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Volltext: Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 87)

Franz Anton Maulbcnsch. Szenen aus dem Dccken- 
fresko im Lehensanl der Rcsidcnz in Krcmsicr; links: 
Kaiser Ferdinand n. empfängt die Prälaten; rechts: 
Bischof Bruno vor König Picmysl Omkax 
Franz Anton Maulbensch, Anschnitt aus dem Decken- 
frcsko im Lehtnssaal der Residenz in Krenxsier. Allegorie 
auf den Aufkmggcber, Bischof Leopold Graf von Egkh 
des Olmützer Bistums, vor Pfemysl Ora- 
kar II., und Kaiser Ferdinand II. empfängt 
die Olmützer Kirchenfürsten. 
In verschwenderischer Fülle zeigt Maul- 
bertsch seine erregende Farbenphantasie, die 
hier, wie überhaupt im gesamten Frühwerk 
des Malers, von ausgesprochen expressivem 
Charakter ist. Die Farbenexpression geht 
freilich mit der Formexpression Hand in 
Hand, weshalb treffend gesagt werden 
konnte, daß in diesem Gemälde alles wie 
von einem komplizierten System gekrümm- 
ter Spiegel verzerrt istl. Hohe, schlanke 
Gestalten sind zumeist verschiedentlich 
gedreht und verschraubt, die Umrisse der 
auffällig zusammengedrängten Figuren sind 
gebogen und unregelmäßig, ihre unruhigen 
Bewegungen lassen an einen brennenden 
Holzstoß mit springenden Flammen denken. 
Besonders die Hände mit den langen 
nervigen Fingern steigern den Eindruck 
eines unruhigen Flatterns. Manche Physio- 
gnomien weisen ausgesprochen bizarre 
Züge auf; die nördliche Vorliebe für das 
Charakteristische reicht hier bis an die 
Grenze der Karikatur. 
Das violette Dunkel des Zeltes umhüllt 
in der Piemysl-Szene einige Figuren, die 
in gebrochenem Kolorit ausgeführt sind. 
Zwischen ihnen erscheint die halbbeleuch- 
tete Gestalt des Bischofs Bruno. Von dem 
Dunkel des Zeltes hebt sich die mächtige 
Gestalt des Königs Premysl im golden 
glänzenden Harnisch wirkungsvoll ab. In 
unmittelbarer Nähe seines prächtigen Man- 
tels mit orangefarbenem Saum liegt eine 
leuchtende Farbinsel, die aus der rosig- 
grüngelben Gruppe eines Pagen, eines alten 
Höflings und einer Flagge besteht. 
Diese Gruppe ist ein auffallend rafiniertes 
Gebilde. Schon ihre Zusammenstellung hat 
etwas gesucht Doppeldeutiges: der Kopf 
des Greises scheint mit dem massig sich 
bauschenden Mantel des Pagen ein or- 
ganisches Ganzes zu bilden. Das bestim- 
mende Motiv der Gruppierung sind die 
ausdruckmäßig bedingte Überspitzung und 
der Kontrast: das beweist schon das 
Nebeneinander der hellen, fast immat 
len, zyklamenfarbencn Gestalt des F 
und des schweren Mantels von ai 
ordentlich intensiver grasgrüner Farbe 
sich in übermäßig großen, steifen 
wuchtigen Falten bricht. Es entstehen 
eigentlich drei Kontrastpaare: der Gc 
satz des Unkörperlichen und des b! 
Körperlichen, der gedämpften und 
intensiven Farbigkeit und darüber hi 
der Gegensatz von zwei Kompleme 
farben, Rosa und Grün. Der man 
durchgezeichnete Kopf des Greiscs 
trastiert mit dem weichen Hut und 
der Fahne, die trotz ihrer verhältnisxr 
klaren Kontur einen atmosphärisch leit 
Charakter zeigt. Auch der Gegensatz 
schcn dem jugendlichen, zart ros 
Antlitz des Pagen und dem durchfurc 
rötlichen Gesicht des Greises gehör 
diesen Bereich der überspitzten und 
mehrten Kontraste. Die ganze Gruppt 
eine vertikal gedehnte, mäßig gebo; 
im Umriß stark gegliederte Form, s
	        

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