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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 64 und 65)

Klostersiedlungen umgestaltet, heidnische Mythen 
verwoben sich mit christlichen Legenden. Auch die 
alte Kunst ging nicht verloren. Das Ornamentwerk 
der Kelten, geformt nach strengen Gesetzen, wird 
nun in der christlichen Kunst verwendet, ziert 
liivangelienbücher und Metallarbeiten und formt 
mit seiner Schönheit und Kraft die irischen Kreuze 
des 7. und 8. Jahrhunderts. Diese scheinen linde 
des 7. Jahrhunderts eine immer größer werdende 
Bedeutung gewonnen zu haben. Manchmal um- 
stehen sie die Klostergemeinschaften, als ob sie die 
bösen Mächte aus den vier Richtungen der Welt 
abhalten wollten. So zeigt der Plan des Klosters 
von St. Mullin, der im S. Jahrhundert aufgezeichnet 
wurde, im Norden, Westen und Osten 
Kreuze, die den vier Evangelisten gewidmet sind. 
Auch andere Klostersiedlungen zeigen eine ähnliche 
Anlage. 
Süden, 
Die meisten der noch bestehenden Kreuze sind am 
mittleren Shannonrluß oder in dessen Nähe gelegen. 
Dieses Gebiet zeigte einst friedvnlles und viel- 
faltiges geistiges Leben. Castledermot, Kilkieran, 
Killamery, Clonmacnoise und Lorrha sind einige 
der damals führenden Klöster. Nur mehr Ruinen 
und Kreuze erinnern an jene Zeit. Zwei der schön- 
sten erhaltenen Kreuze stehen auf dem Friedhof zu 
Ahenny. Reich und vielfältig sind sie, voll Schönheit, 
Menschen, ineinander verflochten, Spiralenornae 
mente, Kreuzeszeichen, Verknüpfungen bedecken 
die vier Seiten der Schäfte. 
Viüllig anders geartet ist das Kreuz von Moone 
Abbey, in Kildare. Es steht auf einem ungewöhnlich 
hohen und schmalen Sockel. Gerade dieser ist es, 
der, entgegen den vielen anderen Kreuzen, die 
Hauptdarstellung trägt. Stark stilisiert sind die Fi- 
guren aus dem Granit in Flachrelief hervorgehoben, 
heute von mannigfachen Flechten, die das feuchte 
Klima hervorruft, bedeckt und belebt. 
Gegen Ende des 8. Jahrhunderts beginnen in den 
Annalen Klagen über die Fremden aus dem Norden. 
Bisher in äußerem Frieden lebend, wird lrland nun 
von den Wikingern bedroht. Jahr für Jahr wieder- 
holen sich Überfälle, Klöster werden zerstört, die 
Mönche getötet und die Kunstschätze nach dem 
Norden geführt. 849 kamen zu den nordischen 
Überfällen noch die dänischen hinzu. 
ln dieser Zeit großer Not und Elends wurden un- 
zählige Meisterwerke irischer Kunst zerstört, die 
Handwerkstätten verwüstet und damit gingen viele 
künstlerische Geheimnisse verloren. 
Es scheint, als ob sich in der Zeit der Wirrnis der 
VUikingereinfalle alle Kräfte der irischen Künstler 
auf das Arbeiten in Stein konzentriert hätten. Die 
Hochkreuze mit biblischen Szenen gehen auf jene 
Zeit zurück. Nur ein Kreuz ist zeitlich bestimmt, 
jenes zu Monasterboice. Die Inschrift am Fuße der 
Westseite lautet: „F.in Gebet für Muiredach, der 
dies Kreuz gemacht hat." Muiredach war ein Abt 
von Mnnasterbciice. Er starb 923. 
Mit dem Beginn der Reformbewegung im 12. Jahr- 
hundert wird die irische Kirche durch den Bischof 
von Canterbury der römischen angeglichen. Irland 
hat sein eigenständiges Christentum aufgegeben. Die 
Hochkreuze des 12. Jahrhunderts zeigen noch die 
äußere Form der früheren, haben aber sonst nichts 
mehr mit ihnen gemeinsam. Große Figuren in 
llochrelief, wie sie überall im Mittelalter zu fin- 
den sind, schnuicken die Kreuze. Die bezwingende 
Kraft und Eigentümlicltkeit von früher aber fehlt 
ihnen. 
21 l 
7 Wvxlseite des Nordkreuzes zu (Iastledcnxiol (County Kanal-J. Im Minulfeld: Darstellung der Klctlligtlilg. Nülil- 
arm: 1mm mit llCf Harfe. Sudarm: im Opfer des Isaar. Llhur dem Mmoraa; c 1,; um Emmnus 
a Moone Abbey (Fmlnly Kildarr). (Jranitkreuz. Detail (105 iorkeh an der bndse . Flucht lLlCll Älgylvlfll 
 

	        

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