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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 54 und 55)

erhauses spiegelt natürlich die nach Gegenreforma- 
on und Türkensiegen gefestigte Machtposition der 
absburger wieder. Dafür spricht auch die Tatsache. 
aß der Reichsaspekt in den Kaisersälen - zumindest 
I den östlichen Ländern des Habsburgerreiches - 
Jnehmend von einer Darstellung der Triumphe über 
eh türkischen Erzfeind verdrängt wurdef" 
ntgegen der Meinung von Herbst sind in diesem 
usammenhang m. E. daher auch jene Räume zu 
erücksichtigen, die keinen oder zumindest keinen fix 
istalliertenm Kaiserzyklus aufweisen, aber diese pro- 
rammatische Funktion mit anderen ikonographischen 
litteln oder durch die Verherrlichung eines einzelnen 
errschers erfüllen. 
rotz manchmal identischer Ikonographie sind von den 
ynastischen Zyklen in den Familiensitzen funktionell 
ene Herrscherzyklen zu unterscheiden, welche von 
löstern und bürgerlichen Gemeinwesen in ihren Fest- 
wdAmtssälen errichtetwurden, umdamitseinebeson- 
ere Beziehung zum Reich. zum Land und ihren Herr- 
zherfamilien zum Ausdruck zu bringenßs Diese pro- 
ammatische Huldigung mittels eines Fürstensaales 
iden wir aber nicht nur bei den Reichsstiften und 
tädten in Süddeutschland, sondern auch in Landhau- 
zrn, Ianctesfürstlichen Ptarrhöfen und Rathäusern 
wwie in den Schlössern von Adeligen, die den Habsbur- 
ern besonders verbunden waren. 
den meisten Fällen bildet die imperiale lkonographie 
irden Hauptaspektdes Programmes, das auch lokale 
azüge aufweist und - in den Klöstern - einer kirch- 
zhen gegenübergestellt oder auf die Funktion als 
efektorium abgestimmt wird. 
'ährend im Rathaus von Lüneburg durch 150 Medail- 
nbildnisse römischer Kaiservon Caesar bis Rudolf ll. 
JS dem Jahre 1607 vdie Landesherrschatt in Nieder- 
ichsen spürbar der Autorität der alten römischen 
onarchie untergeordnetrr wurde", kam es einige 
ihre später im Goldenen Saal des reichsstädtischen 
athauses zu Augsburg zu einer Konfrontation von 
zidnischen und christlichen Kaisern und damit - ana- 
g zum zeitgleichen Programm in Aschaffenburg - zu 
ner Verherrlichung des christlichen Reiches." 
'st 1726 entstand der Kaisersaal des reichsstädti- 
zhen Rathauses in Esslingen mit seiner vVerherr- 
zhung des Stadtstaates und der seiner Selbständig- 
eit garantierenden Kaiserideeu durch allegorische 
eckengemälde und Porträts der habsburgischen 
aiserfw 
e gleichzeitige Ausstattung des Saales der Wiener 
aichskanzlei hatte das iiinnerliche systema des heili- 
H1 reichs mit scharlsinniger ancleutung der älter und 
ngern reichshistoritr zum Thema, wobei jedoch alle 
nweise auf das antike, das oströmische und das lom- 
irdische Reich allein auf die Person Karls Vl. bezogen 
JrdenÄ" 
ie bei den Heichsstädfen dienten auch in den Reichs- 
ästern die Kaisersäle der Demonstration ihrer beson- 
zren rechtlichen Stellung. Daß dabei nicht nur die 
wabhängigkeit von anderen Landesherren betont 
JFCIE, sondern durch Hinweise auf die päpstliche 
Macht und die frühmittelalterlichen Wurzeln der Klöster 
auch die Emanzipation vom Kaiser, erscheint beson- 
ders bemerkenswert, Sowerden inSalem(ab1708)den 
Statuen der 14 Kaiseraus dem Haus Habsburg zwei von 
hochmittelalterlichen Herrschern und 16 Papstbüsten 
zur Seite gestelltm, und im schon einmal genannten 
ReichsstiftOttobeurenlt 723125), dessen Äbte seit 1 71 2 
den Titel eines wirklichen kaiserlichen Rates und Erb- 
kaplans führten, wird u. a. durch das Deckenbild mit der 
Krönung Karl des Großen durch den Benediktinerpapst 
Leolll. überden tövergoldeten Habsburgerstatuen auf 
die zwei Gewalten hingewiesen." Im Kaisersaal der 
gefürsteten Reichsabtei Corvey (1712139) findet sich 
überhaupt nur Rudolf I. als einziger Habsburger unter 
den deutschen Kaisern, während in FuIda(1722l40) die 
Folge von Rudolf I. bis Karl Vl. den Saal wieder zu einer 
wEhrenhalle des österreichischen Herrscherhausesrt 
machtÄ" Ähnliches gilt auch für St. Blasien, das den 
Vorsitz im vorderösterreichischen Prälatenstand inne- 
hatte, einen itHabsburgersaalrr aber anscheinend erst 
anläßlich der Erhebung in den Reichsfürstenstand 1746 
erhielt. 
