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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 54 und 55)

Buchbesprechungen 
Heribert Sturm: Egerer Reliefintar- 
sien. Band 13 der Veröffentlichungen 
des Collegium Carolinurn, 1961 im 
Verlag Robert Lerche, München (vor- 
mals Calvesche Universitätsbuchhand- 
lung Prag), 280 S mit Resümee in 
englisch und französisch. 112 Tafeln 
(5 Farbtafeln). 
In der leichtfertigen Flut der Kunst- 
publikationen werden wissenschaftlich 
fundierte und nach langer Erforschung 
der Archivalien erstellte Handbücher 
immer seltener. - Um so überraschen- 
der ist es nun, wenn aus einem Gebiet, 
das praktisch von jeder Forschungs- 
möglichkeit abgeschlossen ist, ein sorg- 
fältig erarbeitetes und erschöpfendes 
Handbuch über die Meister der Relief- 
intarsia und Kunsttischler aus Eger 
vorgelegt wird. Dem Verfasser, Heri- 
bert Sturm, ehemals Leiter des Egerer 
Stodtorchivs, ist es gelungen, lange 
zurückliegende Forschungsarbeiten zu 
retten, trotz der heutigen politischen 
Schwierigkeiten zu ergänzen und mit 
einem reichhaltigen Katalog aus euro- 
päischen Museen und Privatsammlun- 
gen und einem schönen Abbildungsteil 
zu einem erstaunlich gelungenen Hand- 
buch zu runden. 
Den Zielsetzungen der „Veröffentli- 
chungen des Collegium Carolinum" 
entsprechend wird am Beginn des 
Buches in einer historisch ausgezeich- 
neten Darstellung die staatsrechtliche 
Stellung und Entwicklung Egers bis 
zum Dreißigjährigen Krieg gezeichnet: 
als Teil des Reiches, der an Böhmen 
verpfändet war. Die anschließend aus 
den Archiven erstellte Familien- 
geschichte der Egerer Kunsttischler 
ist ein interessantes Stück Kultur- 
geschichte vor dem düsteren Hinter- 
grund einer Stadt, die in rascher Folge 
bald protestantisch, bald katholisch 
und bald koiserlich, bald schwedisch 
wurde und in deren Mauern sich 
Wallensteins Schicksal vollendete. 
Die 112 teils farbigen Tafeln zeigen eine 
Gattung meisterlichen Kunstgewerbes. 
die Reliefintarsia in farbigen Hölzern 
auf Kabinettschrünken. Kassetten, 
Schachspielen . . .. kleinmeisterliche 
Handwerkskunst, der Kunst des Glos- 
schneiders, des Kupferstechers, des 
Goldschmiedeplastikers verwandt. ln 
reichen Kostümen des Frühbarock 
spiegelt sich das Leben jener Zeit von 
den Freuden der Jagd. des Tanzes 
und der Tafel bis zu den Schrecken 
der Belagerungen und Schlachten in 
diesen liebenswürdigen Werken der 
Kleinkunst. 
Eine Publikation, die somit dem Histo- 
riker und Kunstwissenschaftler ebenso 
wie dem Sammler und dem kunstlie- 
benden Laien wertvoll sein wird! 
Dr. Kurt Rossacher 
Führer durch das Museum der 
Stadt Krems an der Donau von 
Harry Kühnel. Herausgegeben vom 
Kulturamt der Stadt Kräne, 1961. 
56 
Sieben Jahrzehnte lang befindet sich 
das Kremser Stadtmuseum in seinem 
Heim in der profanierten Dominikaner- 
kirche, drei Winter dauerte die Neuord- 
nung 7 und Aufstellung der zur Zeit 
hochbedeutenden Bestände, die mit 
einer völligen Umgruppierung der 
kostbaren Objekte verbunden war und 
- nach den Worten des Bürgermeisters 
Dr. Franz Wilhelm - den Sinn hatte, 
das Institut nicht nur zu einem kulturel- 
len Zentrum der Stadt Krems, sondern 
auch der Wachau und des südlichen 
Waldviertels zu machen. Der vorlie- 
gende Führer ist der vierte seiner Art; 
seine Herausgabe wurde nicht nur 
durch das Jubiläum des Museums. 
sondern vor allem durch das im Zuge 
der großen Gotik-Aussteilung von 1959 
jäh erwachte Interesse der breiten 
Öffentlichkeit für die Werke alter 
Kunst notwendig gemacht. - 
Es kann hier nicht die Stelle sein. die 
Schätze des Museums an sich zu wür- 
digen, wir müssen uns mit der Er- 
wähnung begnügen, daß es solch 
wichtige Werke wie etwa den Altar des 
Wolfgang Lend (um 1520), eine Arbeit 
des Meisters von Mauer bei Melk. 
zahlreiche gotische Statuen, die berühm- 
ten Kappler-Bildnisse sowie wichtige 
Relikte aus der Stadtgeschichte und 
schließlich Werke der Volkskunst in 
großer Zahl und bester Qualität 
besitzt. An dem schmalen, reich illu- 
strierten Heftchen ist vor allem der 
Aufbau des Textes zu loben, der 
zwangsläufig die räumlichen Gege- 
benheiten berücksichtigt. die ihrer- 
seits zur Setzung sachbedingter Zö- 
suren benützt wurden. Diese finden 
im Führer selbst praktischen Nieder- 
schlag durch die Einfügung reich- 
licher Literaturhinweise, die alleine 
schon genügen, das Opusculum von 
den zumeist reichlich summarischen 
Schriften ähnlicher Art abzuheben und 
ihm in gewissem Sinn den Status eines 
Kataloges zu verleihen. 
