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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 54 und 55)

A „setcmbrio 1462 per lo vostro servidore Marcho Zoppu da bologna 
B „settembrio 1462. Per il vostro servitorc Marco Zoppo da Bologna 
A 
A 
„dipintote in bnlogna. AlPillustra et excclsa madonna madonna 
„dipintore in Bologna. A 1a Il1.e et excelsa Madonna Madonna 
„barbara de (iunzaga madonna min singularissinaa. hiantue" 
„Barbara da (ionzagzl Madonna mia singulnrissima. Mantovn" 
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Dieser Brief lautet in (freier) Übersetzung: 
„Meiner glorreichen, mächtigen und einzigartigen Herrin die gebührende Emp- 
fehlung usw. Anlaß dieses Briefes ist allein, Euer Gnaden zu verständigen, daß 
ich heutigen Tages einen Brief von Euer Gnaden mit einem des Messer Giovanni 
da Lucca erhalten habe und daß ich ihn soweit verstehe, daß Euer Gnaden den 
Wunsch hätten, daß ich zu ihr käme, zwei Paar Truhen anzufertigen. Ich melde 
Euer Gnaden, daß ich sehr gerne käme, aber, wie der Überbringer mir sagte, 
wünschen Euer Gnaden, daß die genannten Truhen zu Weihnachten fertig 
seien. Das wäre aber nicht möglich, denn, wenn ich sie gut machen soll, werden 
sie nicht vergoldet sein, da wir jetzt auf den Winter zugehen. Auch möchte ich 
in einer solchen Arbeit Ehre einlegen, denn ich käme nur, um zu zeigen, daß ich 
etwas herzustellen verstünde; nicht so sehr wegen des Verdienstes als wegen der 
Ehre und der Liebe zum Meister von Euer Gnaden. Es würde mir das Bewußtsein 
genügen, Dinge zu machen, die neben den seinen stünden, und die er nicht ver- 
achtete. Aber in so kurzer Zeit kann ich es nicht schaffen, denn noch ist ein Paar 
für eine unserer Mitbürgerinnen herzustellen, das sehr prächtig wird und nach 
Lieferung 200 Dukaten kosten wird. Die beiden sind jetzt vergoldet, es fehlt nur 
mehr die Bemalung, so daß, wenn Euer Gnaden warten kann, bis sie geliefert 
sind, ich Sie mit größtem Vergnügen bedienen werde und auch zu Euer Gnaden 
kommen werde, um den Kontrakt abzuschließen, wenn es Euer Gnaden gut scheint. 
Um schnell zu arbeiten, will ich alles tun, was einem italienischen Ehrenmann 
möglich ist, der nichts anderes will, als sich Euer Gnaden zu empfehlen. Gott 
schütze Sie und Mantegna. In bester Gesundheit verfaßt am 16. September 1462 
von Ihrem ergebenen Diener hlarco Zoppo aus Bologna, Maler in Bologna. 7 
An die berühmte und hervorragende Frau, Frau Barbara von Gonzaga, meine 
einzigartige Herrin. Mantua"19). 
Wenn wir in eine knappe Kommentierung des Textes eintreten wollen, ist zu- 
vörderst die Tatsache von Zoppos Einladung nach Mantua zwecks Herstellung 
von zwei Cassonipaaren auffallend. Unklar, und wohl kaum befriedigend zu 
deuten, ist der ursprünglich gewünschte Fertigstellungstermin für Weihnachten 
1462. Dennoch will Zoppo die Arbeit übernehmen und zwar „wegen der Liebe 
zum Meister", worunter nur Mantegna verstanden werden kann, und bei jeder 
Ganz- oder Teilverölfentlichung des Textes auch verstanden wurde. Die noch- 
malige Einschließung von Mantegnas Namen in die Grußformel ist besonders auf- 
fallend. Leider hat Zoppo, wie er andeutet, vom Überbringer des Schreibens der 
Barbara Gonzaga noch mündliche Mitteilungen bezüglich seiner Einladung 
erhalten: vielleicht nicht bloß die Angabe des Termins, sondern auch die Andeu- 
tung, daß Nlantegna auf seine Arbeit Wert legen würde, ja vielleicht, daß Mantegna 
die Vorlagen für die praktische Durchführung entworfen habe. Zoppo war um 
diese Zeit überhaupt reichlich im Möbelfach tätig: am 22. jänner und 17. Februar 
des gleichen Jahres erhielt er von der Fabbrica di S. Petronio Zahlungen für die 
Bemalung von Bänken dieser Kirche mit dem Bild des Titelheiligen und dem 
Legatenwappen. Zoppo war Mantegna kein Unbekannter. Um zwei Jahre jünger 
als Mantegna, waren beide wohl gemeinsam in der Werkstatt des Francesco 
Squarcione zu Padua tätig, jenes Squarcione, der Zoppo am 24. Mai 1455 adop- 
tiert hatte, später aber diesem und Mantegna Anlaß zu verdrießlichen Streitigkeiten 
gab, die nur gerichtlich geschlichtet werden konnten. In Squarciones Betrieb hat 
Zoppo wohl auch das Hantieren mit plastischen WerkstnHen, Gips, Reliefs und 
dergleichen gelernt. Vasari spricht von einer dauernden Zuneigung, die Mantegna 
für Zoppo empfand 20). Es scheint daher durchaus im Bereich der hlöglichkeit, 
daß Mantegna selbst die Markgräfin auf die wertvollen Kenntnisse seines Freundes 
hingewiesen haben könnte! 
Wie durch ein Verhängnis sollte bisher den Kennern der Klagenfurter Cassoni 
der Brief Zoppzus unbekannt bleiben und jenen Gelehrten, die vom Inhalt dieses 
Briefes wußten, die Existenz der Cassoni verborgen sein. Kristeller, der die Klagen- 
furter Reliefs noch nicht kennen konnte, bringt als erster den Brief mit Mantegna 
zusammen, allerdings nur in den „Dokumenten"; sein regestenartiger Auszug 
(nach Braghirolli zitiert) enthält gerade eine Stelle, die nicht von den Cassoni 
sprichtzl). Von Kristeller übernahm Eisler seine Erwähnung des Zoppoaßriefes 
und zitiert einen Auszug aus dessen Regesten Z2). Der einzige, der den Schlüssel 
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