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Volltext: Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 89)

)SIUS auf der Rückseite der Vermählung, 
egor auf der Rückseite des Marientodes, 
letzte Tafel ist rückseits parkettiert, so 
3 der hier einst dargestellte Augustinus 
"loren ist. Die hlaße dcr Bilder sind 
5x50 cm, nur die Vermählung rnißt 
5 X 47 cm. Wie die Bilder, die doch Wohl 
' zwei Flügeln verteilt gewesen sind, 
ließ sich nicht mit 
wißhcit feststellen. Die Außenseiten sind 
gerieben, beim Gregor fehlt fast die 
ize untere Hälfte, die Marienszenen sind 
gegen ausgezeichnet erhalten. Goldgrund 
:l Farben leuchten, nachdem sie ge- 
nigt wortlen sind, fast unberührt; nur 
nirnalc Schäden sind ausgetupft. 
z vier Tafeln galten als steirisch um 
50. Aber weder in der Steiermark noch 
Kärnten kann Vergleichbares aufgezeigt 
rden. Zudem sind sie auf Eichenholz 
nalt. Alpenländische Bilder stehen auf 
zißtanne, seltener Fichte, häufig auf 
belkiefer (Arve). Eichcnholzplatten wei- 
i vielmehr auf Nordwesteuropa. Von 
i deutschen Schulen haben Köln, West- 
:n, Hamburg, Lübeck und das nördliche 
edersachsen liichcnholz für die Mal- 
ctter verwendet, vereinzelt auch hiittel- 
:l Oberrhein, wenn der betreffende Maler 
onrad Witz, Martin Scbongauer) nieder- 
disch geschult wnr. Aber auch da ist 
gends eine Heimat für die Bilder zu 
den; weder in der Nachbarschaft des 
rnnika-Meisters noch in der Nähe von 
geordnet waren, 
Conrad von Socst oder von Meister Francke, 
und auch nicht in Mainz oder Straßburg 
lassen sich die Tafeln einordnen. Überdies 
ist es nicht gut möglich, sie erst um 1430 
anzusetzen. Vielleicht wäre eine so späte 
Entstehung in Kärnten noch möglich, in 
Nordwesteuropa ist sic ausgeschlossen. Wo 
aber ist die Werkstatt zu suchen, in der 
sie gemalt worden sind? Sind in ihnen spät- 
gotische Inkunabeln englischer oder nord- 
französischer Malerei zu erkennen? Weder 
die wenigen überkommenen Tafelbilder 
noch die Zeugnisse der Buchmalerei bieten 
irgendeine Anknüpfungsmöglichkeit, an- 
ders hingegen, wenn wir sie mit den 
Arbeiten der eben besprochenen Kreise ver- 
gleichen. Da erscheinen sie wie gerufen, 
da erscheinen sie als ein Dokument, das 
seit langem erwartet werden mußte. 
Nicht um 1430, sondern um 1400, vielleicht 
einige Jahre danach, vielleicht auch etwas 
davor, noch im letzten Dezennium des 
ausgehenden 14. Jahrhunderts, sind diese 
Marientafeln entstanden. Ihr Maler war 
noch ein ausgesprochener Trecento-Meister, 
ein Maler, der sehr wesentlich vom italieni- 
schen Trecentn berührt gewesen ist. Die 
Architekturen seiner Bilder, immer sym- 
metrisch und parallel der Bildebene ange- 
ordnet, sind noch kasren- und baldachin- 
förmig. Sie bekrönen mehr die Figuren- 
gruppen, als daß sie sie umschließen, sind 
sehr einfach, fast ohne glicdernde und 
schmückcnde Details und lassen nur ein- 
mal in einen I-Iintcrraum blicken. E 
Giotto sind solche kastenartige Bildarc 
tekturen in der italienischen Malerei l 
misch; Avignon hatte sie der französiscl 
seit langem vermittelt. Vielleicht hal 
den Maler dazu auch unmittelbare italic 
sche Einflüsse angeregt. Etwa gleichzei 
wurde in Oberitalien, wahrscheinlich 
Verona, das Tacuinum sanitatis, das Ha 
buch der Cerruti (Wien, ÖSICIKCIChISI 
Nationalbibliothek, cod. 259V"), mit v 
wandt erscheinenden Miniaturen 
schmückt. Von Italien übernommen 
auch die in drei Bildern als Fußbor 
gegebene rissige Felsschwelle, ein spä 
Relikt aus der byzantinischen Kunst, 1; 
weiterhin der schmale Goldgrundstreif 
der, den Fußboden seiner Realität e 
hebend, sich in allen Bildern unten hinzie 
Mag sein, daß diese Isolierung von i 
Buchmalerei entliehen ist, sie begeg 
auch in sienesischcn Tafeln, 2.13. in t 
die Kreuzlegende schildernden Flügell 
dem von Benedctto di Bindo Z0}: 
(Siena, Dommuscum). Die Figuren 
wegen sich ähnlich wie in Bildern w 
Bartolo di Fredi und sciner Schule, a 
sie stehen freilich viel dichter und luftlc 
beieinander, da der Raum, die große E 
deckung der italienischen Trecentn-Male 
den Maler nur peripher beschäftigt l 
Vielmehr hat er die Szenen als enggcfü 
Reliefs von geringer Tiefe komponii 
Das letzte Bild, die Erhebung Mariens
	        

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