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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 54 und 55)

 
Wappen weder vorfand noch Reste desselben zustande bringen konnte. liisler 
glaubt jedoch, daß der Annahme eines görzischen Wappens am Cassone „eine 
auch von Herrn von Siegenfcld selbst nicht ausgeschlossene Gedäehtnistäuschung 
infolge nachträglich angestellter Überlegungen über die Persönlichkeit der Eigen- 
tümer zugrunde liegtmß). Die Möglichkeit, daß auch die andere Seitenwand der 
Millstiitter Truhe das Wappen der Gonzaga aufwies, ist demnach nicht ausge- 
schlossen. Somit muß aber das Cassonipaar nicht zwingend als für die Vermählung 
Paolas hergestellt betrachtet werden, es könnte vielmehr dem unglücklichen 
Mädchen mit Absicht aus dem alten, wegen der daran beteiligten Meister hoch- 
geschätzten Hausrat mitgegeben worden sein. Diese Deutung läßt auch llislcr 
durchaus offen: „Da die Schreine kein Alliance-, sondern nur das (lnnzagasche 
Hauswappen tragen, ist man nicht unbedingt zu der Annahme genötigt, daß sie 
eigens fiir die Aussteuer Madonna Paolas angefertigt wurden, und so muß immer- 
hin .. . die Möglichkeit berücksichtigt werden, daß sie bereits seit Jahren im 
markgräflichen Hause in Verwendung standen"l7). 
S0 untermauert, darf nun vielleicht für die ausführende Meisterhand der Cassoni 
die Möglichkeit einer neuen Zuweisung vorgebracht werden. Gibt doch ein uns 
erhaltener Brief des Malers Marco Zoppo an die Markgrälin Barbara Gunzaga, 
die Mutter Paolas, Aufschluß über einen Auftrag der Marchesa an den bologne- 
sisehen Meister, zwei Cassonipaare herzustellen! Bevor wir jednch auf die Wahr- 
scheinlichkeit näher eingehen, daß Zoppo tatsächlich die Arbeit an diesen Truhen 
ausgeführt haben könnte, ist es erforderlich, den Text des Briefes selbst vorzulegen. 
Das Schreiben wurde erstmals 1878 publiziert, jedoch in einem Büchlein, dem 
wohl so geringe Verbreitung beschieden war, daß zwanzig Jahre später Conte 
Luigi Aldovrantli glauben konnte, sich einer Entdeckung freuen zu können. 
Da beide Textverölientlichungen sich durch Lesarten nicht unwesentlich unter- 
scheiden, geben wir beide Varianten synnptisch wieder. Das Original konnte 
leider nicht eingesehen werden. Die eine Fassung ist dem von Canonicus Vfillelmn 
Braghirolli veröffentlichten Buch „Lettere inedite di artisti del sccolo XV.Cavate 
daJYArchivio Gonzaga" entnommen (B), die andere Fassung basiert auf dem 
von Conte Aldovrandi in der Zeitung „ll Resto del Carlino" 1898 (N0. 299) 
publizierten Text, den die Zeitschrift lfArte nochmals abgedruckt hat (A)1h'). 
A „Magnilice ac potens domine mce singularissime ltost debita 
B „Äiagnilicc ac pntens D.na mea singularissima post debita 
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V„ che m0 quesm zorm 
1 per avixare 
x per avvixare 
: rezcudo una vostm 
y rczeudo una vostra 
au, U1} w} 
„litera chon una de m. zoane deluchn cquelo intexo a bastanza 
„lettera chon um de iNLro Zovane de Lucha, e qualc intexo abastanzn 
„vero quanto In signoria vostra seria desidcroxa ch,i0 venisse 
„vezu quanto 1a S. V. seria desiderosa chc venisse 
„a falri dui pnra de chofani in avixo ala signqria vostm che 
„a farli dui para de chofani. I0 avixo a In S. V. che
	        

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