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Volltext: Alte und Moderne Kunst XII (1967 / Heft 91)

An schwerem und leichtem Harnisch 
(Reiter-Küraß) wurden damals 199 Stück 
aufgenommen, heute sind es noch 132, 
jeweils Brust- und Rückenstücke ohne 
Armzeug, die ganze Serie trägt Nürn- 
berger Beschauzeichen und ist ein bisher 
einzig dastehendes Zeugnis dafür, daß im 
zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts noch 
Plattner aus Nürnberg ausgeliefert haben. 
Denn es handelt sich hier zweifellos um 
eine einheitliche Bestellung. Zu den Har- 
nischteilen gehören 163 sogenannte Zischäg- 
gen, eine in Ungarn gebräuchliche Form 
der Sturmhaube mit Nasenschutz und ge- 
schobenem Nackenteil, auch diese in Nürn- 
berg erzeugt. 91 Hellebarden zählt das 
Inventar auf, dazu noch eine ganze Reihe 
von Einzelwaffen und Gerät zum Kugel- 
gießen, Pulver, Blei, Schwefel und Sal- 
peter, allerlei Werkzeug, Pistolen, Degen 
und Säbel, Granaten und Pechkränze. 
Forchtenstein war bestens ausgestattet und 
reich versehen. 
Ist dieses Inventar nach der Türken- 
befreiung 1683, an der Graf Paul vor Wien 
aktiven Anteil genommen hatte, und knapp 
vor Beginn eines neuen Feldzuges, in dem 
die Wiedereroberung von Budapest vor- 
bereitet wurde, aufgestellt, stammt das 
nächste und aufschlußreichste aus dem 
Jahre 1759: hier legt der Hochfürstliche 
Zeugwarter Paul Brabant Rechenschaft ab 
über alle Kriegsarmaturen, Munition und 
andere EHekten, die ihm Anno 1716 an- 
vertraut worden waren. 
1715 war Palatin Fürst Paul gestorben. Sein 
zweiter Nachfolger, Fürst Paul Anton, 
stellte laut Kapitulation vom 17. jänner 
1742 ein Regiment Husaren zu 10 Kom- 
panien auf eigene Kosten auf und blieb 
bis zu seinem Tode 1762 dessen Inhaber. 
Mit diesem Regiment hat er während des 
Österreichischen Erbfolgekrieges 1742 in 
Böhmen, 1743 in Bayern und am Rhein 
gekämpft, hatte 1744 den Rückzug nach 
Böhmen und 1745 die Schlachten bei 
Hohenfriedberg und Soor mitgemacht. 
1746 und 1747 finden wir ihn in mehreren 
Schlachten und Gefechten in den Nieder- 
landen. 1753 übernahm sein Bruder und 
späterer Nachfolger Nikolaus (der „Präch- 
tige") das 33. Infanterieregiment als In- 
haber. Beide Regimenter haben an fast 
allen großen Schlachten des Siebenjährigen 
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Krieges teilgenommen: 1757 Prag und 
Leuthen, 1758 Hochkirch, 1759 Laun und 
Maxen, das 33. Husarenregiment auch 1760 
die Expedition im Corps Lacy nach Berlin. 
Während der Schlacht bei Kolin Waren 
beide Regimenter nach dem unglücklichen 
Ausgang der vorhergehenden Kämpfe in 
Prag eingeschlossen. Generalmajor Niko- 
laus Esterhäzy dagegen stand als Stabs- 
offizier an der Spitze einer Infanterie- 
brigade im Gefecht und zeichnete sich so 
aus, daß ihm der Maria-Theresien-Orden 
verliehen wurde. 
Zurück zu unserem Inventar, in dem nun 
eine ganze Reihe von Waffen auftauchen, 
die mit der oben erzählten Regiments- 
geschichte in Zusammenhang stehen. 
