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Volltext: Alte und Moderne Kunst XII (1967 / Heft 90)

ihm eine Serie von crzherzoglichen Kinder- 
bildnissen zugeschrieben, die deutlich den 
Einfluß venezianischer Malerei vettaten54. 
Auch Porträts der Erzherzogin Maria „neben 
anderen kleinen Gemahl" und die Konterfeis 
der Töchter Gregoria Maximiliana, Eleo- 
nora und Margarcthe, die für die Braut- 
werbung beim lnfanten Philipp in Spanien 
gebraucht wurden, können ihm nachge- 
wiesen werden 55. 
Für das schon mehrere Jahre geplante 
Mausoleum Erzherzog Karls in Seckau 
brauchte man nun aber einen Maler, der 
einerseits einer solchen großen Ausstattungs- 
aufgabc gewachsen sein mußte, anderseits 
aber auch entsprechend lang am Hofe zu 
bleiben hatte. Karl wandte sich deshalb an 
seine Schwester Eleonora, die durch Heirat 
zur Herzogin von Mantua geworden war, 
ihm einen geeigneten Künstler zu schicken. 
Dies geschah auch: 1587 erschien Tec- 
doro Ghisi, Hofmaler der Gonzaga, in 
Graz und wurde mit einem Monatsgehalt 
von lOO Talern in Dienst gen0mmen56. 
Gleich in seinem ersten Grazer Jahr ver- 
fertigte er zwei lebensgroße ganzfigurige 
Porträts des Regentenpaares57 und als eine 
Art katholisches Programmbild das „Sym- 
Pietro a: Pomis, Apolheme auf die Gegenreformation, 
Detail. 1602. cm. Anloniuwkirthe 
Piexro de Pomis. Stiftung des Paradeisklosten durch 
Erzhcrzogin Maria, um m02, Graz. Anloniuskirche 
Groteskenmzlereien, Endr: 16. Jahrhundert, Schloß 
Tnmendlulsl m Graz 
ANMERKUNGEN 46 - 62 
45 Wastler, Die italienischen Baumeister, a. a. 0., S. 244 - 
dem, Kunslleben. a. u. 0., S. 27f. w Viktor Thiel, Die 
landcsfiirxtlichc Burg in Graz. 1927 - Kohlbadl. Steirische 
Baumeister. Graz 1961, S. B7. 100, 135. 
47 Diese Gnzer Hochzcizsfeieriit-hkcitcn, an denen als Dekora- 
teur: wahrscheinlich die beiden Maler Paznbstl und Kam- 
machcr beleili warm, wurden vorn "Registralor einer 
ehrsamm Lün hzft in Stcyer", Wenzel Sponrib. genau 
geschildert. Siehe dazu: Wastler, Kunstlebcn. a. z. (7., 
s. am. r Källülßg der Ausstellung "Graz als Residenz", 
a. a. 0.. S. 118. 
41 Wnsller. Kunstlebcn, a. z. (7.. 3811 
4' l)ers., Giulio Litinio, der Ne c Pordenona, in: Beiblatt 
zur Zeitschrift m: bildende Kunst, 17. ]g., Nr. 23, Mm 
1882 7 dem, Knnsllehen, a. a. O., S. 341i". - W. Axsltm, 
Artikel G. Licinio in: Thi -Becker, Bd. XXIII, 
1929 7 Walther lluchowierk" chichte der Malerei in 
Wien, in: Gesrhirhtc der Stadt Wien, Neue Reihe, Bd. Vll, 
2, Wien 1955. S. 51 _ Peter Krcnn. Katalog der Aus- 
stcllung „Kunst das Mnnierismus aus eigenen Batänden" 
der Alten Galerie am Junnneutn, Graz, Mai 1966, S. 191". 
(arm weitere Literatur). 
59 Heinz, Studien. a. a. 0., 9.1095". und 196i". 
5' Buchowiceki, a. a. (M. S 501". 
51 Wastler, Kunsllebcn, 11.10., S. 73K. - Heinz, Studien, 
a. a. 0., '. 115 - Kreml. Katalog, u. a. 0., S. 24 (dort 
weitere Literatur). 
S! Wnsrlcr, Kunsrlcbcti. a. a. 0., S. 81 7 Heinz. Studien. 
a. n. 1).. S. 1105". 
54 Heinz, Studien. a. a. 0.. S. 1211. 
55 Wastler. Kilnsrlehen. a. n. O S. 108i". 
5" Dem, Kunstlzben. a. a. O 71T. - Artikel in Thieme- 
Bcckcr, lld. Xlll, 1920 Ä Chur: Pcrlnn, in: Mmtova i 
Le arli. vol. III Dalla mctzi dcl serolo XVl ai nostri giumi, 
Mantova o. 781". 
57 Ch. Perina, a. a. 0., S. 373. 
5' Suida, Katalog. z. a. O S. 103i. 
M Deä" Katalog. a. 3. 0., .104 - Krenn, Kztnl0g,.1. il. 0., 
S. . 
W Wagner-Rieger. Baukunst, a. a. 0., S. 200i". (dort alle 
wichtige Literatur). 
M J. v. Zahn. wann. 
 
