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Volltext: Alte und Moderne Kunst XII (1967 / Heft 90)

Mit der Errichtung der Grazer Residenz 
fielen der Kunst und nun im besonderen 
auch der Malerei gewisse neue Aufgaben zu, 
die den Erfordernissen einer repräsentablen 
Hofhaltung in dieser Zeit entsprangen. 
Wie schon angeführt, setzte Karl dabei die 
Linie seines Vaters fort, indem er fast aus- 
schließlich italienische Meister bevorzugte, 
wofür nun freilich nicht nur Gründe der 
Konfession, sondern auch solche eines nach 
der neuesten Form verlangenden Repräsen- 
tationswillens ausschlaggebend waren. Doch 
sollte es vorerst noch mehrere jahre dauern, 
bis der erste Hofmaler in Graz einzog. Karl 
hatte mit der Regentschaft von lnneröster- 
reich eine schwere Bürde übernommen. Auf 
der einen Seite mußten die protestantischen 
Stände bei guter Stimmung gehalten wer- 
den, um von ihnen die für den Türken- 
kampf benötigten Gelder zu bekommen, auf 
der anderen Seite war ein Zurückdrängen 
der immer stärker werdenden neuen Lehre 
erstes Gebot für einen katholischen Fürsten, 
und Karls bewußte Schaukelpolitik ist Aus- 
druck dieser Situation. Solche inneren 
Schwierigkeiten ließen ihm vorerst wenig 
Zeit, sich um künstlerische Dinge zu 
kümmern. Nur die notwendigsten Baulich- 
keiten entstanden in diesen jahren: so die 
Erweiterung der Grazer Burg seiner kaiser- 
lichen Vorfahren Friedrich III. und Maxi- 
milian I. und die Errichtung des Jagd- 
schlosses Karlau, beide ausgeführt von dem 
Comasken Marco Dionisio Tadei 46. 
Mit der Errichtung der Grazer Residenz 
fielen der Kunst und nun im besonderen 
auch der Malerei gewisse neue Aufgaben zu, 
die den Erfordernissen einer repräsentablen 
Hofhaltung in dieser Zeit entsprangen. 
Wie schon angeführt, setzte Karl dabei die 
Linie seines Vaters fort, indem er fast aus- 
schließlich italienische Meister bevorzugte, 
wofür nun freilich nicht nur Gründe der 
Konfession, sondern auch solche eines nach 
der neuesten Form verlangenden Repräsen- 
tationswillens ausschlaggebend waren. Doch 
sollte es vorerst noch mehrere Jahre dauern, 
bis der erste Hofmaler in Graz einzog. Karl 
hatte mit der Regentschaft von lnneröster- 
reich eine schwere Bürde übernommen. Auf 
der einen Seite mußten die protestantischen 
Stände bei guter Stimmung gehalten wer- 
den, um von ihnen die für den Türken- 
kampf benötigten Gelder zu bekommen, auf 
der anderen Seite war ein Zurückdrängen 
der immer stärker werdenden neuen Lehre 
erstes Gebot für einen katholischen Fürsten, 
und Karls bewußte Schaukelpolitilt ist Aus- 
druck dieser Situation. Solche inneren 
Schwierigkeiten ließen ihrn vorerst wenig 
Zeit, sich um künstlerische Dinge zu 
kümmern. Nur die notwendigsten Baulich- 
keiten entstanden in diesen Jahren: so die 
Ervaeiterung der Grazer Burg seiner kaiser- 
lichen Vorfahren Friedrich III. und Maxi- 
milian I. und die Errichtung des Jagd- 
schlosses Karlau, beide ausgeführt von dem 
Comasken Marco Dionisin Tadei46. 
 
Seit der Vermählung Karls mit der bayri- 
schen Prinzessin Maria am 26. August 1571 
in Wien, der am 9. September der feierliche 
Einzug in Graz folgte 47, begann sich jedoch 
vieles zu ändern. Nicht nur daß Karl, unter- 
stützt von der bayrischen Verwandtschaft, 
nun eine größere politische Aktivität ent- 
faltete (1572 Berufung der Jesuiten), 
begann sich sein Aktionsradius unter dem 
Eini-luß seiner jungen Frau auch in künst- 
lerischen Belangen zu erweitern. Marias 
ererbte starke Neigung zur Kunst, dem 
schönen und wertvollen Gegenstand über- 
haupt, welcher sie auch große Summen 
Geldes zu opfern bereit war, belebte all- 
rniihlich das Kunstleben am Grazer Hof, ja 
war gewissermaßen eine seiner Voraus- 
setzungen. Der Ausbau der Kunstkammer, 
die noch aus dem Schatz Maximilians I. 
einige Zimelien beherbergte, wurde von 
ihr bald in Angriff genommen, wobei sie 
sich der Vermittlerdienste des kaiserlichen 
Gesandten in Madrid, Johann Christoph 
Khevcnhüller, versicherte, der auch für 
Rudolf II. in dieser Eigenschaft tätig war 43. 
Zur Ausstattung ihrer Privatkapelle in der 
Burg wurde schon im Jahr der Heirat der 
erste Maler an den Grazer Hof berufen; es 
war der Venezianer Giulio Licinio, der sich 
im Dienste Kaiser Maximilians II. gerade 
auf Durchreise nach Italien befand. F: schuf 
1571 ein Altarbild, darstellend eine Engel- 
pieta italienischen Typs, die seine Zuge- 
hörigkeit zum venezianischen Kunstkreis 
erweist 4". 1575 kam er nochmals nach Graz, 
um das Porträt der Erzherzogin (ver- 
schollen) und drei Jahre später die ihrer 
Töchter Anna und Katharina Renea zu 
malenfi". 
Mit Licinio setzt nun eine für die Hof- 
malerei unter Karl bezeichnende wechsel- 
volle Tätigkeit mehrerer Künstler ein, die 
fast alle, begünstigt durch die weitläufigen 
verwandtschaftlichen Beziehungen, von 
anderen Höfen „ausgeliehen" Wurden. Ihr 
Wirken in Graz war allerdings dement- 
sprechend zeitlich begrenzt und in der 
Hauptsache aufPorträtaufgaben beschränkt. 
So weilte 1575f76 der Dalmatiner Vartinr) 
Rota in Graz, der wie Licinio Hofkünstler 
Max' ll. in Wien waril. Als exzellenter 
Kupfersteeher im Stile des A. Raimondi er- 
hielt er den Auftrag, vom Erzherzog zwei 
Porträtkupfer anzufertigen, die wohl zur 
weiteren Verbreitung des landesfürstlichen 
Konterfeis beitragen sollten-V. Ilin Jahr 
später, 1577, befand sich der niederländische 
Porträtmaler Cornelis Vermeyen, gleichfalls 
aus Wien berufen, am Grazer Hof und 
malte hier mehrere der erzherzoglichen 
Kinder. Das gelungenste dieser Bilder ist 
wohl das 1577 datierte und signierte der 
dreijährigen Maria Christierna (Abb. 2), 
welches durch seine Natürlichkeit und 
Frische des Ausdruckes besticht und ein 
schönes Beispiel für Vermeyens Porträtstil 
darstellt, der niederländische und ober- 
italienische Einflüsse verbindet 53.
	        

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