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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 54 und 55)

EIN BEITRAG 
ZUR ENTSTAATLICHUNG 
DES GEISTIGEN LEBENS 
Dr. Bruno Binder-Krieglstein. Direktor 
der Steiermörkischen Landesbibliothek 
und Sekretär des Kuratoriums des 
Joanneums, Graz. hielt am 26, Sep- 
tember 1961 einen Vortrag unter dem 
Titel ..Kultur in der Gegenwart i Das 
Joanneum im Jahre 1961". dem wir 
folgenden. eine wichtige und wesent- 
liche Anregung enthaltenden Passus 
entnehmen: 
..Wenn man der Realität des Jahres 1961 
gerecht werden will. müßte man die 
Dezentralisierung und Entslaotlichung 
der kulturhistorischen Dokumentation 
fordern. das heißt konkret gesprochen: 
es wäre die Aufgabe der einschlägigen 
Gewerbezweige und Industrien sowie 
ihrer sehr kapitalkrüftigen horizontalen 
Verbände. jeweils ihreeigene historische 
Entwicklung in Fachrnuseen darzustellen 
und festzuhalten. wie dies z. B. die 
Österreichische Alpine-Montan-Gesell- 
schaft in ihrem Bergbaumuseum in 
Eisenerz getan hat und tut. Dasselbe 
hätte die Papierindustrie. die kerami- 
sche Industrie, die Textil- und Beklei- 
dungsindustrie. die Maschinenindustrie. 
die Brauindustrie. die Mühlenindustrie. 
aber auch die Landwirtschaft über die 
Landwirtschaftskammer zu tun und so 
weiterundso fortDamit wäre gleichzei- 
tig dem Prinzip der Subsidiarität Rech- 
nung getragen. und die Museen der 
öffentlichen Hand wären frei für die 
Konzentration auf einige wenige große 
Aufgaben, die sorgfältig ausgewählt 
und auf die Eigenart der jeweiligen 
Landschaft abgestellt werden müßten." 
Diesen Ausführungen ist nur hinzuzu- 
fügen, daß in Österreich gerade in 
Betrieben von höherem Alter oder in 
größeren. alteingesessenen Familien- 
betrieben Sammlungen bestehen. die 
sich auf die Geschichte und die Ent- 
wicklung des eigenen Hauses. auf die 
Produktionsmethoden von einstmals und 
ähnliches beziehen. die vor allem aber 
bemüht sind. Muster- und Spitzenbei- 
spiele der eigenen Produktion mit 
Stolz und Liebe zu sammeln. 
Ein sehr wesentliches Problem wird 
durch die Frage aufgeworfen. wie 
solche Betriebs- und Familiensammlun- 
gen einer breiteren Öffentlichkeit zu- 
gänglich gemacht. wissenschaftlich be- 
treut und entsprechend publiziert wer- 
den können. Wäre es auch nicht hier 
notwendig, eine Art Dachorganisation 
der Privatmuseen zu schaffen. ergäbe 
sich auch nicht hier die Gefahr einer 
gewissen Verbürokratisierung? 
Eine weitere Möglichkeit. die vorwie- 
gend von der Schwerindustrie realisiert 
werden könnte. wäre die Erstellung van 
"Schaubetrieben". in denen nach Pro- 
duktionsmethoden vergangener Jahr- 
hunderte gearbeitet wird. Der Ver- 
fasser dieser Zeilen weiß von einem in 
der Auvergne bei Ambert gelegenen 
Musterbetrieb alter Papierherstellung. 
dem ..Moulin Richard-de-Bas". der von 
der "Associalion de la Feuille Blonche". 
einer Organisation von Liebhabern 
alter Bücher. mit größtem wirtschaft- 
lichem Erfolg in einem alten, nie außer 
Beniitzung gekommenen Gebäude mit 
den originalen Pressen und Maschinen 
betrieben wird. Ohne Zweifel wird es 
möglich sein. auch in Österreich eine 
alte Hammermühle in der "Eisen- 
wurzen" in Betrieb zu nehmen. Was 
die musealen Möglichkeiten der Land- 
wirtschaft anbelangt. sei auf das be- 
rühmte Freilichtmuseum Skansen bei 
Stockholm verwiesen. dessen alte Bauten 
bewohnt und dessen Ländereien nach 
alter Art von Menschen bewirtschaftet 
werden. die die Arbeitskleidung ver- 
gangener Tage tragen. Auch dieses 
"lebendige Museum" ist finanziell aktiv 
und beweist, daß kluge didaktische 
Experimente ganz konkrete Früchte 
tragen. 
DIE GRlECHENBElSL-SAGA 
TAPFERE KLEINE GALERIE 
Am S. Dezember 1'961 UberremhVe 
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