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Volltext: Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 76)

teilte und um Rat und Entwürfe bat. Diese 
Vorentwürfe Grans sollte dann Bartolomeo 
Altomonte bei der Ausführung zugrunde 
legen 3. 
ln seinem mehrbändigen handschriftlichen 
Werk „lnforrnatory darnerfiei"4 schildert Propst 
Georg ll. ausführlich seine Pläne um Ausbau 
und Freskierung der Bibliothek und ihre 
Durchführung. Im Jahre 1746 teilte er in 
einem Briefe an Daniel Gran nach Sankt 
Pölten die Pläne und das Programm für die 
Decke des Hauptsaales der Bibliothek mit. 
Er wünscht die „Verlebnur der Palla: und der 
Tagen!" als Programm. Diese sollen durch das 
Herz und die Feder des hl. Augustinus die 
Unwissenheit, Ketzerei, Irrtum und Laster 
besiegen. Propst Georg teilt uns auch in 
genauer Abschrift Daniel Grans Antwortbrief 
mit: 
„Reuerendirrinle, Perilluxiri: a: amplirrinle Dernine 
Patrone Colendirxime! Hier iiberrende da: mil- 
getlieilte Kangepl {a der Biblinthele und glaube, 
daß e: auf diese Arlli in der lllablerejl galll kommen 
rellte. E: rind auf da: (grüße Feld weder {uzßiel 
norb {a wenig Figuren beygehraeln. IelJ zweifle nirht, 
daß der Herr Altonmnle nieht 3a! und rebän er 
warben wird. . . au; beigelegten!  wird Herr 
Altelnonle garq leiebl meine Gedanlwz verlieben 
und Jalebe alr ein uirtuurer Künrtler auszuführen 
wlluen. Wonli! mich zu beharliehen Gnad empfehle 
nndgebleihe Euer Haebw. a. Gnaden Hergogenhurg, 
den 12. Orlohri: 1746 dem dreugeberranrter Diener 
Daniel de Gran." 
Mit diesem Briefe Grans ist uns ein hervor- 
ragendes Dokument über die Art seiner Mit- 
arbeit überliefert. Der Hauptsaal der Decke 
ist dann auch bekanntlich von Bartolomeo 
Altnmonte entsprechend den Ideen des Prop- 
stes mit Hilfe von Grans Riß ausgeführt 
worden. 
Leider hat Propst Georg Il. nur im Zusam- 
menhang mit dem wichtigsten Fall, der Haupt- 
decke der Bibliothek, seine Vorbereitungen 
und die Korrespondenz mit Daniel Gran so 
ausführlich dargestellt. Wir können annehmen, 
daß auch über andere, kleinere Projekte mit 
Gran Korrespondenz geführt wurde. Der neu- 
entdeckte Freskuentwurf ist für einen kleineren 
Raum, offenbar für einen Ncbenraum der 
Bibliothek, bestimmt. Der Entwurf scheint 
nicht ausgeführt zu sein oder das Fresko ist 
verlorengegangen. Es sind heute mehrere 
Nebentäume der Bibliothek ohne Fresko- 
schmuck. 
Daß der vorliegende Entwurf Grans sich 
schon im 18. Jahrhundert in Sankt Florian 
befunden hat und nicht erst später dorthin 
gelangt ist, wird durch den zweiten Sankt 
Florianer Deckenentwurf bewiesen, der aus 
späterer Zeit stammt, der aber weitgehend 
von dem älteren Entwurf Daniel Grans be- 
einflußt ist. 
Diese zweite Deckcnskizze (32 x62 cm, Öl auf 
Papier, Abb. l) läßt sich genau für Sankt 
Florian sichern. Wir haben den Deckenentwurf 
für eine Apotheke vor uns. Als zentrale Figur 
sehen wir Flora, der von Engeln Blumen 
gebracht werden, während andere Engel als 
Personifikation der Winde durch ihr Blasen 
die Blumen zum Blühen bringen. Links und 
rechts sehen wir größere Figurengruppen. Zur 
Linken sitzt der hl. Kosmas, dem heilbringende 
Kräuter gebracht werden, vor ihm bedient 
ein Putto den Blasbalg beim Kräutersieden. 
Rechts wird der hl. Damian assistiert von 
einem Gehilfen, der im Mörser Kräuter mahlt. 
Wenn wir die Struktur der Malerei und die 
dargestellten Typen näher studieren, ist un- 
verkennbar die Hand Johann Martin Schmidts 
festzustellen. Auf dem Rand des Blattes stehen 
handschriftliche Vermerke über die Mauer- 
abstände in seiner charakteristischen, uns 
von seinen Handzeichnungen wohlbekannten 
Schrift. Es fällt allerdings nicht leicht, sofort 
w 
Daniel Grau. Entwurf fur das Dnckenfrcsko des Langhauses 
der Wzllfzhrtskirche in Sonnugberg. Öl auf Pa ier 
Danie! Gran, Entwurf für einen Raum der ibliolhek in 
Sankt Florian, o: auf Plpit! auf Lvinwand 
ANMERKUNGEN 
I Nach rwu. Mitteilungen Herrn Prof. m. Linningcrs hahm 
sich 1m verschieden: unbekannt: Entwürfe in dcn Ge- 
mächem des Prälaten hefundm, die damals möglicherweise 
veräußert worden sind. 
1 Elisabeth Rücker, Ein unerkannler Kuntriklenlwurf Daniel 
Grans, in: „Alm und modrrn: Kllnxt" wez, um was. 
sßs-ss. 
1 Albin Ccrny, Kunst und Kunslgewerbe im snm Sankt Florian, 
Linz nass, s. 251er. 
1 Informamry Dumcstid, Turnus n, sßsom unter dem Titel 
"Conctplum Bibliuthecu Conuhium Virtutis er Sdenriac. .  
S Albin Ccmy. a. a, 0., s. 25m. 
n Rupert Fcuchtmüllcr. 1m Maler Martin jnhann Schmidt. 
Wien 1955.Wcrksvurzcirhnis, s. 295. 
26
	        

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