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Volltext: Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 86)

eorg F. Schwurzbauer 
llL FRENKEN - 
IOTIZEN ZU SEINEN HOLZ- 
CHNITFREIHEN 
Als Wil Franken den Niederrhein 1959 verließ, 
konnte man kaum ahnen, daß diese als Studien- 
reise geplante Ortsverönderung ein dauernder 
Wechsel seines Wohnsitzes werden sollte. Frenken 
fuhr nach Wien. wollte die Stadt und ihre Kunst 
kennenlernen und hat dieses Wien doch nur als 
ein Prälude aufgefaßt. Schon ein Jahr später 
finden wir den heute 31iührigen Maler. Holze 
schneider und Bildhauer im Burgenland. Ange- 
zogen von der sanften. manchmal etwas schwer- 
mütigen Melancholie einer Landschaft, die ihn an 
seine frühere Heimat erinnert haben mag. läßt 
sich Frenken in St. Margarethen nieder. Eben dieser 
Entschluß scheint für den Künstler von wichtiger, 
für seine Entwicklung bedeutender Tragweite ge- 
wesen zu sein. Frenken fand im Burgenland zu 
sich selbst. Er entwickelte einen höchst eigen- 
Sie führen von den freien, großzügig, aber 
Teil etwas unkontrolliert, zu sehr dem jeweil 
Impuls nachgebenden .,l(refelder Arbeiten" zu 
sehr strengen, bewußt gestalteten Holzschni" 
In ihnen und durch ihre Struktur vollzieht sich 
Stilwandel. Angeregt von jenem Kunslkreis. 
die sehr gerichteten Ausstellungen des Ka 
Wilhelm-Museums in Krefeld dem damals r 
suchenden Künstler vermittelt haben, dürfen 
auf ein Abwenden vom freien Zufall hinwei 
Mag auch manches in diesen Handzeichnur 
noch an den Automatismus erinnern, wird in ih 
Duktus die Empfindsamkeit Lucio Fontanas s 
bar. greifen darüber hinaus auch die Entscheii 
gen des beginnenden "Neuen Realismus" ein 
Richtung konzentrierte sich in jenen Jahren ha 
sächlich auf Yves Klein und seinen engeren l 
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Wil Franken. Holzdruckreihe E II (S V1). 1961, 
B Bla". Blnmormul 35 x SO cm. Ofßelkarlon. schwarz 
gedruckt Zuslünde 1. 3. 6, 8 
willigen Stil. ortete seine anfangs recht disparaten 
Gedankengänge und vermochte durch Konzen- 
tration seiner Aussage nicht unwesentliche Mo- 
mente hinzuzufügen. Eine ganz spezielle Thematik. 
die Franken im Burgenland erarbeitet hat. ist der 
Holzschnitt. der in diesem Beitrag behandelt wer- 
den soll. 
Die Holzschnitte Frenkens, oder, besser gesagt, die 
Hßilddruckreihen", wie sie der Künstler selbst 
nennt. gehen von ganz neuen Voraussetzungen 
aus. Zum einen gelang die Befreiung von den 
konservativen Vorstellungen. welchen diese Kunst- 
gattung bis weit lft die erste Hälfte des Jahrhunderts 
hinein noch unterworfen war. Der lange nach- 
klingende Gegenstand (dem die lebenden großen 
Halzschneider heute noch nachhängen) wurde aus 
dem Bildraum verbannt. Zum anderen versuchte 
Frenken aber auch die Verdeutlichung des sich 
verändernden Bildgegenstandes. Er reiht die ein- 
zelnen Abläufe aneinander, verdeutlicht dem Be- 
trachter das Sich-Verwandeln seiner Gedanken 
und macht auf diese Weise auf die Kontinuität des 
Schöpfungsgeddnkens aufmerksam. 
Bei einem solchen Tun wirkt sich. obwohl mit den 
vor 1959 entstandenen Arbeiten kaum Zusammen- 
hänge gesehen werden dürfen. das vom Nieder- 
rhein mitgebrachte künstlerische Erbe aus. Als 
Wil Frenken seine ersten. in feinen Linien ge- 
arbeiteten Holzschnitte gestaltete. die den Betrach- 
ter an ein äußerst sensibles Lineament in sich ver- 
schrünkter Rhythmen erinnern. wird etwas van 
jenen tachistischen Eindrücken deutlich. die er in 
seiner Heimat sammeln konnte. Allerdings ist es 
ein sehr weit zu deutendes Nachklingen eben dieser 
Fleckenmalerei. Man wird den unmittelbaren Im- 
puls eher in den zuvor entstandenen Bleistift- 
zeichnungen sehen dürfen. Diese Folgen rasch 
heruntergeschriebener Eindrücke (Frenken war 
beinahe zwei Jahre ausschließlich mit der Bleistift- 
zeichnung beschäftigt. ehe er sich dem Holzschnitt 
zuwandte), die durch die neuen Impressionen der 
Landschaft des Burgenlandes ihre Ausprägung er- 
fahren haben. bedeuten ein wichtiges Bindeglied. 
kreis). so wird gleichzeitig der Gedanke überle 
Kompositionselemente deutlich. Geordnete. aut 
Fläche bezogene Strichrhythmen treten in 
Vordergrund. 
Ein solches Umstrukturieren darf zum Teil auf 
Einflüsse der Kunstlandschaft zurückgeführt v 
den. Das Burgenland vermittelte nicht nur extri 
Situationen einer aufgeschlossenen. dem Moder 
offen gegenüberstehenden Gesellschaft, sonc 
auch unmittelbare Impulse. die man in der E 
flndungssphöre seiner Bewohner zu suchen 
Etwas überspitzt formuliert könnte von e 
Urlandschaft gesprochen werden. in der die 
wichtigen primären Werte noch unverändert 
gespürt werden können. Indirekt führte der Mel 
und seine enge Bindung an das Ursprüngl 
Frenken auf den festen Weg einer zielentschlc 
nen Untersuchung. Mit den ersten Holzschni 
geht die Zeit der unruhigen Wanderiahre 
Ende. 
Der unmittelbare Anlaß zu den Holzschnitten l 
in dem Wunsch gesehen werden. das durch 
Zeichnung Erreichte vervielfältigt umzusetzen. 
gekommen, bei einem Eindruck des eigenem 
gesetztseins. den Kräften der Natur gegenü 
erwacht im Künstler der Wunsch, diese l 
teilungen eines Emptinclungszustandes einem b 
teren Kreis zugänglich zu machen. Daneben s; 
auch der Widerstand des selbstgewählten Mat 
ales eine wichtige Rolle. Der Prozeß des Niei 
schreibens verlangsamt sich. Dies zwingt zur K 
zentrotion. Was soeben noch den flüchtigen 
pulsen verpflichtet war, sich aus dem rasc 
Hinschreiben entwickelte, wandelt sich zur ül 
legten Konzeption. Zwei formale Probleme tri 
von allem Anfang an deutlich hervor: die stre 
Form des fast zum Quadrat hinneigenden Re 
eckes, es wird in wohlüberlegten Praportio 
gewählt und sollte erst in den späteren Jahren 4 
radikale Formveränderung erfahren, und 
Kreis, die Scheibe. Van beiden Gestallungsp 
zipien ausgehend -sie bedürfen, auch wenn r 
sie unter verschiedener Sicht untersucht. einer
	        

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