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Volltext: Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 88)

 
a Mauer 
ER BILDHAUER 
WIN REITER 
Wer sich mit Erwin Reiters Plastiken und Zeich- 
nungen konfrontiert (und Reiter ist Bildhauer 
und Zeichner in gleicher Weise), begegnet einer 
archaischen Welt. Der Mensch entreißt sich den 
Elementen, der Natur, taucht immer neu aus 
dem Chaos auf, übersteigt aber auch das Organi- 
sierte, Belebte, das um ihn wimmelt. gewinnt 
seine ihm eigene Gestalt, hebt das Haupt. während 
sein Antlitz noch im Unklaren, Ungewissen bleibt. 
Reiter trachtet nicht nach abstrakten Formen. 
begnügt sich nicht mit Aliiterationen an sein 
Thema Mensch; er fühlt sich als Interpret und 
Hermeneut dieses unausschöpflichen Gegenstandes, 
der immer neue Generationen fasziniert; Reiter 
liegt nichts an naturalistischer Wiedergabe, deren 
Akribie und Perfektion: er überläßt solche zweck- 
lose Bemühungen den gutbezahlten Portrütisten 
der Natur, die das Publikum frequentiert, die 
nicht aussterben: sein deutender Zugriff verwan- 
delt die Figur des Menschen mit drastischen 
Akzenten; Deformation ist ihm selbstverständliches 
Requisit; Reiter ist Gotiker: er fragt nicht nach 
aem Phänomen. der Haut der Erscheinungen: 
er sucht den Drehpunkt, die Angel, das Element, 
er sucht den seelischen Kern, den inneren Aus- 
gangspunkt aller Triebe. Antriebe und aller 
E R WI N RE I TE R 
Geboren 1933 in julbath. ttlülillltertel, Oberösterreich. 
willentlichen Akte. Von diesem Zentrum aus 
beginnen sich seine Figuren zu winden, zu drehen. 
zu bewegen. Es ist etwas Zentrales, das sich äußert. 
das gestikuliert, das in Aktion tritt, das nach 
Ausdruck ringt. Das Barocke an Reiters Figuren 
ist gotischen Ursprungs, hebt sich unbezweifelbar 
von allen Klassizismen ab; ihm liegt nichts an der 
unverönderiichen „ewigen" Form, die in sich 
ruht, sich genügt, sich als Endgültiges darbietet. 
Reiters Plastik hat die Vollkommenheit des Vor- 
läutigen; man erwartet beim Anblick dieser 
Figuren immer Neues, Überraschendes: man 
hofft auf Variationen, man ahnt die Breite des 
Themas, die Fülle noch ausgenützter Möglich- 
keiten; man verlangt nach Metamorphosen und 
wird der Abwandlungen nicht müde. Für Reiter 
ist der Mensch jenes sich selbst bestimmende Wesen. 
das, nach kurzem Atemholen, jeweils seine Grenzen 
sprengt und dessen empirische Breite und Tiefe 
nicht aprioristisch angeengt werden darf, ienes 
Sein, das sich ständig überholt, und werdend 
dieses Werden mitbestimmt, Reiters Figuren sind 
dynamisch, dramatisch; sie agieren auf dem 
Theater der Geschichte; sie transzendieren die 
Evolution der Natur durch das Progressive des 
Geistes, realisierter Geist im Leib, geistig geprägtes 
Leben, formierte Materialitüt. 
Studium bei Prufzxwr Wormbt: in Wien vun 1953A1959, 1959-1960 Sludiznatafzntlmll in Paris. 1960 Beginn der Bamijigiaren. 
Ausslzllungen 
1959 Gcsanuaiurlellung in der Calzrlejung: Geilemliolt, Wien 
1960 San Salvador: 
1961 Galerie du Stadt Linz 
1961 Galerie Wdvthlt, Wien 
1964 „Geiß und Farm". Wien. Eizendtarfnsriqße 
1964 "Kunst und cmtmsittat", cm.- 
1964 iVeihnochrmlixslellung 0mm närhxt st. Stephan, Wien 
was lnlmmiiunnle Alu-Stellung. Eumpnhnux uns" 
was "Raknusli Sochvri", Kntxgnletie Liberer, CSSR 
1965 „Plastiken und Zelchnungm", Gnlzvie nächsl st. Sltphnrl
	        

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