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Metadaten: Alte und Moderne Kunst XV (1970 / Heft 112)

Geschichte weiterspinnen. Die kleinen, mario- 
nettenhaften Figuren agieren in einer flachen 
Bildbühne und verleiten so zu einer Guck- 
kastenbetrachtung. Diese für Gütersloh charak- 
teristische Darstellungsweise findet sich deut- 
lich bei der ersten der Illustrationen „Me- 
phisto und Faust" (Abb. l). 
In der Weiteren Folge jedoch steigert sich der 
proportionale Figurenmaßstab in einer bei 
Gütersloh nicht gewohnten Weise zu Pseudo- 
monumentalität. So etwa in der „Begegnung 
mit dem Pudel" oder dem „Erwachen des 
verjüngten Faust" (Abb. 2, 4). Verstärkt wird 
dieser über Erzählniveau gehobene Anspruch 
durch eine strenge Frontalität, einen vor- 
wiegend symmetrischen Kompositionsaufbau, 
der Nebenhguren auch tatsächlich zu unter- 
geordneten, rahmenden Requisiten werden 
läßt, und vor allem durch eine für Gütersloh 
neue Farbigkeit. 
Anstelle der kleinteilig und buntfarbig auf- 
gebauten „Bildteppiche" tritt, ebenfalls deut- 
licher werdend mit dem Fortschreiten der 
Reihe 7 die nicht in der Chronologie der 
Erzählung entstanden ist f ein gedämpfter, 
breit und weich modellierender Farbauftrag, 
der als wesentlichste Aufgabe Stimmungs- 
träger ist. Der unheimliche und hintergründige 
Charakter der „Fabel von der Freundschaft" 
findet so ein nichtliterarisches Äquivalent. Im 
Grunde genommen handelt es sich hier eben- 
falls um ein „Anschaulichmachen des für ge- 
wöhnlich Unanschaulichen". 
S0 ist im malerischen Spätwerk Güterslohs 
noch eine neue Nuance aufgetreten, die zum 
erstenmal so deutlich unmittelbar mit seinem 
schriftstellerischen Schaffen korrespondiert. 
30 
s Alben Paris Gütcrsloh, „Mcphhlo Vcflllißl im Spiegelbild", 
196a. Gouzchc, 150 x108 mm. ciipliiscli: Sammlung 
Albtrtini, Wien 
6 Alben Paris Güttrsloh, „P3115! VOn seiner angeblichen Mutter 
eiilriiliil ZU! Halle", 196a. GOUHChC, 144x115 mm. Graphi- 
schc Sammlung Albcrtina, Wien
	        

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