MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst XII (1967 / Heft 92)

 
platz. Auch mit der baulichen Vorbereitung 
des Festes, das der portugiesische Botschafter 
Marquis de Marialva am 1. Juni 1817 aus 
Anlaß der Vermählung der Erzherzogin 
Leopoldine mit dem Kronprinzen von 
Portugal und Brasilien gab, war Moreau 
betraut. 
Die Werke der folgenden Jahre bilden den 
Abschluß seines architektonischen Schaf- 
fens. Zur Säkularfeier der staatlichen Por- 
zellanfabrik in der Roßau 1818 lieferte er 
den Entwurf eines rund hundert Meter 
langen Verkaufsgebäudes. Um die gleiche 
Zeit wurde er, der Erbauer und Besitzer 
des Dianabades in Wien, von der Stadt- 
verwaltung Badens mit der Planung des 
Frauen- und Karolinenbades betraut, das 
nach dem großen Brand des Jahres 1812 
nur provisorisch wiederhergestellt worden 
war. Im September 1820 begannen die Bau- 
arbeiten, und am 12. Juni 1821 wurden die 
Bäder eröffnet. Moreau faßte das kleinere 
Karolinenbad mit den Nebenräurncn in 
einem Hachen Baukörper zusammen, den 
die Halle des Frauenbades basilikal über- 
ragt (Abb. 11). Die notwendige Bedacht- 
nahme auf die vorhandenen Badebecken 
war für die Gestaltung entscheidend und 
hatte die Asymmetrie der Anlage zur 
Folge. 
Für Friedrich von Gentz, den Sekretär 
Metternichs, adaptierte Moreau ein Palais 
im Vorort Weinhaus (Abb. 12). Schließlich 
entstand an der Wiener Herrengasse sein letz- 
tes großes Werk, das Gebäude der 1816 ge- 
gründeten Oesterreichischen Nationalbank 
(Abb. 13). Der etwas uneinheitliche Grund- 
riß (Abb. 14) erklärt sich damit, daß der 
gegen die Herrengasse zu gelegene Teil 
des Grundes erst für die Nationalbank er- 
worben wurde, als der Bau bereits im 
Gange war. 
Zwei Jahrzehnte später, am 3. November 
1840, starb Karl Moreau in jenem Diana- 
badgebäude, das ihm seine Entstehung 
verdankt. Obwohl er ebenso wie sein Sohn 
Nikolaus Maler war, ist von ihm selbst 
kein Porträt auffindbar. Nur aus den Er- 
innerungen eines Schülers aus seiner Pariser 
Zeit werden uns einige seiner Wesenszüge 
bekannt. Danach war er eine gutaussehende, 
gepflegte Erscheinung von gütigem, aber 
kühlem Wesen, einsilbig und von rc 
vierter Höflichkeit. 
Eine Seite von Moreaus Schaffen verd 
besondere Beachtung, und zwar die 
de! konstruktiven Behandlung der l 
aufgaben, die bei einer Reihe seiner Bai 
und Projekte in den Vordergrund t 
Das kann nicht verwundetn, denn gei 
in der Zeit, in der Moreau seine Ausbild 
in Frankreich erhielt, wandte man sich I 
den technisch-wissenschaftlichen PIOblC] 
des Bauwesens bereits in besonderem N 
zu. Wesentliche Grundlagen für eine ex: 
Bemessung der Baukonstruktionen wui 
geschaffen, und an die Stelle der gebräi 
lichen Tragwerke begannen solche 
treten, die den neuen, durch die Industr 
sierung bestimmten Bauaufgaben ents 
chen. 
Im Zuge der letztgenannten Bestrebun 
erlangten die von dem Renaissancearchi 
ten Philibert Delorme im 16. Jahrhun 
eingehend beschriebenen und auch au 
führten Bohlentragwerke größere ßCl 
tung. Es handelt sich dabei um Bogentri 
aus mehreren Lagen kurvenförmig 
110 
11 
 

	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.