Ähnliche Motive wie in den reichsunmittelbaren Territo- 
rien - nämlich die Demonstration der rechtlichen Son- 
derstellung - führten wohl auch zur Einrichtung von 
Kaiserzimmern in den landesfürstlichen Pfalren und 
Bürgerscnalten Niederösterreichs. So verfügte bereits 
im frühen 17. Jh. der schloßartige Pfarrhof von Eggen- 
burg über einen Kaisersaalm, und um 1700 ließ der 
Dechant von Altpölla sein Repräsentationszimmer mit 
einem Doppeladler samt Bindenschild schmückenfü 
Das gleiche Motiv ziert auch den Ratssaal des landes- 
fürstlichen Marktes Perchtoldsdorf aus dem Jahre 
1699m, während 1722 im Rathaus von St. Pölten die 
Decke mit Bildnisbüsten von 12 Habsburgern samt 
Devisen stuckiert wurde. Der Rathaussaal in Breslau 
erhielt 1715 ein Deckenbild mit vhistorischerti Thema- 
tik: vLeopold I. segnet, mit dem Einverständnis und der 
Zustimmung seinerhabsburgischenVorfahren, dieAuf- 
teilung des Habsburger Imperiums zwischen seine 
Söhne Joseph und Karlrrf" 
In diesem Zusammenhang ist schließlich noch auf die 
Säle der Landhäuser in Brünn, Klagenfurt" und 
lnnsbruckw hinzuweisen. die alle in den dreißiger Jah- 
ren des 18. Jh.s mit mehroderweniger umfangreichen 
Zyklen von Landesfürsten ausgestattet wurden. 
Die größte Kontinuität besitzen Kaisersäle und -zimmer 
jedoch in den Stiften der habsburgischen Erblande, was 
wohl durch die eingangs erwähnten historischen Wur- 
zeln und die seit der Gegenreformation engen Bezie- 
hungen zwischen Landesfürst und Prälatenstandq" 
erklärt werden kann. Die Programmatik dient einer all- 
gemeinen und nur manchmal durch die Person des 
Abtes bedingten Huldigung der Habsburger ohne eine 
besondere Hervorhebung der rechtlichen Stellung, wie 
sie für die Reichsstifte charakteristisch ist. Der kirchli- 
che Aspekt dieser Ausstattungen weist daher nicht so 
sehr auf das Papsttum, sondern auf die Rolle des eige- 
nen Ordens bzw. Stiftes hin, oder bringt überhaupt nur 
konventionelle Refektoriumsthemen. 
Den Auftakt bilden wieder die steirischen t 
Seckau und St. Lambrecht, deren Kaisersäle 
1640er Jahren entstandenf" Im Stift Zwettl 
1676 die Tafelstube der Prälatur durch 13 DbTUSt! 
von khaysem allermaszen die khupfferstich solct 
mehrern ausweisen (I) . . . obenherain jedem sei 
bulum, undthenher aber aines ieden namben 
einem Kaisersaal umgestaltet, und die dreiJahre 
ausgemalte 51 Meter lange Galerie im Westtra 
band Porträtbüsten vderbedeutendsten Herrscht 
Völker,von den ältesten Zeiten bis auf Kaiser Leoj 
samt Emblemen und Devisen mitSzenen aus den 
Testament sowie salomonischen Sinnsprüt 
(Abb.7,8). Inden neunzigerJahrenwurdedieGalr 
benachbarten Altenburg mit einem rein politische 
gramm freskiert, das aber bereits die Kaiserrei 
gunsten des Türkentriumphes reduziertem. 
Um 1690 entstand auch die Dekoration im Kaisers 
Heiligenkreuz, während die Ausstattung der urr 
quellenmäßig belegten Kaisersäle in Melk und K 
neuburg weder erhalten noch bekannt ist. Im s 
17. Jh. wurde der Festsaal im Kaisertrakt von lt 
bach mit dem Triumph eines lmperators (Josej 
sowie Szenen aus dem Leben des Stifters bema 
es entstanden die 20 römisch-deutschen Kaisi 
nisse im Bernardisaal von Schlierbachm sow 
sechs Porträts von Habsburgern fürden Audienz: 
St. Florianf" Das Deckenfresko im Kaisersaal z 
sten ist übermalt, nahm aberwohi auf die Türkenl 
bezug, da schon im Stiegenhaus Merkur den Tr 
Karls Vl. verkündetm 
Der Festsaal in Kremsmünster erhielt 1721 
Habsburgerbildnissewa, während die Kaiser im 
felder Saal nur durch Embleme (Abb. 6) ver 
sindÄag Die neuen Kaiserzimmer von Melk verl 
damals nicht nur über einen großen, sondern aucI 
einen kleinen Kaisersaal. In den dreißigerJahrent 
der Fürstensaal im Zisterzienserkloster Lt 
(Lubiaz), der in einem der reichsten Programme cli 
ritizierung der Herrscherdynastie mit jener des k: 
schert Glaubens verbindetw, der vmonarchische 
pelrr (Reinle) von St. Florianm, der Landesfürsten: 
Ossiachw und der unvollendete Kaisersaal in KI 
neuburg, dessen Kuppelfresko erst 1749 von [ 
Gran geschaffen wurde. 
Deutlicher als bei den Klöstern zeigt sich der Zi 
menhang zwischen den Kaisersälen und der A 
dung des habsburgischen Absolutismus im Zug 
Gegenreformation bei den Festsalen mit imperialt 
nographle in den Schlössern desAdels, die sich b 
kenswerterweisebisautwenigeAusnahmen alle: 
"halb der österreichischen Erblande befindenf" 
Während der Kaisersaal in Aschaffenburg aus de 
hen17.Jh.,derdie Kontinuität des Römischen Fie 
von Caesar bis Matthias vorführt"', seine Entste 
der Funktion des Bauherrn als Kurfürst verdankt 
alle späteren Beispiele als direkte Huldigungen 2 
Habsburger konzipiert. 
Um die Mitte des Jahrhunderts ließ der in kaiserli 
Dienst vom Beamten zum gefürchteten Gegenrefr 
f. - 1114501111 
1 ßgmi lüpzii: 

	        
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