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Volltext: Alte und Moderne Kunst VII (1962 / Heft 64 und 65)

Von allen Mitteln, die wir zur Datierung der sasa- 
nidischen Kunst besitzen, stehen die Münzen zwei- 
fellos an erster Stelle. Eine stattliche Reihe von 
29 Großkönigen hat uns in den Münzen ihre Kronen 
bewahrt. Durch die absolut sichere Chronologie und 
durch die auf den Münzen gegebene Verbindung 
des Namens mit dem Bild haben wir einen festen 
Halt in den zahllosen Fragen, die die Kunstdenk- 
mäler des Iran in sasanidischer Zeit aufwerfen. Die 
Werke der Plastik, 'l"oreutik, Malerei und Keramik 
sind fast immer anepigraph, weisen aber oft genug 
Darstellungen von Großkönigen in deren Ornat 
und mit ihren Kronen auf. Dadurch haben wir 
zeitliche Fixpunkte entweder durch direkte Kronen- 
identität oder indem wir an verschiedenen Kom- 
ponenten sehen können, ab wann eine vorkommende 
Kronenform überhaupt erst möglich ist (lerminur 
port quem). 
Die sasanidische Krone ist ein persönliches Requisit 
zur Kennzeichnung der herrscherlichen Einzel- 
person. Jeder König hat seine eigene, speziell für 
ihn komponierte Krone. Nie vorher und nie nachher 
sehen wir ein Kronengesetz so streng angewendet, 
was zusätzlich durch die Beobachtung beleuchtet 
wird, daß wir bei manchen Königen narlninander 
verschiedene Kronen in Gebrauch sehen. Offenbar 
war es so, daß ein König eine neue Krone annehmen 
mußte, wenn seine Herrschaft vorübergehend unter- 
brochen wurde. In einigen Fällen liegen parallele 
literarische Nachrichten vor, die uns diese Unter- 
brechungen bestätigen. Wir sind daher ohne weiteres 
ermächtigt, die Tatsache einer solchen Unterbre- 
chung, durch einen Gegenkönig etwa, dort anzu- 
nehmen, wo uns der literarische Beleg fehlt, wir 
aber das Zeugnis der Münzen haben. Die ldee der 
persönlichen Krone scheint im iranischen Raum 
entstanden zu sein. Wir finden Vorläufer dieses 
Gebrauches bereits in arsakidischer Zeit. Die Strenge 
der Regel erklärt sich wohl zunächst daraus, daß 
die Krone oder zumindest einer ihrer Bestandteile 
Träger des Clmarmzb, des himmlischen Lichtglanzes 
und Symboles der königlichen Macht, ist. Durch 
die Machtergreifung eines Rivalen erlischt das 
Chmrnal), seine VUietiergexvinnung schließt die Wie- 
derannahme der alten Form aus. 
Die Elemente der sasanidischen Krone sind den 
Götterkronen entnommen, und zwar jener Götter, 
denen der Herrscher seine Herrschaft verdankt und 
von denen er sich mit der Herrschaft belehnt fühlt. 
Die Investiturszenen der sasanidischen Fclsreliefs 
geben davon ein anschauliches Bild. Zuzätzlich ist 
es bereits gelungen, auch auf Münzen verkürzte 
Investiturszenen nachzuweisen, die den Befund be- 
stätigen (Abb. 10 i Zamasp, von Ahura Niazdah 
belehnt). 
Die Entwicklung der sasanidischen Krone liegt 
heute mehr oder minder klar vor uns. Wir über- 
blicken den Fortschritt von den einfachen zu den 
am Schluß recht komplizierten Formen und wir 
sehen, wie am Anfang regelrechte Versuche statt- 
finden, eine gültige, allen Erfordernissen entspre- 
chende Form zu finden, und wie die Variations- 
möglichkeiten sich allmählich an den Regierungen 
von über 40 Herrschern erschöpfen. Die Münzen 
und sämtliche nicht kolorierten Objekte des sasa- 
nidischen Kunstschaffens lassen uns denn auch 
gegen den Schluß der Sasanidenzeit öfters im Stich, 
denn als zusätzliches Kriterium wurde, bei sonst 
gleicher Form, die Farbe der Stoffteile der Kronen 
verwendet. Dazu gibt es eine interessante Quelle, 
die im Original allerdings verloren ist, deren Nach- 
richten aber zum Teil in der Brechung arabischer 
und persischer Autoren späterer Zeit, denen sie 
noch vorgelegen haben muß, erhalten ist, das soge- 
nannte „Buch der Kronen" (Tadjnamelz), in dem die 
Farben der Kronen nebst Beschreibungen enthalten 
waren und in das nach dem Tode jedes Königs seine 
Krone eingetragen wurde. 
Im Prinzip besteht die sasanidische Krone aus einem 
Kronreif als Emblemtriiger. Die Embleme: Zinnen, 
Strahlen, Flügel, Monde, sind auf den Reif, der oft 
genug verziert ist (meistens durch Perlensäume),
	        

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