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Volltext: Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 89)

 
Wlngler. .,()skar Kokcschku", Ullsfein Buch Nr. 549, 
Berlin 1966. 5.130. 
l "König Lear - Apulienreise 7 Helles", 63 14m6. 
graphien 1961-1963. Aussiellungskalalog. Murl- 
borough m6 M. London. Dezember 1963. s s. 
3 Oskar Kokoschku. Schiffbruch des OdySSeus (Buch v. 
v6.5 314-333). Liühogroohxe. 57x39.5 (m. (Aus dem 
Zyklus „Die Odyssee". 1965) 
4 Oskar Kokoschku. Circe sprich! mil Odysseus (Buch x. 
Vers 3227335). Lilhogruphie. 57:69,5 cm. (Aus dem 
Zyklus ..Die Odyssee". 1965) 
nl-leute weiß ich". sagt O. K. selbst, ,.daß diese 
Penthesilea das früheste Werk in deutscher Sprache 
ist. das zur modernen Kunst hinweist. Dieses 
Bühnenwerk ist in einer Zeit entstanden. als 
Klassizisten wie Mengs und Winckelmann von 
Gipsabdrücken auf ein ldeal des griechischen 
Menschen schlossen. dem das Leben fehlte. 
Im Gegensatz zur Fassadenkunst der Dogrnatiker 
und Ideologen tritt nämlich bei Kleist die er- 
schreckende. leidenschaftliche, erlebnisföhige Mene 
schennatur zutage als unser Erlebnis. Die gleiche 
Leidenschattlichkeit fand ich vor einiger Zeit in 
den Reliefs der Skulpturen des Tempels zu Bassae, 
die ich im Keller des Britischen Museums zu Lon- 
don betrachten konnte. Gleichfalls Amazonen- 
kömpfe. vor 2000 Jahren von Griechen geschaffen. 
welche den Schullehrern ein Grausen eingejagt 
hätten. wären sie damals bekannt gewesen . .  2. 
ln diesem Sinn sind auch die Figuren des Lithoe 
graphiezyklus konzipiert: große Köpfe mit weit 
aufgerissenen Augen. gedrungene Körper. die 
sich entweder mit den flackernden Licht- und 
Schattenpartien des Raumes verbinden oder in 
den nicht durchgezeichneten Hand-. Bein- und 
Fußkonturen auseinanderfließen. Darüber hinaus 
sieht O. K. aber auch die Gestalt des Odysseus e als 
positives Symbol - nach vielen Irrfahrten zu sich 
selbst zurücktinden. Noch bevor er im Winter 
1963164 den ersten Strich an diesem Zyklus getan 
hatte. sagte er zu mir: ,.Ja. ich werde die Heim- 
kehr des Odysseus Zeichnen. Der bestandene 
Kampf mit dem Fremden. das fesselt mich: seine 
trotz der Abenteuer bewahrte Neugierde. . . . Das 
ist ein Mann. der Schindluder getrieben hat mit 
seinem Leben und am Ende nichts anderes sein 
wollte als er selbst. Das ist eine Parallele zur 
biblischen Parabel vom verlorenen Sohn oder, 
um mehr in der Neuzeit zu bleiben. mit Peer Gynt. 
Im Leben ist es immer so: man verkommt und 
kehrt dann zu sich zurück"?
	        

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