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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 54 und 55)

 
Aus dem Kunsthandel 
DIE BEWERTUNG 
DEUTSCHER FAYENCEN 
nach den Ergebnissen des Auktions- 
hauses Weinmüller-München im Jahre 
1961 7 Das Kunstauktionshaus Wein- 
müller hat im letzten Jahre unter der 
Leitung RudolfNeumeisters in vielen Ge- 
bieten der Kunst und des Kunstgewerbes 
durch ein reiches Angebot von Objekten 
markante Verkaufsertolge erzielt und 
somit wesentlich zur Kursbildung bei- 
getragen. Mit Staunen konnten wir 
in den letzten zwei Jahren das immer 
mehr steigende Interesse für deutsches 
Silber verfolgen, das heute in vielen 
Füllen die hohen Preise des englischen 
und französischen Silbers erreicht. 
Die vor drei Jahren noch recht wenig 
beachteten strengen Formen der Glö- 
ser aus Murano haben in kurzer Frist, 
begünstigt durch die herrschende mo- 
derne Geschmackslinie höchste Be- 
wertung erreicht. Alle anderen Teil- 
gebiete des alten Kunstgewerbes. die 
bis jetzt von der Hausse nach mehr 
verschont waren. kommen. bedingt 
durch die anhaltende Konjunktur all- 
mühlich in den Sog der Aktualität und 
des Preisanstieges. Immer mehr weitet 
sich der Kreis der Leute. die das erste 
Stadium eines repräsentativen Einrich- 
tens des Hauses hinter sich haben und 
zumspezialisierten Sammlereinesengen 
Fachgebietes werden. 
Deutsche Fayencen hatten schon immer 
einen guten Markt und ein eigenes 
konservatives Sammlerpublikum. Sie 
waren jedoch weit entfernt von echter 
Aktualität und von sensationellen Be- 
wertungen. Dies Iiegt wohl daran, 
daß das Verständnis der Fayence wohl 
das feinste Fingerspitzengefühl und 
die weitesten Kenntnisse unter allen 
Sammelgebieten des Kunstgewerbes er- 
fordert. Die Kenntnis der Marken und 
der Grundformen des Dekors. die auf 
dem Gebiete des Porzellans schon eine 
wesentliche Stütze bilden können. ge- 
nügen hier in keiner Weise. Nur ein 
äußerst ausgeprägter Farbsinn, der 
feinste Nuancen der Glasuren und 
Farbwerte unterscheidet. kann das 
Original von späteren Stücken unter- 
scheiden. Jedes Stück ist in seiner Art 
neu und individuell und die Literatur 
und Forschung über die zahlreichen 
Manufakturen sehr ungenügend. e 
So haben in den letzten Jahren wohl 
die Arbeiten der bekannten Süd- 
deutschen Hausmaler immer wieder 
vierstellige Erlöse gebracht. ein wirk- 
lich breites Sammlerpublikum hat dieses 
schwierige und schöne Gebiet jedoch 
noch nicht finden können. 
Im Jahre 1961 scheint sich nun auch 
hier eine Änderung angebahnt zu 
haben. Greifen wir vergleichsweise aus 
dem Vorjahrsrekord des Hauses Wein- 
müller einige typische Stücke heraus: 
Ein Paar Hanauer Enghalskrüge in 
der bekannten reizvollen Form, Ende 
des 17. Jahrhunderts, mit Chinoiserien 
bzw. mit biblischem Motiv in Blau auf 
hellgrauem Fond erreichten 700.7 
und 800. - DM (Abb. 4). Ein einfacher 
Birnkrug mit Jagdszene in der Art 
Adam Krugs bemalt. Künersberg oder 
Lenzburg, 18. Jhdt. erzielte schon 
1600.- DM (Abb. 2). Bei diesem im 
Verhältnis zu dem relativ bescheidenen 
Objekt hohen Preis wirkte die Publi- 
kation Siegfried Ducrets über Lenz- 
burger Fayencen und über den Maler 
Adam Krug wesentlich preisfördernd 
mit. verständlicher ist schon das hohe 
Ergebnis für einen Durlacher Rechaud 
(Abb. 1). der reizvoll in verschiedenen 
Grüntönen mit Chinaiserien bemalt 
ist: DM 3.600,-. Wie hoch jedoch 
richtige Hausmalerkrüge bewertet 
werden. zeigt uns der zinnmontierte 
Walzenkrug, der die Signatur ,.Greb- 
ner1732" trägt: Er erzielte 6.800. - DM 
(Abb. 3). - Diese wenigen Beispiele 
zeigen uns die deutsche Fayence als 
ein Gebiet. das auch in mittleren 
Qualitütskategorien schon zu den arri- 
vierten Sammelgebieten gezählt werden 
muß. 
