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Volltext: Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 86)

Tgnaz Günther. Entwurf an an Standkreuz, mm 
München, Sudunmeum, Maillinger-Sammlung 
ANMERKUNGEN 1 75 
I A. Schönbcrgcr. Ignaz Günther, Münchcn 1954. s. 49150 
mit Abb. I und 65-69. 
zu. Höhn. Die Handzdchnungzn aß Bildhauers lgnnz 
Günther. in: Anzeiger des Germanischen National- 
musgmäns, Jg. 1932133, Nürnberg 1933, s. 19a (Kam- 
r. . 
3 Katalog 1962, Nr. 137 (Lw.; 93X53.5 Cm). Ein zwcitcr 
Entwurf (Lw.; 110 x a3 cm) befindet sich in Philadelphiz, 
Mus. of Art, Foundation Krcss. - Pol. Alinari Nr. 18.533 
(: Ausführung). 
4A. Schönbnger, Igaaz Günther. a. a. 0.. s. 32 mit 
Abb. 11. - Die Fasung der Alläxe cxfolgtc durch dm 
Murnauer Meister Johann 'bmcr. - Vgl. K. Minden. 
Kloster Benedikttxurtn, München 1951, S. 30. 
5 Karl und Fibel München - Aukl. 97H. Teil v. 1B. und 
I9. 1D. 1965, Kam-Nr. 421 und Abb. S. 98 (irrtümlich 
m; 1.]. (zmsum). 
 
Jahren bekanntgewordener Modelletto, den 
wir abbilden, ist im Besitz der Residenz- 
galerie in Salzburg 3. Zur engeren Datierung 
der Münchner Gruppe bietet sich ein mit 
ihr in der Qualität wetteifernder motivisch 
erstaunlich ähnlicher, sitzender Engel mit 
Spruchband an (Abb. 4). Er befindet sich 
als Bekrönung am südlichen Seitenaltar in 
der SL-Anastasia-Kapelle in Benediktbeu- 
ren. Wie aus einem vom 12. 5. 1759 datierten 
Brief Ignaz Günthers hervorgeht, den er 
an den Hofmaler Wunderer in Freising 
richtete, wurde der Engel zusammen mit 
den beiden Seitenaltären im Mai 1759 nach 
Benediktbeuren geliefert 4. Diese Jahreszahl 
ist wichtig als Anhaltspunkt für die Datie- 
rung der stilistisch mit ihm eng verwandten 
Gruppe. lhrem Stil nach sind sie beide charak- 
teristische Werke aus der Frühzeit Günthers. 
Zu dem überraschendsten Fund auf dem 
Gebiet der Günther-Zeichnungen gehört 
ein erst in jüngster Zeit zum Vorschein 
gekommenes Blatt (Abb. 5) von außer- 
ordentlicher Qualität. Es befand sich viele 
Jahrzehnte in der schon im 19. Jahrhundert 
entstandenen bekannten Sammlung I. O. 
Wessner, St. Galleni. Seit kurzem ist es in 
Wiener Privatberilg. Als Werkzeichnung 
stellt es einen Entwurf für ein in Edelmetall 
auszuführendes Sebartianrreliquiar dar (33X 
21 cm). Das Blatt ist mit Feder über 
Bleivorzeichnung ausgeführt und dazu 
gelblich und bräunlich laviert, was in 
dieser kalte und warme Töne berücksich- 
tigenden Farbabstufung bereits auf die in 
der Ausführung vorgesehene, alternierende 
Farbwirkung des Silbers und der Feuer- 
vergoldung hinweist. Die vergleichsweise 
altertümlich erscheinenden, zwiebelförrni- 
gen Füße, die für das Postament des 
Reliquiars vorgesehen waren, lassen ebenso 
wie das Rankenornarnent stilistisch darauf 
schließen, daß dieser Entwurf als eine von 
Günther vorzunehmende Überarbeitung 
eines älteren Stückes zu interpretieren ist. 
Wo sich dieses einst befand und 0b die 
Ausführung, die man sich als Treibarbeit 
vorzustellen hat, so erfolgte, wie es diese 
Werkzeichnung versah, ist unbekannt. Eine 
unverkennbar von der Hand Ignaz Gün- 
thers mit Tinte geschriebene Inschrift in 
der auf der Vorderseite des Sockels ange- 
brachten, querovalen Kartusche erläutert 
die Bedeutung des für den kirchlichen 
Gebrauch bestimmten Stückes. Sie lautet: 
„Reliquia Authentica S: Sebastiani Mar- 
tyris". Unter der noch nicht einmal 100 Blatt 
umfassenden Hinterlassenschaft an erhal- 
tenen Handzeichnungen Günthers gehört 
der lavierte Entwurf für das Sebastians- 
reliquiar, der alle Vorzüge seines Zeichen- 
stiles aufweist und zugleich Zeugnis seines 
differenzierten Farbdenkens ist, zu den 
rangmäßig bedeutendsten und schönsten 
Blättern. Sie sind von größter Bedeutung 
für die Beurteilung seines plastischen Werks 
wie für seine stilistische Entwicklung, sie 
sind stellvertretend für die Vorstellung 
nicht ausgeführter oder nicht erhaltener 
Werke. Sie legen zugleich ein beredtes 
Zeugnis ab dafür, daß Günther wie L. Ber- 
nini, P. Egell oder  A. Feuchtmayer eine 
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