Im Laufe des 17. Jahrhunderts waren 
große Mengen von Luntenmusketen ange- 
schafft worden, deren Läufe, soweit sie 
übriggeblieben sind, fast alle einen Stempel 
tragen, ein L mit einer Krone. So viel wir 
wissen, war dies das Zeichen der kaiser- 
lichen Waffenmanufaktur in Wiener Neu- 
stadt zur .Zeit Kaiser Leopolds I. S0 weit 
auf den Kolben der Brandstempel CPE 
Comes Paulus Esterhäzy eingeprägt ist, 
stammen die Stücke noch aus der Zeit vor 
1687, in diesem Jahr wurde Comes Paul 
zum Princeps erhoben. Ein großer Teil 
der Kolben ist mit den Buchstaben HP 
mit Lorbeerkranz und Fürstenkrone ge- 
stempelt, vielleicht aufzulösen als „Hun- 
gariae Palatinus". Die Kolben wären also 
vor 1715 zu datieren. Zu den Lunten- 
musketen gehörten „alte unbrauchbare 
höltzerne Pantalier, so nichts mehr als das 
Wegwerfen verdienen". Gott sei Dank 
wurden nicht alle weggeworfen. 
Um 1700 kam die Luntenmuskete langsam 
außer Gebrauch, das unpraktische Lunten- 
schloß wurde durch das in Frankreich 
entwickelte Steinschloß ersetzt, vielfach 
durch Umbau der alten Gewehre. Das ge- 
schah, wenn auch erst verhältnismäßig 
spät, auch in Forchtenstein, das eine eigene 
Büchsenschäfrerei in Betrieb hatte: 1737, 
1738 und 1740 wurden „B5 Stück Lauff zu 
commihs Flinten Lauff überschmiedet und 
aufjezige Art mondiert". Tatsächlich haben 
68 von den Infanteriesteinschloßgewehren 
noch die alten Kolben mit dem HP- 
Stempel und die Musketenläufe. Eine 
zweite Gruppe der Infanteriegewehre, 31 
Stück, gleicht den im kaiserlichen Heer 
nach 1722 eingeführten lltlodellgevcehrcn, 
die meisten Läufe sind mit C und Krone 
gestempelt (kaiserliche Manufaktur Karl 
 17 Stücke sehen so aus wie das 
Komiß-Flinten-Modell 1754, dazu führt 
das Inventar an „item befindet sich ein 
gute Musterflinten von Penzeneder" (dem 
Begründer der Waßenmanufaktur in Steyr). 
Die vierte Gruppe, 18 Stücke, ist ganz 
anderer Herkunft: die Kolben schlank und 
poliert, die Läufe lang und mit vielen 
Zeichen versehen, die die Flinten als in 
den Manufakturen Charlcville und St. 
Etienne in Frankreich entstanden ausweisen. 
In die Holzteile sind vielfach die Namen 
von niederländischen Regimentern ein- 
geschnitten. Dazu das Inventar: „Nieder- 
ländische Flinten, so Sr. fürstliche Durcha 
laucht aus dem Felde mitgebracht, seind 
mit Eisen mundirt . . . 18 Stück." 
Zum Schluß dieser Auszüge noch ein 
Blick auf die Beutestücke: 1742, 1745 und 
1756 Wurden laut verschiedenen Quit- 
tungen im ganzen 291 „Preusische Ge- 
wöhr" nach Forchtenstein gebracht, von 
denen im Sommer 1749 Wieder 120 an die 
Regimenter ausgegeben wurden. In den 
schlesischen Kriegen erbeutet, Wurden sie 
also Wahrscheinlich im Siebenjährigen 
Krieg schon wieder gegen die Preußen 
verwendet. Die preußischen Karabiner- 
und Pistolenpaare sind alle verschwunden, 
hingegen stimmen die angegebenen Zahlen 
über 1742 und 1745 eingebrachte Patronen- 
taschen, Partisanen, kurze Säbel und Gre- 
nadierhauben fast genau mit dem Bestand 
überein, der sich noch in Forchtenstein 
befindet. 
Eine lange Liste wäre nun noch von den 
Fahnen aufzustellen, die dem Hause Ester- 
hazy seit 1618 in Krieg und Repräsentation 
gedient haben und in Rüst- und Schatz- 
kammer aufbewahrt wurden, die kost- 
baren Jagdwaffen, Radschloßbüchsen und 
Flinten und die Prunkpistolen wären noch 
anzuführen, die Einzelstücke aus der Tür- 
kenbeute und die Beute- und Erinne- 
rungsstücke aus den Napoleonischen Krie- 
gen. Doch ist die Bearbeitung alle: dieser 
Bestände nach Quellen und Waffenge- 
schichte noch lange nicht abgeschlossen.
	        

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