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Volltext: Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 88)

Vor hundert Jahren. bald nach 1860. begannen 
die Maler. nach neuen Wirklichkeitserfahrungen 
zu suchen. Sie. die zumeist der Außenwelt fern 
und ihrer Betriebsamkeit fremd gegenüber- 
standen. waren überzeugt. daß der Ursprung 
ihrer Bildvorslellungen nicht mehr in den Ober- 
flöchenerscheinungen stecke. sondern in deren 
Tiefe. In diesen Tiefen einer neuen Wirklichkeit, 
die "voll von Größe" war. machten sie neue Ding- 
und Seinserfahrungen. Seit Cezanne ist der 
"Heroismus des Wirklichen" ein künstlerisches 
Zentralthema und alles Schaffen, insbesondere 
aber das Malen, nicht mehr ein Abbilden der 
oberflächlichen Wirklichkeitsaspekte, sondern ein 
gleichnishaftes Schaffen parallel zur Natur. 
Diesem ersten Schritt zu einer neuen Wirklich- 
keitserfahrung folgten weitere. die von den auf- 
einanderfolgenden Strömungen und Richtungen 
getan wurden und diejeweils den einen oder den 
anderen Aspekt der Wirklichkeit in unverstellter 
Weise sichtbar zu machen versuchten. Dies ge- 
schuh fast immer im Gegensatz zum herrschenden 
Zeitgeist und unter dem Einsatz der ganzen künst- 
lerischen Existenz. Die Radikalität und existen- 
tielle Entschlossenheit ist daher ein Grundzug 
vieler schöpferischer Maler in unserer Epoche 
und das Streben nach Unabhängigkeit von den 
allzu rasch vorbeiziehenden Modeerscheinungen 
sowie von dem, was den Augenblick bestimmt. eine 
der wesentlichsten Triebkräfte ihres künstlerischen 
Gestaltens. Im Vordergrund steht allein die sach- 
liche Hingabe. die in erster Linie eine geistige ist, 
an die gestellte Lebensaufgabe. die nur durch 
eine solche entschiedene, das ist sachliche Kone 
frontation des Künstlers mit der vollen Wirkliche 
keit auch zu einer Leistung im Dienste der Men- 
schen zu werden vermag. 
Wer unter solchen Voraussetzungen schafft und 
die Wirklichkeit in allen Dimensionen ernst 
nimmt, macht es sich und seinen Zeitgenossen 
nicht leicht. Als ein Feind aller Bequemlichkeiten 
legt er auch keinen Wert auf schnelle Augenblicks- 
erfolge und überfordert weder sich noch das 
Publikum durch eine sensationelle Publicity. Die 
sachliche Hingabe als menschliche Haltung und 
Arbeitsmethade befähigen ihn, die ganze Wirklich- 
keit zu erfassen. ihre reale und ihre "irreale", 
geistige Seite, und sie objektiviert in seinen Ar- 
beiten zu realisieren, ohne hierbei „sachlich" im 
Trivialsinn, das heißt unpersönlich zu werden. 
Der 1921 in Glojach. Steiermark. geborene 
Stark nimmt für sich das Recht in Anspruch. 
der charakterisierten Haltung und Arbeitsmet 
zu schaffen. Er gehört zu jenen Künstlern, di 
das Ganze gerichtet sind und sich um die Wirl 
keitserfahrung des Malers mühen: um die F 
und deren "Taten und Leiden", welche jc 
malerische Wahrheit ausmachen. 
Als einem Künstler, der sich Cezanne verpfl 
fühlt, erschienen ihm zunächst die konstruk 
Kräfte, die den farbigen Aufbau seiner E 
architektonisch bestimmten. die Träger der X 
lichkeit zu sein. Dieser Aspekt einer "man: 
organisierenden" Wirklichkeitserfahrung 
-gestaltung herrscht in vielen seiner Ölbilde 
und ist wesentlich vom Material her inspi 
Stark betrachtet den farbigen und umgre 
Fleck als eine Art Baustein im Bildganzen. 
Anders verhält es sich aber mit den in den I: 
Jahren entstandenen Blättern in Mischtechnik 
Bildganze dieser Gouachen verrät weniger t 
..münnlich-dynamischen" Organisatianswille 
vielmehr die polare Entsprechung eines ,.ma 
chalischen Urgrundes". eines wehenden. 
menden. sensiblen Farbchaos. das alle Gestalt 
möglichkeiten prüüguriert in sich trügt.
	        

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