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Volltext: Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 89)

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Jahre 1737 war ein Gelübde eingelöst, das 
Karl VI. während der Pestepidemie 1713 
abgelegt hatte. 
Am ZO. Oktober 1710 verschied Kaiser 
Karl VI. im Gartentrakt der Favoritall. 
Seine Tochter und Nachfolgerin Maria 
Theresia wählte Schönbrunn zum Sommer- 
sitz und stellte ihr Haus auf der Wieden, 
das nachmalige Theresianum, Unterrichts- 
zwecken zur Verfügung. Auf dem ehemals 
Lobkowirfschen Grund ließ sie ein Artil- 
leriegußhaus errichten 11. Am 28. Juni 1763 
nahm Anton Graf Colloredo die Grund- 
steinlegung VOIl-l. Als Bauführer wirkte 
der Artilleriehaumeister Ferdinand Mödl- 
hammer. 
Die Initiative zum Bau der „StückgießereW 
auf der Wieden ging von Josef Wenzel 
Fürst Liechtenstein (Bild 3) aus. Liechten- 
stein (169671772) war im Jahre 1744 von 
Maria Theresia als Generaldirektor an die 
Spitze der gesamten österreichischen Artil- 
lerie gestellt wurden und bewirkte in der 
Folge eine vollkommene Erneuerung des 
österreichischen Artilleriewesens. Auf 
Grund eingehender Versuche, die er an- 
stellen ließ, wurde eine Reihe neuer, den 
Fortschritten der Technik" entsprechend 
verbesserter Geschütze eingeführt (Bilder 4 
bis 7), die gegenüber ihren Vorgängern 
durch geringeres Gewicht, präzisere Her- 
stellung und größere Leistungsfähigkeit 
gekennzeichnet waren 15. 
Mit der Errichtung der Gießerei, deren 
charakteristischen hufeisenförmigen Grund- 
riß Josef Nagel in seinem Plan von Wien 
aus den Jahren 1770-1772 bereits darstellt 
(Bild 8), war die Widmung des Areals, 
das damals nur von der Favoritenstraße 
aus zugänglich war, auf lange Zeit be- 
stimmt. In seiner 1823 entstandenen An- 
sicht der Gegend rund um die Paulaner- 
kirche (Bild 9) zeigt der Ingenieurhaupt- 
mann Ferdinand von Wetzlsberg den an 
der Favoritenstraße gelegenen Vordertrakt 
des Gußhauskomplexes mit der von Wachen 
besetzten Einfahrt zum Gießereigebäude. 
 
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Rund ein Jahrhundert war die Stück- 
gießerei auf der Wieden untergebracht 
(Bild 10), bis sie in das 1856 vollendete 
Arsenalgebäude übersiedelte. Für das alte 
Gußhaus bot sich aber bald eine neue 
Verwendung. Schon zu Beginn des 19. jahr- 
hunderts ist hier eine Bronzestatue her- 
gestellt worden, und zwar das von Franz 
Anton Zauner entworfene, 1807 enthüllte 
Reiterstandbild Josefs II. auf dem Josefs- 
platz. Nun sollte das freigewordene Ge- 
bäude ausschließlich dem Kunstgenuß ge- 
widmet werden, was zunächst in provi- 
sorischer Form geschah. Am 9. November 
1861 meldete die „Wiener Zeitung" die 
definitive Widmung des ehemaligen Artil- 
leriegußhauscs zur k. k. Kunst-Erzgießerei, 
mit deren Leitung der Bildhauer Anton 
Fernkorn (Bild 11) betraut wurde. Am 
14. Dezember erfolgte der erste Guß, ein 
Standbild der Kaiserin Maria Theresia von 
Hans Gasset für die Militärakademie in 
Wiener Neustadt 16.
	        

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