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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 54 und 55)

"BEAUTY" AUS ClNClNNATl 
Der Landkarte entnehmen wir, daß 
Cincinnati in Ohio und - für ameri- 
kanische Verhältnisse - gar nicht so 
weit von Chikago und Detroit entfernt 
liegt, also irgendwo am Übergang 
zwischen East Coast und Nliddle West. 
Die Bürger dieser Stadt dürften somit 
vollauf dem amerikanischen Standard 
von puritanisch-redlicher Betriebsam- 
keit und Tüchtigkeit entsprechen. 
Einem Katalog, „Cincinnati collects", 
entnehmen wir, daß man in die- 
ser Stadt wie anderswo auch mit 
großem Eifer daran ist. Schütze der 
zeitgenössischen Kunst zusammenzu- 
tragen; die emsigen Sammler von 
Cincinnati sind in einem .,Contemporary 
Arts Center" vorbildlich organisiert, 
wissen genau. was sie wollen und wie- 
viel ein Objekt kosten darf, und vor 
allem sind sie überzeugt. daß es unrecht 
ist, sein Licht unter den Scheffel zu 
stellen: sozusagen in freudigem Stolz 
zeigten sie in einer Ausstellung bei 
Knoedler in New York (November 
1961). was sie zusammentrugen: die 
Palette reicht alphabetisch von Afro und 
Arp über Üdll, Klee, Leger. Marmi, 
Matisse, Mirö. Mandrian. Moore, Pi- 
casso, Rouault und Schmidt-Rottluff bis 
Villon und Zorach. Kurz und gut e man 
besitzt in Cincinnati genau das, was 
man auch anderswo und überall zu 
besitzen pflegt -- und das ist heutzutage 
schließlich auch der tiefere Sinn des 
Sammelns (nicht nur in Cincinnati)! 
Aber halt etwas besitzt die rührige 
Stadt aus dem Vorfeld von Chikago. 
was wenigstens vorläufig nirgendwo 
anders zu finden ist, nämlich eine ma- 
lende dreijährige Schimpansin namens 
Beauty („Schönheit"), die im Zoo von 
Cincinnati ein eigenes Atelier zur Ver- 
fügung hat, nach Angaben des Chefs 
dieses Tiergartens auf dem geistigen 
Niveau eines immerhin siebenjährigen 
Kindes steht und (laut "Süddeutsche 
Zeitung") .,frei von lnhibitionen, naiv 
und natürlich  die Aufgabe bewöl- 
tigt  eine unmittelbar-persönliche 
Leistung zu vollbringen". Dabei korn- 
men nach einer Frühperiode mit ..wild- 
abstrakten Ausbrüchen" „kalli- 
graphische Muster und abstrakte Kreis- 
formen, die sich ständig wiederholen", 
zur Niederschrift. ln New York wurden 
bereits achtzig Werke von ..Beauty" 
zu Preisen zwischen 25 und 95 Dollar 
verkauft, der Zoo von Cincinnati ver- 
diente an dem künstlerischen Tier seine 
runden 5000.- Dollar. 
Winckelmann hat einmal gesagt, Rem- 
brandt sei ein „Affe der Natur". Wie 
hätte er sich zu „Beauty" geäußert? 
Hütte er das begabte Tier vielleicht 
einen „Menschen der Kunst" genannt 7 
in nicht unlogischer Vertauschung der 
Pole? Und gibt es nicht unter uns ziem- 
lich viele derartige ,.Menschen der 
Kunst", denen man es ohne weiteres 
zutrauen könnte, bei Affen in die Lehre 
gegangen zu sein? Apropos: die „ln- 
formellen" New Yorks sollen die 
"Beautf-Ausstellung geschnitten haben. 
Eine andere Chance als die einer 
bloßen Ausstellung ergibt sich für 
"Beauty" und ihresgleichen: Wie würe 
es mit der regelmäßigen Abhaltung von 
Biennalen malender Affen? Und in 
welcher Weise würden sich die Mani- 
festationen dieser vierhündigen Künstler 
von denen ihrer zweihündigen Biennale- 
Kollegen rein vom Optischen her unter- 
scheiden? Wer die Biennalen in Venedig 
mit dem Übermaß ihrer Nach-Äffereien 
gesehen hat. wird zugeben müssen, dall 
die Beantwortung dieser Frage nicht 
allzu leicht sein dürfte, 
Dr. Ernst Köller 
"BEAUTY" AUS CINCINNATI 
Floremina Pakosäc. 
Sludienporlräl, Frau 5.. 1958 
Kap! mi! Medaillen. 1961, 
Pranger von Sv. Margurelher" 
 
AUSSTELLUNG 
FLORENTINA PAKOSTA 
IN DER GALERIE FUCHS 
PUT die Zeii vom} luiiner D15 2'! Jan? 
ner 1967 zeigie die Gaicric Furhs die 
Arbciien fioreiiiiiia Pakosins, einer 
Schwerin Dobrowskys und Gunsarns an 
der Wiener Akademie Finen Teil ihrer 
Aiiebildungszcii ubsolxicrie sie in Prag 
ihre fruhen Arbeiien aus den Jahren 
1956 58, Graphiken in brauner BiEYEFV 
(arbe, zeigen sie als ein dyHUmiKhCS 
ienipcramciii, das in der realistischen 
Grundhaltung harorkcn Meistern ver- 
waiidmi.Eincaeiieiwciecrinisrhc Reife be- 
fähigt sie, im HHCVVSWCÜ Ziipurken den 
Moiiieni IH gesiriiien, der die siarkslc 
Fxnression wiedergibi. "Panik" (1958) 
und ,_Fiuchi" (1959) sind solche Blailer. 
in ihrer Wiener Zeit und unier deiri 
Eirifiuüihres Lehrers Dobrowskywendei 
sie sich mehr der Farbe zu. in diesen 
Biauerri wurideii sich die graphische 
Dynamik zur lriiensiiai durikei-ieuchien. 
der Fcirbkornoosiiionen. Biidrierischc 
Miiiel, Rriyihmik der Flache und Harr 
rnonien der Farben werden einer 
Kiarurig unterzogen, ohne aber etwas 
vom Dersöniicnen EIVISOU und einer 
akfiven Gesiaitungskraft zu veriieren 
Ein aus dem Dunkei leuchtender und 
figurui reduzierier .,Expressianisnius" 
isi die Folge, der zeigi. daß nicr eine 
iunge Kunstierin ihre Meister in einem 
durchaus seibsiüridigen Vertihnlichurigs- 
prozeß zur eigenen, persöniichcn Aus- 
sage vcrwandeii hol. 
Dr. VVIHWEZIYY] Mrazek 
 
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