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Volltext: Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 89)

 
Richard H. Kastner 
WANDLUNGEN EINER 
KULTURSTÄTTE - 
DREI JAHRI-IUNDERTF. 
KUNST UND TECHNIK AUF 
DEN WIENER 
GUSSHAUSGRÜNDEN 
Das Gcf 
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b! um dB! lIOCh IIIIVCÜJJIIIC Spältrc Cußhaus- 
m ms. Links im Bild die Stadlbcfcstigungtn 
h des Kflrlllntrlorä, ganz rechts die Pällllnßl- 
ANMERKUNGEN 1A16 
1 Archiv der Stadt Wien: z. u. cruridiiiruii 5116. Fol. 20a 
(Errrrruguug aus dem jahre 1556). 
1 Osten. Nztionalbiblinlhck. Hundschriflcnsammlung. s. ri. 
365, Fol. 2214. 
ßAr-rhiv du Siacll Wien: 1.11. Grundbuch 514, Fdl. 200. 
1 M. Lcxcr. Mittelhochdeutxches Handwörterbuch. 
S Archiv der Stadt wird: Grunduüchcr 5l5h. Fol. 32a. 
und 12315. Fdmsr. 
"Archiv du Stadt Wim: Grunclbuchcr 514, Fui. 201. 
51511, Fol. 2321., 5119, F 543a". und 560. 
7Archiv der Stadx Wie Grundbücher 514, Ful. 2011, 
und Slih, Fol. 132. 
1 K. Hofballtr. Die Wicden mit den Edclsitzcn Conrads- 
wrrd, Mühlfcld. Scruiuiiburgvriidr und dcm Frcigrunde 
Hirugei-rruurr. Wiuu 11164 s. 74. 
"Archiv drr Stadt Wie . Grundbücher 514. Fdl. 200. 
5151„ m. 232, und 5119, F0L422. 
m Archiv der Slldl Wim: Grundbuch 11115, Fol. 4er. 
II E. Guglia. Das Thurcsianunx in Wien, Wim 1912, s. 14. 
11 Ällgelncinrs Verwallungarchiv: Bundcsminislcriunz rdr 
Handcl und Verkehr, 2.6 224- 511930. 
H Im Jahre 1930 wurde bei der ErIiÜJIIIIIg des Schwach- 
irrominxlilulcs der Tuchnischml Hocluchul: der Grund- 
slvin des Gußhauscs freigelegt und dem Hceresguschichl- 
lichcn Museum übergehen. 
14 F. Ruhli, Artillcrii: (um 1154). Österr. Staatsarchiv, 
Kricgsarzhiv. 
11 o. Dinnoser, Bahnbrccher auf dem Gebiet des Geschütz- 
Wesens. 11mm rur Tcchnikgeschichte, s. Heft. Wien 1942, 
s. 571. 
I'- K. Hofhauer. Die Wicdcn . . .. s. 73. 
24 
 
 
 
