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Volltext: Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 87)

GALERIE DES KUNST- 
HISTORISCHEN MUSEUMS 
n. Kaiscr RuL 
Die künstlerischen Bestrebungen Rudolfs 11., 
einmalige Leistungen auf dem Gebiete des 
Sammelns und Auftraggebens, verhalfen 
36 Jahre nach dem Tod des Kaisers der 
Königin Christina von Schweden zu ebenso 
zweifelhafter wie dauernder Berühmtheit. 
Die Plünderung der Kunstkammer auf dem 
Hradschin durch die schwedischen Truppen 
unter Königsmark, kurz vor Beendigung 
des Dreißigjährigen Krieges und knapp vor 
Friedensschluß, war eine Katastrophe, der 
nur noch die Auflösung der mantuanischen 
Sammlungen im Jahre 1630 gleichkam. 
Als Hans von Aachen, der Kammermaler 
Rudolfs 11., den Kaiser malte (Abb. l), war 
dieser 42 Jahre alt und mitten in der 
regsten Sammeltätigkeit begriffen: Er besaß 
z. B. schon Dürers „Allerhciligenbild" und 
bemühte sich u. a. eben um die vier be- 
rühmten Correggios, von denen zwei, 
nämlich „J0" und „Ganyrned", zur Zeit 
der schwedischen Plünderung glücklicher- 
weise in Wien waren, ebenso wie das 
Allerheiligenbild und die anderen Tafeln 
Dürers. Die anderen beiden Bilder von 
Correggio aber, die „l.eda" und die 
„Danae" (jetzt in Berlin und Rom), fielen 
den schwedischen Truppen in die Hände 
und wurden wie die übrige Prager Kunst- 
kammer bald in alle Vlinde zerstreut. Denn 
die Königin hatte sich nach ihrer 1654 
erfolgten Abdankung im Jahr 1666 für 
dauernd in Rom niedergelassen und den 
ihr verbliebenen Teil der Prager Samm- 
lungen-ein anderer war an Königsmarck 
und seine Offiziere gegangen A dorthin 
mitgenommen. Nach ihrem Tod (1689) 
kamen die Bilder über verschiedene rö- 
mische Besitzer 1722 schließlich an den 
Herzog Ludwig von Orleans nach Paris, 
wo sie aber auch nicht verblieben, sondern 
an die verschiedensten Erwerber weiter 
verkauft wurden. 
Im Besitze der Herzäge von Orleans waren 
zusammen mit der Masse der übrigen 
Prager Bilder auch vier große allegorische 
bzw. mythologische Darstellungen von 
Paolo Veronese. Die allegorischen (beide 
New York, Sammlung Frick) befassen sich 
mit der Gestalt des großen Tugendhelden 
Herkules. Die eine zeigt Herkules am 
Scheidewege zwischen Tugend und Laster, 
sich für die Tugend entscheidend. Eine 
Inschrift besagt: „Honos et Virtus Horent 
post rnortem." Dieser „Titel" des Bildes 
sowie der Umstand, daß l-[crkules nicht 
nackt wie üblich, sondern reich gekleidet 
mit porrräthaften Zügen erscheint, hat 
oEenbar die Meinung entstehen lassen, daß 
sich der Maler selbst dargestellt hat 7 
„in braccio dell'onore" -, zumindest steht 
es so im Inventar, das anläßlich des Ver- 
kaufes der Sammlung an den Herzog von 
Orleans verfaßt worden war (Abb. 2). 
Die zweite Allegorie zeigt Herkules auf 
die Keule gestützt - in der Haltung des 
Herkules Farnese w und neben ihm eine
	        

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