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Volltext: Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 86)

die Teile zu einer unbeweglichen Bilder- 
wand zusammengefaßt und über einem 
Rokukoaltar, von einem Baldachin um- 
rahmt, so hoch angebracht sind, daß sie in 
die Gevaülbezone ragen. Vielleicht sollten 
die Bilder, die sich in einem recht bedauere 
lichen Zustand befinden, den Blicken etwas 
entrückt werden. Das Mittelbild, der Kopf 
(iottvaters, dessen Gewand und das Kreuz 
Christi sind wesentlich erneuert, die Flügel- 
bilder haben die Farbe weitgehend ver- 
loren. In zehn ]ahren wird von den Hei- 
ligen nichts mehr vorhanden sein. Immer- 
hin ist der Zusammenhang mit den Werken 
von Leonhard Beck offenkundig, und es 
kann nicht zweifelhaft sein, daß das 
Retabel in die zeitliche Nähe der Heiligen- 
tafeln in Schweinfurt und der Holzschnitte 
der Heiligen aus dem Ilause Habsburg zu 
ordnen ist. Die noch immer sehr reizvolle 
hl. Afra (Abb. 3), die in leichtem Kontrapost 
an einen Baumstamm gefesselt steht und 
das jugendfrische Köpfchen zur Seite 
wendet, könnte auch in jener Holzschnitt- 
folge begegnen. Sehr viel mehr läßt sich 
angesichts des schlechten Erhaltungszu- 
standes heute nicht mehr sagen, betont 
sei aber noch, daß die Hüttenkapelle 1515 
erbaut worden ist, unsere Datierung des 
Retabels mit diesem Datum also ziemlich 
genau übereinstimmt. Die Kapelle ist wahr- 
scheinlich für die Knappen des benach- 
barten Bergwerkes errichtet wortlen, viel! 
leicht war der Altar eine Stiftung der 
Höchstetter, die in Reutte ein Messing- 
werk besaßen". Die Heiligen Liltich und 
Afra weisen eindeutig nach Augsburg, so 
ist eine Vermutung nach dieser Richtung 
wohl berechtigt. 
In die Nähe der Augsburger Epiphanie 
mit den Angehörigen der Familie Stetten 
ist die ungewiß 1521 datierte Verkündigung 
aus der Sammlung Weber in Hamburg 
einzureihen. Danach folgt die 1523 da- 
tierte St.-Ulrich-und-Afra-'l'afel (Abb. 1) 
im Pennsylvania-Museum of Art in Phila- 
delphia5, folgen weiterhin die Epitaluhien 
des Martin XWeiß und seiner Ehefrau 
Elisabeth Facklet im Augsburger Mu- 
seum 6. Diese ursprünglich im Augsburger 
Dorn beheimateten Tafeln sind im 17. Jahr- 
hundert offenbar vcrhärtend übergangen 
und vielleicht sind sie auch verändert 
werden. Die schweren Formen der archia 
tektonischen Iiintergrundkulissen scheinen 
dafür zu sprechen. In den Holzschnitten 
der Sipp- und Magschaft Kaiser Maxi- 
milians sind solche Architekturen zumeist 
locker und Durchblicke bildend gruppiert, 
nicht so nüchtern akademisch mit der 
Reißschiene gezogen.
	        

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