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Volltext: Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 86)

Zahlreiche Ringe zieren die Hände, in der 
Rechten, auf der eine Fliege sitzt, hält er 
einen Brief und einen Rosenkranz. Im 
Hintergrund des Bildes ist vor einem Vor- 
hang das kaiserliche Wappen sichtbar, 
rechts davon ein Fenster mit einem Aus- 
blick in eine Landschaft, alles ganz in der 
Art, wie es dem von Maximilian fest- 
gelegten Kompositionsschema entspricht, 
und wie er selbst auf einem im Kunst- 
historischen Museum beiindlichen Porträt 
von Bernhard Strigel dargestellt ist: in 
reicher bequemer Tracht, mit Mantel und 
Mütze, in den Händen einen Brief, den 
Kopf im strengen ProHl dem Fenster zu- 
gewandt. Die ungekonnte Bewältigung der 
Hände spricht dafür, daß der Hersteller 
des Friedrichsbildnisses in Nantes keines- 
wegs zu den qualitativ hochstehenden 
Künstlern gezählt werden kann. Die Durch- 
führung des Gesichtes ist durchaus nach 
dem Vorbilde des Meisters von Frankfurt 
und spricht nicht eigentlich für Hans 
Maler, den einzigen österreichischen Künst- 
ler, der in Betracht zu ziehen wäre. S0 
darf wohl die Vermutung ausgesprochen 
werden, daß Maximilian während eines 
seiner Aufenthalte in den Niederlanden das 
Bildnis in der Werkstatt des Meisters von 
Frankfurt bestellte und dabei das Kompo- 
sitionsschema festlegte sowie für die 
Richtigkeit der Durchführung der eigen- 
willigen Krone seines Vaters ein Vorbild 
lieferte. 
Ähnlich der Frühzeit des Monarchen lassen 
sich auch die Altersbildnisse durch litera- 
rische Berichte ergänzen: Dr. Andrä 
Schenck berichtet 1484, Friedrich, schon 
ganz Greis, vernachlässige sich und seine 
Geschäfte, er spreche mit kaum verständ- 
licher Stimme, was auf das Fehlen der 
Zähne zurückzuführen sei. Den Rest von 
verbliebene: Frische habe er lediglich 
seiner mäßigen Lebensführung zuzuschrei- 
ben Z1. Dr. Pfotel bezeichnet Friedrich 1491 
als verlebten Herren 23. 
Werden die Darstellungen Friedrichs in 
ihrer Gesamtheit überblickt, so ergibt sich, 
daß sie keineswegs eindeutigen Eindruck 
erwecken: sie unterstreichen und bekräf- 
tigen das Bild des zögernd handelnden, 
aber mit zäher Entschlossenheit seine Ziele 
verfolgenden Mannes, des rnißtrauischen 
Monarchen, der sich früh, von der Welt 
und seiner Umgebung enttäuscht, in sich 
zurückgezogen hatte. Mag ihm Geiz vor- 
geworfen werden, so besaß er doch eine 
gewisse Vorliebe für Prunk, vor allem 
dann, wenn es die Repräsentation des 
Kaiserreiches verlangte. Wie anders wäre 
es ihm sonst möglich gewesen, sich noch 
zu Lebzeiten ein Grabmal schaffen zu 
lassen, mit dem er seiner Regierung ein 
monumentales Denkmal gesetzt wissen 
wollte und das sein Bildnis (Abb. 16) der 
Nachwelt überliefern sollte. Niclas Gerhaert 
vermochte es, Naturalismus der Darstel- 
lung und Würde des Dargestellten derart 
zu verbinden, daß dieses in Stein gehauene 
Bildnis Friedrichs zum bedeutendsten Sinn- 
bild des Kaisertums aus dem späten Mittel- 
alter üherhaupt wurde. 
Niclas 0mm, 
dem Hochgral 
Dzrslelh 
in St. m. 
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m. m; 
Fricdxicl 
1467. 
ANMERKUNGEN l! 
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Königssyxnbol. die 1. 
1" Zur Problematik t 
Friedrichs vgl. sgw. 
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so lief ansetzende Tcrnporalis un- 
möglich. Der rgixxelakerliche Künstler wollte mit 
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anschaulichen. 
11 Briefe des Dr. Schcnck. hrsg. von Joseph von 
Srcicrmirk. Gcschichtsblätlcr 1, 1x80, s. 10i 15. Vg 
B. Hzller, a. a. 0.. s. S3. 
11 Berichte des Dr. Pfote] an Markgrafen Fricdricl 
Ansbach-Bayreuth aus dem Jahn: 1492, hrsg. bei 
stzntin Höflcr. Fränkische Studicn IV, Archiv für] 
östcrr. Gcschichlsqucllcn 7. 1851, 81-146. VgLl 
a. a. 0.. S. SSf.
	        

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