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Volltext: Alte und Moderne Kunst XII (1967 / Heft 90)

Ärmelstulpen und Kragen aus Durchbruch 
und Reticellaspitze mit figürlichen Motiven, 
ein goldgestickter italienischer Kragen, eine 
kreuzförmige Augsburger Halsuhr zeugten 
für das modische Zubehör der Renaissance. 
Reirersticfel und große fransenbesetzte 
Stulpcnhandschuhe sowie ein bcinintarsier- 
ter Dcgenstock wiesen auf die Wende vom 
17. zum 18. Jahrhundert. Wie für die 
späteren Zeiten Modekupfer und Zeit- 
schriften, so gaben hier Reproduktionen 
und Gemälde Hinweise auf die einzelnen 
Epochen. Die Mode der Gotik war mit 
einer vlagrlgesellschaft des burgundischen 
Hofes vertreten, die spanische Hoftracht 
mit den Porträts Erzherzog Karls II. von 
Innerösterreich und seiner Gemahlin und 
die deutsche Landsknechttracht mit zwei 
kolorierten Holzschnitten, die den Grafen 
Niclas von Zrinyi, den Verteidiger der 
Festung Sziget gegen die Türken, und 
Originalstücken, wie hochstöckeligen, 
fraiseseidenen Damensehuhen mit Silber- 
srickcrei, Halstüchern, Fächern und Beuteln 
umgeben. Die Blumenstickerei an Herren- 
westen und Stuhlbezug, an Umhang und 
Schürzen, Täschchen und Kinderhäubchen 
neben den bemalten Fächern auf zierlichen 
Elfenbeingestellen hatte besonders das 
Rokokn zu vertreten. 
Dem Gemälde eines Herrn mit gepudertem 
Haar in Zopffrisur, mit lila Rock und 
Hitterbestickter Weste mit Spitzenl-ichu 
waren Zopfbeutel mir Masche, ähnliche 
verschieden gefärbte und bestickte Westen 
und ein, freilich einfacheres, lcincncs Chemi- 
settchen mit Rüsche am Halsschlitz gegen- 
übergestellt. Auch das Bild eines zwölf- 
jährigen Knaben aus der steirischen Ge- 
werkenfamilie Schragl, gemalt vor seiner 
Verschickung an die Schule nach Graz, 
zeigte dasselbe modische Beiwerk. Ein 
hunderts, wurde nicht nur an den kunstvoll 
geknüpfren Fransen der Schultertücher 
sichtbar, sondern auch an einem Muster- 
heftchen mit feinen bunten Flechtbändchen 
sowie an dem Meisterstück eines Grazer 
Posamenrierers, einer über 30 cm langen, 
vielfältig geschmückten kunstvollen Vor- 
hangquaste. 
Drei Auslagenpuppen auf kleinen Bonbon- 
schachrcln sowie einige schöne Spitzen- 
Facher, Zeugnisse vom Ende des 19. Jahr- 
hunderts, waren besonders reizvoll. Zwei 
elegante Taschen, zwei Spitzenkragen aus 
dem Wiener Verein zur Hebung der 
Spirzcnindustrie, ein silberner Schirmgriif 
und ein goldgestickter Fächer zeugten für 
die Formen des Jugenclstils am Abschluß 
des Rundganges. 
Eine eigene Vitrine faßte die Reihe der 
Empire- und Biedermeier-Schuhe zusam- 
 
 
einen seiner Trabanten darstellen. Ein 
Reiterbild von Francesco Simonini (1686 
bis 1753) zeigte Stiefel und Handschuhe in 
ihrer Verwendung, zusammen mit dem 
Drcispitzlmut des frühen 18. Jahrhunderts. 
Zur Mode des breiten Spitzenschulter- 
kragens der männlichen Tracht des 17. Jahr- 
hunderts besitzt die Sammlung ein zwar 
nicht künstlerisch, aber kostümkundlich 
sehr interessantes Gemälde eines stutzer- 
haften Edelmannes mit gestrciftem Seiden- 
kostüm, langem blondem Haar, dem breiten 
Kragen und zwei verschiedenen Ärmel- 
stulpen aus Spitze und Silberstickerei; 
neben ihm ein Gupfhut mit großem rot_ 
weißem Straußenfedergesteck. Die große 
Perücke der Jahrhundertwende war in 
einem Porträtgemälde und in dem Kupfer- 
stich nach Hackhofers Zeichnung „Die 
Freytaffel der drey niederösterreichischen 
oberen Herrenständ" gezeigt. 
Ein Damenporträt vom jahre 1733 mit 
Häubchen und Fächer war von zahlreichen 
schwarzcr Zweispitz und ein langer Spitzen! 
schal, ein türkisches Tuch, Hitterbestickte 
und gemalte Fächer, mit Figurenmedaillons 
bedruckte Lcderhandschuhc, dazu ein Bei- 
spiel für die metallbestickten Musselin- 
tüchcr vertraten Ditectoire und Empire, 
wiederum ergänzt durch Porträts, Minia- 
turen, Silhouetten und Modekupfer. 
Im Biedermeier-Schaufenster setzten ein 
gelber Strohzylinder und eine kunstvoll 
geflochtene Strohschute mit lila Seiden- 
bändcrn einen besonderen Akzent. Maschin- 
gewirkte Seidenstrümpfc in verschiedenen 
Farben und mit reichen durchbrochenen 
Mustern, aber auch solche mit handgestick- 
ten rosa Blumenrankcn, Fächer aller Arten, 
vor allem aufklappbare Scheibenfächer, 
bunte Seidcn- und Spitzenschirme in den 
halbhohen, ganz kurzen und wieder länge- 
ren Formen ließen die ganze Entwicklung 
während des 19. Jahrhunderts verfolgen. 
Die Freude an den Posamenteriearbeiten, 
besonders in der zweiten Hälfte des Jahr- 
mcn, welche gekrönt wurde durch das 
Auslagenstück eines barocken Schuh- 
machers, und zwar ein holzgeschnitztes, 
rcichverziertes Stiefelchen auf Polster und 
Sockel, bemalt und vergoldet. Dieses Stück 
ist, wie auch die Strohschutc und ein 
winziges Schirmchen, eine Leihgabe aus der 
Sammlung Primavesi in Schloß Tausendlusr 
in der Weststeiermark. Ein Lederstiefelchen 
mit Iiisenabsatz, das wohl aus einem Hand- 
werkerzeichen stammt, sowie die Repro- 
duktion zweier Holzschnitte aus dem Ger- 
manischen Nationalmuseum in Nürnberg 
mit Schuster! und Beutlerwcrkstätte des 
16. jahrhunderts erweiterten die Reihe zum 
kulrurgeschichtlichen Bild. 
Auch den Hüten war einc eigene Vitrine 
gewidmet, obgleich sie fast nur der zweiten 
Hälfte des 19. Jahrhunderts entstammten. 
Es war eine liebenswürdige Auslage von 
Spirzen- und Maschengestecken und Capot- 
hütehcn, zum Teil mit reichem Federn- 
und Bänderschmuck; Reproduktionen von 
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