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Volltext: Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 86)

zu Wiener Neustadt von ikonographischer 
Bedeutung. 
Die Scheibe zeigt Ernst mit seinen Söhnen 
im Gebet kniend (Abb. 3). Während 
dieses Stifterbild erhalten blieb, ging ein 
korrespondierendes zweites mit den beiden 
Gemahlinnen Ernsts, Margaretha und Zim- 
burgis, und seiner Tochter Anna verloren. 
Das Wissen um jene zweite Darstellung 
gibt Anhaltspunkte für eine Datierung: 
Die Glasmalereien müssen nach dem Tode 
der ersten Gemahlin Ernsts, Margaretha 
von Schwaben, entstanden sein und nach 
dem Tode dreier Söhne aus zweiter Ehe, 
zu der Zeit also, da. nur mehr seine drei 
anderen Söhne, Ernst, Friedrich und 
Albrecht am Leben waren". Da schulter- 
langes Haar, hochgeschwungene Brauen- 
bogen über halbgeöEneten Augen und eine 
lange, in der Mitte etwas gebuckelte Nase 
die wesentlichsten physiognomischen Merk- 
male Friedrichs sind, dürfte er mit jenem 
der drei Knaben, der in einer Linie mit 
Ernst hinter seinen beiden Brüdern kniet, 
identifiziert werden können. 
Die Statue Friedrichs an der Wappen- 
wand (Abb. 4), dem Stil der langen Linie 
verpflichtet, geschmeidig fließend, mit 
betont graphischer Strukturierung, ist 
ein Werk der Zeit um 1450. Zuschrei- 
bungen an Peter Pusica, Jakob Kaschauer 
oder Niclas Gerhaert scheinen nicht halt- 
barll. Im schmalen Antlitz des Standbildes 
sind Friedrichs Züge idealisiert, aber 
dennoch kenntlich wiedergegeben. Nase und 
Kinnpartie wurden wohl gemildert, um 
den harmonischen Gesamteindruck der 
edlen Erscheinung nicht zu stören. 
Ganz anders als im Norden, wo Porträt- 
und Medailleurkunst im eigentlichen Sinne 
erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts 
einsetzen, liegen die Verhältnisse in Italien. 
Friedrich weilte anläßlich seines ersten 
Romzuges relativ kurze Zeit im Süden, 
und doch gibt eine größere Anzahl bild- 
licher Darstellungen von den Ereignissen 
dieses einen Jahres Bericht als von manchen 
Jahrzehnten seiner Regierung daheim. Es 
handelt sich dabei mit Ausnahme der 
Miniatur in den Ufl-izien zu Florenz nicht 
um reine Porträts, sondern vor allem, 
wie es auch dem Anlaß der Reise 
entspricht, um eine Reihe von historischen 
Szenen, zu deren bedeutendsten sicher- 
lich die monumentalen, rund fünfzig 
Jahre nach Friedrichs Aufenthalt in Italien 
gemalten repräsentativen Fresken Pin- 
turicchios in der Dombibliothek zu Siena 
zählen. Dort ist auch jenes bedeutende 
Ereignis festgehalten, da Friedrich an der 
Porta Camollia vor der Stadt der Picco- 
lomini seiner Braut Eleonore, der damals 
sechzehnjährigen Jungfrau, zum ersten 
Male begegnete (Abb. 5). Pinturicchio 
hielt sich in seiner Darstellung im wesent- 
lichen an die Beschreibung des Vorganges 
durch Enea, rückte aber die feierliche 
Vereinigung des Paares in eine märchen- 
hafte Sphäre. Vor einer Vedute von Siena 
und der berühmten Denksäule, die später 
am Platze der ersten Zusammenkunft 
Friedrichs und Eleonores errichtet wurde, 
ANMERKUNGEN 6 - 12 
6 Der Briefwechsel des Enea Silvio Piccolomini. hxsg. von 
Rudolf Wolkan; IT. rer. Austr. 11., Bd. 61, Wien 1909, 
an Pxokop von Rnhenstein. 26. 6. 1444, S. 349, sowie 
Brief an Kaspar Schlick. 28. I2. 1443, ebenda, S. 255. 
1 Millard Muss, Cnnlrlbllliolli to rwo Elusive Masters. 
'sI'he7 Bälingmn Magazine, Vol. cm, mmmu 1961, 
. 5 i . 
3 Ein intrcsanter Briefwechsel bezüglich dieses Problemes 
zwischen Millard Mciss und Stell: Mary Pearce wurde 
im Burliugton Magazine. Vnl. Clll, London 1961. S. 189, 
verößcnzlicht. Pearce vcnrin die Ansicht. es wäre undenk- 
bar, dzß Friedrich noch nach der Kaiserkrönung den 
Herzoghut lrllg, während Maß nach der Inschrift auf 
dem Camllino datiert, dessen letzte Zeile „tuiz noch 
zum tcitschen kaiscr" für cim: Enlslehung nach 1452 
s richt. 
v olfgzng Paukerllimst Kris. D" österreichische Erz- 
hexmgßhul im sum- Kloslcrucuburg. Jb. d. m1. s.. NF 
Bd. VII, Wien 1933, S. 242. - Dieser Hut scheint nach 
dem Vnrbildcjeues von Rudolf IV. gcarheitcl zu sein und 
könnte nach der am Dreikönigstage 145a xicuerlich ge- 
gcbenen ausdrücklichen Erklärung Friedrichs, da!) die 
Mitglieder der "srcirischcn" Linie Exzherzogc sein sollten. 
hcrgßtell! worden rein. 
w Hanna Egcr, lkdndgrrpiiie Kaiser Friedrichs 111., Phil. 
Dissr, Wien 1965. 
H Zur Frage der Dzticrung vg Franz Kicslingex. COIiSChC 
Glasmalerei in Österreich bis 145D. Zürich-LeipZig-Wicn. 
o. J. (19:11), s. 39. sowie dzm. Glasmalerei in Österreich. 
Wien 1947, S. 28. 
11 Peter Pusica leitete seit 1439 den Umbau dcr Burg und 
schuf an der Außenseite der Gcorgskapcllc die H53 
datierte bcrühmlc Wapptnwand. an der die Chronik dvr 
95 Herrschaften drs Leopold Slainreulzr ihren künstle- 
risrhen Niederschlag fand. Das Standbild ist ihm, dtx 
rimär Architekt wir. cbcnsowtnig zuzumuten wie 
fakob Kaschaucr. Niclas Gerhzen fulgi: crsr 1467 der 
Bcnlfung Friedrichs nach Wiäntr Ncustadt; (in: Zeit, 
in die sich das Standbild stilistisch nkht m:hx cinordncn 
läßt. 
5
	        

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