Rechaud, Chinotserien in verschieder 
Grüntönen, Durlach. 1760 
Birnkrug mit Jagdszene. Künersberg oc 
Lenzburg, tBJh. 
Walzenkrug. ztnnmanitert. berittene JüQ 
stgn. "Grebner 1737.". Bayreuth 
t-lanouer Enghalskrüge. Chinoiserte bzw, b 
Motiv. blau auf grauem Fond, Ende 17. 
WAS KOSTEN REMBRANDTS 
HEUTE! 
Die Beantwortung dieser Frage erhielt 
durch das Sensatiansergebnis von 
S 60.000.000.?. das am 15. 11. 1961 
auf der Erickson-Auktion bei Parke- 
Bernet für Rembrandts "Aristoteles" 
erzielt wurde, erhöhte Aktualität („Alte 
und moderne Kunst" berichtete in 
Heft 53, p. 32. in einer Glosse über 
diesen Sonderfall). 
Bei der gleichen Auktion waren zwei 
weitere Gemälde von Rembrandt aus- 
geboten: der ..Prinz Heinrich von 
Oranien" erzielte S 18000007. das 
..Bildnis eines alten Mannes" brachte 
S 4.680.000.- ein. Vor kurzer Zeit 
erwarb die National Gallery. London, 
das ..Bildnis eines Reiters" (Bredius 
255), ehemals Besitz Lord Desborough. 
Panshager, für S 11.000.000. . Ein 
amerikanischer Sammler verkaufte 
"ZClChOFtGS im Tempel" (Bredius 542. 
ehemals Georges Lehmann, Paris) 
54 
an einen Amsterdamer Händler um 
S 9,100.000.-. Bei einer Londoner 
Auktion wurde ein schlecht erhaltenes 
Bild. ..Juno". ausgeboten. erzielte aber 
nicht das gesetzte Limit und blieb bei 
S 3.300.000? hängen; sein Besitzer 
hatte sich mehr als das Doppelte dieses 
Betrages erhofft. 
Ungeheure Kurse erzielten Radierun- 
gen: es erklomm ein früher. prächtiger 
Zustand von „Christus wird dem Volke 
vorgezeigt" bei einer Schweizer Auk- 
tion S 7.950.000.-. während das alle- 
gorische Blatt "Phoenix" bei der glei- 
chen Auktion S 430.000.r einbrachte: 
das gleiche Blatt war 1784 für 10 eng- 
lische Schillinge. das sind etwa öS 300.- 
abgegeben worden. 
Im Schatten Rembrandts: Ergebnisse 
der 
ERlCKSON-AUKTION 
PARKE-BERNET 
NEW YORK. 15.11.1961 
Fragonard, La Liseuse 217500004; 
Frans Hals. Nann mit Hering 
3.870.000. f i 
Perugino. St. Augustin 3.450.000"; 
Terborch. 2 Porträts (Aelbert Nilant. 
Johanna Quadacker Bannier) 
1.144.000.-: 
Cranach d. Ä. Sybille von 
Z.730.000.e i 
Raeburn. Quintin McAdam als Knabe 
1,560.000.e: 
Raeburn, Capt. 
188.500.(: 
Gainsborough. Dorothee. Lady Eden 
910.000.-: 
Holbein d. 1.. Sir 
910.000.-: 
Hubert Robert. .,Le Port de Pierre". 
"Au Bois" 780.000.(: 
Nattier. La Marquise de 
6.550.000. e- i 
Romney, Mrs. James Lowther 832.000. e ' 
Romney. The young Squire 645.500. r : 
Mastaert. 2 Bildnisse (Dame und Herr) 
616.000. er : 
Tocque. 
520.000. - . 
Preise in öS, errechnet auf der Basis 
1 US S I 26 öS. 
Cleve 
David Kinloch 
Nevill 
George 
Baglion 
Mlle Suzanne le Mercier 
Zu den Bildern auf Seite S5 
J. c. Flazer, Alexander der Große Im Atel 
des Apellcs. ouxuerer, slqn. J.G.Plax 
Z7.5x37cm 
Friedrich Guuermuhrt. Hlrl mit Herde 
bergigar Landschaft, Ol{Lw.. Slgn. F. Gau 
mann C1816. 72x96 cm 
Oskar Kokoschka. Sitzendes Mädchen, ÖIIL' 
um 1908. 77.5x88 crn
	        

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