Dr. Ernst Köller 
Otfried Kastner. Eisenkunst im 
Lande ob der Enns. 2. verbesserte 
Auflage. Linz 1961, Oberösterreichi- 
scher Londesverlag. 
Diese Arbeit beruht auf immenser 
Sach- und Materialkenntnis und ist 
so angelegt, dal] sie gerade für Samm- 
ler, Händler und Experten einen unent- 
behrlichen Behelf für praktische Arbeit 
abgibt. Dies kommt besonders in den 
zusammenfassenden Annexen zum Aus- 
druck: Stilmerkmale der oberöster- 
reichischen Eisenkunst (vertikal nach 
in Gruppen gegliederten Merkmalen. 
horizontal nach Perioden geordnet). 
Erklärung der wichtigsten Fachaus- 
drücke, Die alten Meister (eine Art 
Künstlerlexikon der Eisenverarbei- 
tung). Die Bestände der Eisenkunst in 
Oberösterreich (eine Art von Spezial- 
Dehio). Von hervorragender Qualität 
ist das Abbildungsmaterial, wobei wir 
hier den gezeichneten Textillustrotio- 
nen den Vorrang vor dem Tafelteil 
geben. Die Brauchbarkeit des Illu- 
strationsmaterials wird durch ein Ver- 
zeichnis in zeitliche Reihung erhöht. 
Der eigentliche Text zeigt, daß Kastner 
vor allem bemüht ist, eine echte Kunst- 
geschichte des Eisens zu geben. Das 
erweist sich z. B.. wenn er die inneren 
Gründe darlegt, die die Ramanik 
davon abhielten, Großgitler zu schaf- 
fen, oder wenn er mit Erfolg bemüht 
ist, die Ornamentik der Eisenarbeiten 
aus varzeitlich-magischen Vorstellun- 
gen heraus abzuleiten. Hier will es 
uns erscheinen, als sei Kastner ein 
wenig zu einseitig auf den Norden 
ausgerichtet, indem er alleine die 
nnordische" Form als Bedeutungs- 
träger anerkennt und in der Südform 
im wesentlichen Veräußerlichung und 
Formalismus zu erblicken glaubt (be- 
sonders p. 65ff.). Kastner dürfte viel- 
leicht übersehen haben, dall das 
..Nordische" ein Steckenbleiben, ja 
ein Sichverstricken im Magischen be- 
deutet, während dem Süden, der von 
nicht weniger bedeutungshaften Vor- 
aussetzungen ausgeht, die Gabe der 
Klärung und Überwindung des Vor- 
und Außermenschlichen im Sinne von 
Humanität und Humanismus gegeben 
ist. 
Dr. Ernst Köller 
International Art Sales. Annual 
Review of PaintinglCeramicslFurniturel 
GlasslObjets d'Art. Bd. 1, 1961, hrsg. 
v. George Savage. Studio Books, 
London. 
Dieses Werk, dessen erster Band in 
Österreich Ende November 1961 in 
den Handel kam, stellt sich dem alt- 
eingeführten .,lnternationalen Kunst- 
preisverzeichnis", Kunst und Technik 
Verlag, München, als Experiment an 
die Seite, das versucht, neue Wege 
zu gehen. Zunächst ist die Bericht- 
erstottung auf neun Auktionshäuser 
beschränkt (London: Bonham St Sans. 
Chistie's, Sotheby's, Knight, Frank St 
Rutley, Phillips, San St Neale: Paris: 
Galerie Charpentier, Palais Galliera: 
Wien: Dorotheum; New York: Parke- 
Bernet) und das alleine schon bedeutet 
ein Bekenntnis zur Unvollständigkeit, 
die selbstverständlich auch die Gültig- 
keit der Publikation einschränkt. Es 
ist unbegreiflich, daß die großen Auk- 
tionshäuser Deutschlands (Weinmüller. 
Lempertz, Ketterer, Hauswedell usw.) 
und der Schweiz (Fischer, Stuker) 
nicht aufgenommen wurden, weiß 
doch jedermann, in welch beachtlichem 
Maß der Weltumsatz an Kunstgegen- 
ständen von diesen Ländern bestimmt 
wird. Weiters werden die zeitlichen 
Zäsuren mit Anfang und Ende des 
Kalenderjahres gesetzt: in Wirklichkeit 
ist das Werk (eigentlich in Wider- 
spruch zu seinem Titel) kein Bericht 
über 1961. sondern über 1960. wodurch 
es automatisch vom „Kunstpreisver- 
zeichnis" überholt wird, das seine 
Zäsuren per Jahresmitte setzt. dafür 
aber zumeist schon zu Jahresende 
vorliegt. Die Berichterstattung erfolgt 
in chronologisch-erzählender Form, sie 
wird überhöht durch eine Marktanalyse. 
die die Trends des bearbeiteten Zeit- 
abschnittes unterstreicht, Der Bildteil 
ist von verschweriderischem Reichtum 
und höchster Qualität. Ein nach Sach- 
gruppen gegliedertes Register ermög- 
licht den Gebrauch dieses „Annual" 
als Nachschlagewerk; selbstverständ- 
lich fehlen Kurstabellen nicht. wobei 
von besonderer Wichtigkeit die Volo- 
risierungsskola des Pfund Sterling (vor 
1900. 1900-1914, 1918-1939) mit 
ihrer Abstimmung auf den heutigen 
Kaufwert ist. Allen Einwänden zum 
Trotz ist das Werk dennoch ein brauch- 
bares lnstrument, vor allem für den 
österreichischen Kunsthandel, der durch 
die Einbeziehung des Darotheums eine 
besonders realistische Vergleichsbasis 
zur Verfügung hat. 
Dr. Ernst Käller
	        

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