Am 8. November 1965 wurde anläßlich 
der ISO-Jahr-Feier der Technischen Hoch- 
schule in Wien der Grundstein für ein 
neues Hochschulgebiude auf dem neben 
dem Elektrotechnischen Institut gelegenen, 
derzeit unverbauten Grund Ecke Gußhaus- 
straße und Favoritenstraße gelegt. Das 
sogenannte Gußhausareal mit seiner meh- 
rere Jahrhunderte umspannenden bedeut- 
samen Vergangenheit lenkte damit die 
Aufmerksamkeit Wieder auf sich. 
In alter Zeit bestanden hier Weingärtenl 
und Äcker, die unter anderen Wolfgang 
Wilhelm Prämer in seiner um 1660 ent- 
standenen Südansicht Wiens in dem Gebiet 
zwischen der kaiserlichen Sommerresidenz 
„Favorita" und der Vorstadt Wieden ver- 
zeichnctl. In den Urkunden des Bistums 
Wien, dem der Grund bis in das 18. Jahr- 
hundert dienstbar war, Findet sich der 
Flurname Haberpeunt3 (haber: Hafer; 
peuntc: freies, besonderem Anbau vor- 
bchaltenes, eingehcgtes Grundstück) 4, und 
auch das Vogelschaubild Folbert van Alten- 
Allens läßt in Übereinstimmung mit den 
Grundbucheintragungen noch eine rein 
landwirtschaftliche Bodennutzung erken- 
nen. 
Die in Bild 1 im Ausschnitt wiedergegebene 
Darstellung Alten-Allens zeigt Wien im 
Jahre 1683 unmittelbar vor der zweiten 
Türkenbelagerung. Zur Orientierung kann 
der deutlich erkennbare Verlauf jener von 
Wien nach Süden führenden alten Heer- 
und Handelsstraße dienen, die durch das 
Kärntnertor die Stadt verläßt, auf der 
sogenannten Steinernen Brücke den Wien- 
fluß überquert und an der ganz rechts im 
Bild sichtbaren Paulanerkirche vorbei die 
nördlichen Ausläufer des Wienerbergcs 
erreicht. Vor der Kirche zweigt links die 
heutige Favoritenstraße ab, an deren linker 
Seite der kaiserliche Sommersitz, die Fa- 
vorita, zu sehen ist. Das Gelände stadtwärts 
davon, auf dem später die Gußhausanlage 
entstand, ist noch unvetbaut. 
Nach der erfolgreichen Abwehr der Türken 
und den anschließenden militärischen Er- 
folgen Prinz Eugens setzte eine vehemente 
Bautätigkeit in den Vorstädten rings um 
Wien ein. Der rasche Wiederaufbau der 
Favorita zog im besonderen viele Hof- 
chargen in die Nähe der kaiserlichen 
Sommerresidenz auf die Wieden. S0 war 
es auch im vorliegenden Fall. Zunächst 
entstanden bürgerliche Anwesen, an deren 
Stelle 1710 ein Herrensitz trat, der schließ- 
lich in kaiserliches Eigentum überging. 
Im Jahre 1710 hatte Ferdinand Fürst 
Lobkowitz sieben benachbarte Anwesen in 
seiner Hand vereinigt5. Fünf von ihnen 
gehörten früher dem kaiserlichen „Ball- 
meister" Jacob Asch 6, der „ncgst der Sttaß 
in die Favoriten ein Haus und Pallhaus 
gepauet" und auf dem übrigen Grund 
einen Garten angelegt hatte. Die anderen 
beiden Anwesen waren vordem im Besitz 
des Hofkammerkonzipisten und Bürgers 
Ferdinand Gori7, der hier seit 1699 das 
Schankrccht „Zum gulden Wallfisch" be- 
saßä, und des Doktors der Rechte Paul 
Parth9. Wie Jacob Asch verkauften Gori 
und Parth ihren Besitz an Fürst Lobkowitz, 
der nun nahe der Favorita sein Sommer- 
palais errichtete. Der Plan von Lcander 
Anguissola und Jacob Vlarinoni aus dem 
Jahre 1706 (Bild 2) bezeichnet es mit 
Nummer 2. Am 23. Dezember 1721 ging 
das Palais samt Nebengebäuden und Garten 
in das Eigentum Kaiser Karls VI. über, 
der den Besitz zur Erweiterung seiner in 
der Favorita untergebrachten Stallmeistcrei 
um 30.000 Gulden erwarbW. 
Unter Karl VI. erlangte die Favorita große 
Bedeutung. Sie war nicht nur der Ort 
wichtiger politischer Ereignisse, sondern 
auch Pi-legestättc der Kunst und Schauplatz 
großartiger Feste. Unweit des Schlosses 
entstand auf einer Anhöhe am Ufer des 
Wicnflusses zur gleichen Zeit Johann 
Bernhard Fischer von Erlachs gewaltiger 
Bau der Karlskirche, der dann 1723 von 
Josef Emanuel Fischer weitergeführt wurde.
	        

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