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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 64 und 65)

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(iesamteifekts die vollkommene Fülle des Gegen- 
ständlichen zu erreichen, das war des öfteren ein 
letztes Ziel des Ehrgeizes großer Maler. Tizian, 
Tintoretto, Rembrandt, Goya sind die in diesem 
Zusammenhang mit Hals mitunter genannten Ana- 
logiefalle. 
Unwichtig erscheinen dem auf das Bildnis konzen- 
trierten Maler auch die Einzelheiten des Raumes e - 
aber auch dies ist nicht allein aus der Gleichgültigkeit 
des Alters gegenüber den Äußerlichkeiten zu er- 
klären, sondern auch hier wirkt der Ehrgeiz des 
„Minimum an Mitteln i Maximum an Wirkung", 
und ferner das Kunstmittel, durch Ungevaißheit ge- 
heimnisvoll zu sein. Übrigens hat dem Maler Hals 
der Umgebungsratim seiner Figuren niemals viel 
bedeutet; es bekommt nur das Unbestimmte der 
Raumandeutung in den letzten Porträts gleichfalls, 
konform mit allem andern, den neuen Wert des 
Tiefgründigen. 
Man könnte sich gleicherweise fragen, ob an der oft 
wild Hatternden Pinselführung in diesen Bildern 
mehr die Absicht einer Darstellung des Gebrech- 
lichen, der Unruhe und bnsicherheit der Figuren, 
in Körper und Seele, den entscheidenden Anteil 
hatte oder mehr die selbständig wirkende, die hin- 
reißende Form, hinreißend für den Maler wie für 
den Beschauer. Die Antwort wäre da die gleiche 
wie bei den bisherigen Fragen, nämlich: wir können 
gar nicht sagen, wo der stärkere Antrieb lag (was 
rend das bei Werken geringeren Ranges zumeist 
gelingt), so völlig gleichwertig sind die Illusion des 
Wirklichen und die vom äußeren Wirklichkeitsbild 
weit entfernte Form, so dicht ist ihre Wechselbee 
ziehung. Damit hängt schließlich auch, als weiterer 
Anlaß zur Bewunderung, zusammen, daß diese der? 
maßen freie Form so gar nicht als Vfillkür, als 
subjektiv wirktl). 
Alles, was wir an diesen spätesten Werken von Hals 
bestaunen, geht uns so nahe, weil es im lnhalt wie 
in der Form den Zielen der Malerei seit dem linde 
des neunzehnten Jahrhunderts so sehr verwandt 
ist-i). 1m inhaltlichen: als Darstellung der nahenden 
Auflösung und des Zerfalls, als letzter Blick vor 
dem Tod und zum Tode hin, als Metaphysik völlig 
abseits von allem Religiösen, also gänzlich innerhalb 
des Profanen der holländischen Wlirklichkeitsma- 
lerei, und von ihr doch wieder so verschieden wie 
die Mystik Rembrandts, weit über Velazquez hinaus 
und lange vor Goya. ln der Form: durch die bis 
zu den äußersten hliäglichkeiten vorstoßcnde Kunst 
der Umsetzung der stoi-Tlichen, plastischen und 
räumlichen Realität in eine malerische Flächenpro- 
iektion. Die Mittel dieser Proiektion, längst mehr 
(ieist als Technik geworden, stehen nun auch im 
Dienst der Wiedergabe innerer Sachverhalte und 
Vorgänge, sie bedeuten einen cxpressionistisch ge- 
wordenen Impressionismus. Daß uns diese Aus- 
druckssprache wegen ihrer „Modernität" so sehr 
berührt, uns, die wir (iorinth und Knkoschka 
kennen, ist nicht weiter verwunderlich, aber wie 
verhält es sich mit den früheren Bildern von Hals, 
mit den großen Gruppenbildnissen vor allem? Ver- 
blassen sie wirklich vnr jenen dunklen Bildern? 
Was an diesen Schützenstücken anders ist als an den 
späten Regentenstücken, ist rasch aufgezählt: die 
denkbar kunstvollste Verschränkung des Figuren- 
cnsembles gegenüber der denkbar einfachsten Ane 
ordnung, der Reduktion auf das schlichteste Neben- 
einander in Raum und Fläche4); üherHießcnde, 
prunkcnde Vielfalt in der Wiedergabe der Materie 
und ihrer Oberiiächenreize statt äußerster Dämpfung
	        

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