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Volltext: Alte und Moderne Kunst XII (1967 / Heft 90)

UNBEKANNTE GRAZER MALER 
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wenigen jabren begonnen. 
Franz Felfer 
DER MALER UND ZEICHNER 
RUDOLF SPOHN 
34 
Für den Kunstschriftsteller ist die moderne Kunst 
ein wahres Dorado. und die Literatur über die 
Moderne ist bereits eine Kunst der Deutung von 
Werken der bildenden Kunst geworden. Vielleicht 
werden sich bald Duos bilden (Maler und Literat 
oder Bildhauer und Literat). die das Kunstwerk mit 
Kommentar versehen auf die Ausstellung schicken: 
ist doch die Moderne völlig zu einer Erfindungs- 
kunst geworden, die scheinbar einer Erläuterung 
bedarf. Dabei kommt es zu unvermeidlichen 
Typisierungen als Folge aufgestellter Grundsätze. 
die den Bildinhalt und die Aussageform bestimmen. 
In den verschiedenen Richtungen zeigt dann das 
Kunstwerk jeweils die Zeichen seiner Zugehörig- 
keit. Nun gibt es auch Künstler, die sich bewußt 
reserviert verhalten, weil sie wissen. daß die 
Befolgung von Programmen nicht unbedingt zum 
Kunstwerk führen muß. Sie versuchen auf ihre 
Weise zu einer persönlichen Aussage zu gelangen, 
die nicht unbedingt avantgardistisch sein muß, 
aber keineswegs zeitfern sein darf. Unter diesen 
Besonnenen und Distanzierten finden wir den im 
einundsechzigsten Lebensjahr stehenden Grazer 
Maler und Zeichner RudolfSpohn. Sein gediegenes 
handwerkliches Können ermöglicht es ihm, seine 
Bildschöpfungen bis zur Vollendung durchzubilden, 
Er begnügt sich nicht mit einer flüchtigen Bild- 
konzeption. die vielleicht nur eine Aufforderung 
an den Betrachter wäre. das Bild gedanklich zu 
vollenden. es zu Ende zu denken; sein Streben ist 
vielmehr auf die Durchbildung und Gestaltung all 
der Elemente gerichtet. deren Gesamtheit eben ein 
Kunstwerk ausmacht. 
Spohn ist weder Dekorateur noch Ornamentiker. 
Den Menschen im Blickfeld, kam er gar nicht auf 
die Idee, sich den Gegenstandslosen anzuschließen, 
dennsein Interesse, neben dem formalen Malerischen 
und Zeichnerischen. richtet sich auf den Menschen 
selbst. Das menschliche Antlitz. die menschliche 
Gestalt sind die Inhalte seiner Bilder: seine Ge- 
schöpfe haben alle Merkmale einer feinen Charak- 
terisierungskunst. Diese Kennzeichnung ist von so 
überzeugender Wirkung. daß kein Zweifel bleibt. 
mit welcher Art von Wesen wir in seinen Kompo- 
sitionen zu tun haben. Er scheut dabei auch keines- 
wegs. um das Prüdikative seines Vortrages zu 
steigern, vor Deformationen zurück. Alles Dinge 
expressionistischer Herkunft. aber in einer Art 
vorgetragen, daß das Bild als Bild in Hinblick auf 
seine ästhetische Bestimmung bewahrt bleibt. 
Wir finden aber auch die Dinge in seinem Werk. 
die der surrealen Sphäre angehören. welche aber 
keineswegs mit den üblichen lmponderabilien des 
Surrealismus identisch sind, die oft eine recht 
zwielichtige Welt des Unterbewußten vorspiegeln. 
Bei ihm wird durch seinen malerischen Vortrag 
- er ist Maler im eigentlichen Sinne. nicht Kolorist. 
nicht Graphiker mit Farbe - alles, was er dar- 
stellt. eine bildnerische Wirklichkeit. Es wird 
sozusagen existent unter seinen Händen. 
Das gelingt ihm in der Ölmalerei mit virtuos 
gehandhabter Technik. die von der Pastositöt bis 
zur Lasur alle Möglichkeiten restlos erschöpft. Eine 
feinsinnige, höchst differenzierte Aneinander- 
reihvng von Valeurs zu einem Bildganzen ergibt
	        

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