungen (Aus- 
slellung in Rdni) 
26 Waller Spies, Dorf in Troaenlundschail. 
193a (cdli. Erven Paulus Spies) 
PERSONALIA 
16. November: In Wien verslarb, 81 Jahrri 
all, akademischer Bildhauer Prof. Franz 
Riedl. ein Schuler von Billerlirh und Helmcr, 
zdnireiriie Plashken dn Wiener Gemeinder 
baulen. Porlralbiislen und Denkmaler slamr 
rnen von sclricr Hand. Riedl war 45 Jahre 
Miiglied des Kunsllerhauscs. Träger des 
seidenen Larbeers und der grdiien goldenen 
Ehrenrriedaille. 
17. November: Akademischer Maler nein. 
hold Kukla slarb. a9 Jahre all. in si Gallen 
(Sleiermark) Schüler von Rumpler, Lichlcn- 
fcls und Grieaerikerl, schuf m" vornehmlich 
nlederdslerreichische Landschafleri Er war 
Trager zahlreicher Preise, Auszeichnungen 
sowie des Goldenen Lorbeers des Kunsllcr- 
hauses, dem cr seil 1923 angehdrle. 
19. November: DipL-lngHerrriann Aieninner. 
Archilekhslarb irn 49. Leberislahr eines irunen 
Todes. 
2a. November! Archilekl Oskar Trubel wurde 
soidrire all. Er erediiie iinier dnderein sieben 
vveiinndiisenidgeri der Gemeinde wieri, 
fener rnenrere srnulen. Kaslhauser. viiien 
und Kapellen 
2. Dllemblr: Airddeiniseiier Maler Wilhelm 
Ulrich vallnndele das 6D. Lnbcnsjahr. Scliuler 
von ieiiiner. LGrWm und lurigwirlh, rSl er 
vorwiegend dis Landschaflsmaler und Rcr 
slaliralor Ialiq. Ferner arranglerle er Yühl- 
reiche Aussfcllungen Fr lsl Trager zahl- 
reiener niiseeiriindngen 
kDetember: Prof KOll Slerrer wurde 
80 Jdrire dli Einer der prdülieriesien Leiirer 
der Wiener Akddemie, drbeiiei er in einem 
dem rneniirndnidien SyrnbOllSfTlUS verpilichr 
lelen Siil. der van liefen kunslphilosophischen 
Erwdgungen geirngen isi. 
1b. Dezember: Ollo S. Grewe-Schepelrnarin, 
eine der lieberiswerlesicn Gesidlien unlcr 
den Wiener Mdiern. slarb im so. Lebensiahr. 
Er isl Errinder der "Miroilagen". einer Arl 
iieri Zcllungsabklalschlochnik. in der er 
humorig-besinnlirhe. dem surrediisrriiis ver- 
pflichlele Kornposiiioncn seniir. 
S.JGHLIGII Akademisrhcr Maler oiie Riedel 
wurde so idiire dii. Absolvenl der crdeiii- 
scheri Lchr- und Versuchsanslalli besuchle 
er auch die Wiener Akademie. Sein ab- 
slrakfiver Gestallungsslil schlag! Brücken 
zwischen kunservarivem Gestalten und ma- 
dernen Forrripririllplen. Riedel isl Prdsideni 
des „Kloslerneuburger Kdnsflerbundes" und 
Miiglied des Wiener Kunsllerhauses. 
ZOJanUur: Herberl Boeckl, neben Ko- 
koschka wohl osierreirris prominenlcsler 
Maler der Gegenwarl. schloß für immer die 
Augen. 1894 in Klagenfurt geboren, war er 
zum Beruf des Archllcklcn besilmmi. Schon 
wahrend des ersleri Wcllkrieges wandle er 
sich der Malerei zu und lral nach 1918 mil 
selbsl hcule noch unerhbrf kühn wirkenden 
Arbeilcn hervor. Bis zum zweilen Wellkrieg 
milderic sich sein Slil zu beinahe lrockenern 
Akademlsmus. um nach 1945 einen neuen 
Aufsrhwung w erfahren. Die Fresken der 
Seckaucr Erigelskapellc slnd das bedeulendsie 
Werk kireriiirher Wdndrrieilei-ei in Osierreirri 
der Jahre nazh 1945. 1964 verlral er Oster- 
reich auf der Bierinale in Venedig. im Herbsi 
1964 wurde zu seinem 70. Geburlslag eine 
große Relrospeklive im Museum des Z0. Jahr- 
hunderls diigeriniirn. Bocckl. Sezessions- 
miiiglied. wdr Trdger rierrisier Auszeich- 
nungcn und Ehrungen _ 
Z. Februar: AkGdEVTUSChEF Maler Feier Ri- 
chard Oberhuber, ein gebürliger Ober- 
sleirer. vollendele das Güleebensiahr. Das 
Gesarnlschaffen des Jubilars wurde in der 
Varriurrirncr unserer Zeilschrifl eingehend 
gewurdigl 
ErnSl Koller 
GROSSER LUSTER FÜR DIE NEUE METROPOLITAN OPERA IN NEW YORK VON DER 
FIRMA J. Ei L. LOBMEYR 
 