 
 
  
  
 
 
 
 
"Äste, ' Styrimca, Gedmcktcs und 
Ungcdruektes zur at ärklschcn Geschichte und Kultur- 
geschichlt, Graz 1894, S. 158111 
"1 josef Andrilsüll. Gelehrtenk im in Graz 156471619. in: 
Katalog "Graz ;ilsl{1:lsil.lcnz' , u. a. (7., S. 1401i". 
 
 
bolum apostolorum" (Abb. 3), an dem 
bereits seine changierende Farbigkeit auf- 
fällt5ß. Noch im selben Jahr begann er mit 
den Arbeiten in Seckau, die er Ende 1588 
abschloß. Aus dem Wirkungsbereich der 
großen Malereien eines Correggio und 
G. Romano kommend, war er zweifellos der 
geeignete Mann, die in Seckau gestellten 
Aufgaben zu lösen. Daß dies zu vollster 
Zufriedenheit des Auftraggebers ausge- 
fallen sein muß, scheint uns der Umstand 
zu beweisen, daß er die ober dem Prunk- 
sarkophag zwischen zwei Fenstern gemalte 
Szene „Lasset die Kindlein zu mir kommen" ' 
als Leinwandbild leicht abgewandelt wieder- 
holen mußte 5". Mit diesem Seckauer Mauso- 
leum, dem ersten der drei prunkvollen 
Grabstiittcn steirischer Fürsten, an dem als 
l-lauptmeister noch Alexander de Verda und 
Sebastiano Carlone mitwirkten, erreichte 
die Grazer Hofkunst unter Karl ihren 
Höhepunkt "ü. Daß es als imposantes Denk- 
mal herrscherlichcr Repräsentation aus- 
schließlich in den Händen italienischer 
Künstler lag. kann nach dem bisher Ge- 
sagten nicht weiter überraschen, zumal F 
in konsequenter Ausschaltung protesta 
scher Elemente auch fast alle aul 
künstlerischen Hofstellen vom Gärtner 
zum Rat mit Welschen besetzt hatte 61. 1 
kehrte Ghisi nach Mantua zurück. 
10. Juli 1590 verschied Erzherzog Karl 
wurde mit großem Leichenzug in Sec 
beigesetzt. 
Wenn sich unter Karl die katholische S 
erst allmählich zu konsolidieren begann 
erreichte unter ihm der steirische Protes 
tisrnus seinen Höhepunkt. Dies äußerte 
etwa in der Gründung der Stiftsschule 
1574 als einem geistigen Zentrum 
Evangelischen (Kepler hatte bekanntlicl 
ihr gelehrtyvl und den erweiterten Z1 
ständnissen der Brucker Religionspazit 
tion von 1578, die Karl zu geben gezwun 
war, um die Festung Karlsstadt erbauet 
können. Es überrascht daher nicht, w 
wir gerade in dieser Zeit die rnalerisc 
Hauptwcrke des steirischen Protestantisi 
entstehen sehen: die Fresken Wenzel A 
lers von 1570 über der Gruft der Liech
	        

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