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Volltext: Alte und Moderne Kunst XII (1967 / Heft 91)

Krüge (1-9) 
Um 1320 - Wcinburg 
Um 1336 7 Biexbaum im Klcchigl 
Um 1408 7 Thomasbcrg 
1450 7 032m 
Um 1455 7 Schrems 
msoyss 7 Koningncusiedl 
Um 1460 - Hohcnau 
Um 1466 7 Wcißcnkirchcn 
Um 1465 7 FlüChßu 
 
B 
hobenen, stärksten Ausbauchung ansetzt, 
ist folgedcssen auch schon kürzer und 
stärker eingerundet gegenüber dcn mehr 
kugeligen Gefäßen. Auf ihr ist jeweils ein 
höherer, leicht eingeschwungener Hals- 
einzug angebracht, der dann einen gering- 
fügig modulierten, lippenförmigen und nur 
wenig untcrkehlten Rand trägt. Interessant 
ist noch, daß der älteste Münztopf aus der 
Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert aus 
Großeibenstein ein ähnliches Spcichenrad 
wie der Topf von Allentstcig aufweist. 
In ihrem Habitus schließlich weicht die 
vor 1400 erzeugte, dunkelgrau gebrannte 
Sparkasse von Unterretzbach (Abb. IIIfZ), 
speziell vom Typ der St. Pöltener, wobei 
sich Formverbindungen mit den Topf- 
gefäßen des 14. Jahrhunderts ergeben, 
nicht ab, nur ist ihr Unterteil nun über der 
erwähnten Hochbauchung fast ganz abge- 
flacht. Erstmals können wir hier an der 
weitesten Bauchung zwei breitere, um den 
Gefäßkörper herumgedrehte, nebeneinan- 
der liegende parallele Furchen bemerken; 
ähnliche, leider stark verwaschene sind 
auch an der Bauchung des Großeiben- 
steiner Münzgefäßes vorhanden. 
Allen diesen bisher erwähnten Gefäßen 
steht eine Großform, die krugartige Kruke 
von Bierbaum am Kleebigl (Abb. Ilfl), 
gegenüber. Aber auch sie ist den Topf- 
formen ihrer Zeit eigentlich noch stark 
verpflichtet. Die Kugelform des Behält- 
nisses, das nur nach unten zu etwas stärker 
als die Töpfe ausgezogen scheint, zeigt 
diese Verbindungen deutlich. Nach oben 
hingegen führt die Wandung über die 
breite Schulter etwas steiler zum nicht 
sehr engen Hals hin, der eine hohe, einge- 
schweifte Gestaltung aufweist. Darauf sitzt 
ein mächtiger, konischer Kragen, aus dessen 
unterem, durch einen Wulstring deutlich 
verstärktem Teil sich ein Henkel mitten 
auf die Schulter hinabschwingt. Ihm gegen- 
über ist in den Rand erstmals ein Ausguß 
stark linksläul-ig eingedrückt. Von einem 
bewußt angebrachten Dekor kann wie 
bei den anderen Gefäßen auch hier schwer- 
lich gesprochen werden, obzwar sich an 
Bauch, Schulter sowie am Rand schmälere 
Wülste und Furchen um das Gefäß ziehen. 
Wesentlicher scheint uns dagegen schon 
eine neue Art des Töpferzeichens, das die 
gesamte Oberseite des Henkels einnimmt: 
neben- und untereinander gesetzte Ein- 
stiche treten hier erstmals auf. Zum Unter- 
schied zu den etwas später auftauchenden 
Töpfermarken ist ihre Bedeutung noch 
unklar. Das zweite, einem ganz anderen 
Krukentyp zugehörige Gefäß ist jenes, in 
dem der Münzfund von Weinburg (um 
1320) verborgen worden ist (Abb. Illl). 
Es handelt sich nun um eine Kleinform. 
Über dem breiten Boden hat dieses Gefäß 
eine faßartige Gestalt, die sich zum Hals 
hin allmählich stärker verjüngt. Darauf 
sitzt ein plumper Wulstrand, aus dem sich 
ein merkwürdig englichtiger Henkel, wel- 
cher kaum zum Halten dienen konnte, auf 
die obere Schulter hinabzieht. Um die 
breite Bauchung sind wieder unregelmäßige 
Furchen angebracht. Die stärkere Graphit- 
beimischung im Kern stellt eine Ver- 
bindung mit dem ältesten niederöster- 
reichischen Gefäß her. 
Nun begegnet uns auch der erste sicher 
datierte, also älteste, zum Münztopf von 
Großeibensrein gehörende schwarz ge- 
brannte Tondeckel. Er ist an seiner Deck- 
i-läche rund und flach geformt, am Rande 
aufgezogen und außen gerade, ziemlich 
steil nach auswärts gelehnt, abgeschnitten. 
Er konnte dadurch mehreren, nicht zu 
sehr in ihrem Durchmesser differierenden 
GefäßöEnungen gedient haben. In der 
Mitte besitzt er einen Knauf als Halte- 
vorrichtung. Vom Depotfund aus Mittern- 
dorf sind wir noch über zwei Typen 
unterrichtet, einen hellrötlichen, großen 
Deckel mit einem Randhenkel und eine 
hohe, hellgraue Tonstürze. Das zeigt, 
daß wir also schon sehr früh mit einem 
gewissen Formenreichtum an Deckeln rech- 
nen müssen; bei den anderen Gefäßrypen 
wird es wohl nicht viel anders sein. Zuletzt 
mögen als Sonderformen noch zwei grau 
gebrannte röhrenförmige Elemente einer 
Wasserleitung, die sich verlängernd ineinan- 
der gesteckt werden können, Erwähnung 
Enden. Sie haben sich zusammen mit dem 
Münzgefäß von Bierbaum gefunden. 
Waren wir über die Gefiißtypen bis ins 
14. Jahrhundert auf Grund weniger sicher 
datierter Tongeschirre ziemlich oberßäch- 
lich orientiert, ändert sich das schlagartig 
am Ende des Spätmittelalters. Nun sind 
uns in dieser Berichtszeit auf einmal so 
viele Funde bekannt wie _aus den vor- 
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