Fur den 10 Februar 1966 lud die Firma 
J. Si L Labmeyr zu einem Empfang ein. bei 
dem der große Miiieiliisier der gesarrilcn 
Opernbcleuchfung im neuerbduien LrhCOln- 
cenier V07" seiner Versendung Freunden und 
geladenen Güslen vdrgemhri wurde 
Wie schon seil langem hckannl isl, wurde die 
rirind Labrneyr rnii der Ausmiriing des 
Slaalsgeschenkes der aslcrreichischen Bundcsr 
regieriing iiir die Mclropolilan ODCFG be- 
irdui, NGCh den Eniwui-fen Hans Harald 
Ralhs, des Chefs des Hauses. wurden zahl- 
reieiie Beleucrllungäköfper gesehenen Die 
größte cinheiilierie Gruppe bilden dehi 
Lusier, die iri der Mine rles Zuschauerraurnes 
in einer ildrrien Kuppel ndngen werden. Der 
grenie VDH innen, der Miiieiiusier rnii einem 
nurrnmesser von (O e in. wurde den Gasien 
vOrgEfuhfl Er beslehl GUS einer Mlllclkugel 
von (U so (rn Durchmesser. VON der rddieil 
Messirigslrahlen ndien diien iiieriiiingen dus- 
gehen. Die Slrahleri selbsi sind rriii ver- 
schieden grenen, uriregelmüßlg dngeerd- 
neren Büscheln von Glassleinen beselzl. die 
dem Ganzen das Aussehen einer riesigen 
Bluieridalde aus Licht und Krislall verlelhen. 
 
28 
i NEUE ARBEITEN VON HERMANN 
WALENTA 
Hermann Walenla. dem wir beis-ils eincn 
grenereri Beiirdg in der Nummer 67, MGVZI 
April 1963, gewidmcl haben. isl irn leizien 
idrir nichl unieing geblieben. Er schuf einige 
l Freiplasliken im Auftrag oflenllicher Slellen, 
darunler einen 3 rn hahen Brunnen fur die 
Hauplschule in Amslcllen und die "Rhyth- 
mische Komposilian" fur die Volksschule in 
Gfümülhöuiledl. Dies ersrheini uns dei- bcsle 
Weg. die Jugend mii den modcrncn Ge- 
slallungslendenzen bckanril LU rridrnen 
(Abb Z8, Z9). 
A 
V 
 
(ULBL. 
Lobrneyr, Großer Miiielliisier 
(ca 6 m Durchmesser) für das Audilarium 
der neuen Melropolilan Opera in New 
York
	        

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